Neun Multiöle im Test

Neun Multiöle im Test

Kriechöl: WD-40 und Alternativen im Test

Ist WD-40 wirklich das beste Multiöl? Der Test verrät's!

Sprühöle versprechen viel: Schmieren, Rostschutz, Wasserverdrängung, Kriechfähigkeit. Der Labortest deckt auf, welche Öle das schaffen.
Multiöle, auch Kriechöle genannt, versprechen viel: Sie sollen schmieren, Rost lösen und zugleich vor ihm schützen, Metalle reinigen, Wasser verdrängen, Kontakte pflegen und in jede noch so kleine Ritze kriechen, um dort alle diese Wunder zu vollbringen. Kein Wunder, dass sie in fast jedem Haushalt, in jeder Werkstatt und in zahlreichen Reserveradmulden haben einen festen Platz haben. Im Test dann die Überraschung: Die wenigsten Produkte halten, was sie versprechen.

Kriechöle: Sonax SX90 mit bester Schmierwirkung

Das Multifunktionsöl von Sonax geht als klarer Sieger aus dem Test hervor. Urteil: sehr empfehlenswert.

©Hersteller

Machen wir's kurz: Von neun getesteten Multiölen überzeugt nur einziges auf ganzer Linie, Sonax SX90 hält die auf dem Dosenetikett gegebenen Versprechen am besten. Vor allem bei der Schmierwirkung kann das Spray von Sonax Messwerte vorweisen, die keiner der getesteten Mitbewerber erreicht. Hierfür wird im Vierkugelapparat die maximale Prüfkraft ermittelt, bei der die im Öl befindlichen Kugeln noch laufen, ohne miteinander zu verschweißen. Beim Sonax SX90 geschieht das erst bei 2000 Newton; das entspricht einer Last von 200 Kilo. Der Zweitbeste, Nigrin, verschweißt bei 1600 Newton – ein großer Abstand, aber ebenfalls ein guter Wert in diesem Testfeld, denn schon ab der zweiten Platzierung lässt die Schmierwirkung rapide nach. Überhaupt ist Nigrin dem Alleskönner von Sonax dicht auf den Fersen. In allen Prüfkriterien stimmt die Leistung, nur die Rostschutzwirkung lässt zu wünschen übrig: Nach 60 Stunden in fünfprozentigem Salzwasserdampf haben drei mit dem Produkt besprühte, unbehandelte Testbleche schon eine dünne Rostschicht angesetzt. Schade!

WD-40 wird Preis-Leistungssieger im Test

Wem es auf optimalen Rostschutz unlackierter Metallteile ankommt, der greift zu Sonax, Weicon oder, mit minimalen Abstrichen, WD-40. Den 60-Stunden-Rostschutztest überstanden die mit Weicon und Sonax besprühten Bleche ohne den geringsten Rostansatz – volle 20 Punkte. Eines von drei WD-40-Blechen zeigte nach der Prozedur minimalen Korrosionsansatz an einer Kante. WD-40 zählt in diesem Testfeld wohl zu den populärsten Multiölen, erreicht Platz 3 und wird Preis-Leistungs-Sieger. Enttäuschend ist allerdings seine nur mittelmäßige Schmierwirkung: Im Vierkugeltest erreicht WD-40 bei 1300 Newton den Punkt des Verschweißens, auch beim Reibverschleißtest ist der Testwert mit 25,06 mm² erheblich schlechter als bei Sonax mit 7,91 mm² und Nigrin mit 11,68 mm². WD-40 verdrängt allerdings effektiv Wasser und hat eine gute Kriechfähigkeit. Beides lässt sich auch vom Viertplatzierten Weicon sagen, der sich sehr ähnlich verhält.
# Multiöle im Test Zum Angebot
1.

Sonax SX90 Plus Multifunktionsöl

Preis*: 8,18 Euro

Testurteil: sehr empfehlenswert

2.

Nigrin Performance Multi-Öl

Preis*: 6,00 Euro

Testurteil: empfehlenswert

3.

WD-40 Multifunktionsprodukt

Preis*: 6,47 Euro

Testurteil: empfehlenswert

4.

Weicon W44T Multi-Spray

Preis*: 8,68 Euro

Testurteil: empfehlenswert

5.

Würth Multifunktionsspray

Preis*: 19,50 Euro

Testurteil: bedingt empfehlenswert

5.

Caramba C70 Multiöl

Preis**: 7,19 Euro

Testurteil: bedingt empfehlenswert

5.

Liqui Moly Multi-Spray Plus 7

Preis*: 7,50 Euro

Testurteil: bedingt empfehlenswert

8.

Ballistol Universalöl

Preis*: 12,62 Euro

Testurteil: bedingt empfehlenswert

9.

Bauhaus Profi Depot Multi-Öl BH 40

Preis*: 3,69 Euro

Testurteil: bedingt empfehlenswert

*Einkaufspreis des Testprodukts

Schlechteste Schmierwirkung bei Würth und Bauhaus

Ab dem fünften Platz gilt: Multifunktional ist keins der Multiöle mehr! Mit einer Gesamtpunktzahl von 98 tummeln sich gleich drei Produkte auf Platz 5. Caramba schmiert und schützt noch mittelmäßig, greift aber Kunststoff an. Im Polycarbonat-Teststreifen sind tiefe Risse. Liqui Moly liegt beim Rostschutz und bei der Schmierfähigkeit im guten Mittelfeld, verschenkt aber Punkte bei der Funktion der Spraydose: kein Universalsprühkopf, keine Überkopfsprühfunktion. Der auf gewerbliche Kunden zielende Anbieter Würth erreicht die schlechteste Schmierwirkung neben dem letztplatzierten Billigöl von Bauhaus. In Zahlen: Würth verschweißt im Vierkugeltest bereits bei 1000 Newton, Bauhaus bei 1100 Newton. Das sind die schlechtesten Werte aller getesteten Produkte. Mit 1200 Newton erreicht der Klassiker von Ballistol bei der Schmierwirkung fast WD40-Niveau, bietet aber schlechten Rostschutz, kriecht kaum und verdrängt auch kein Wasser. Bei einem Prüfpunkt konnten wir bei den Multiölen keinen Unterschied feststellen: Beim Test der rostlösenden Eigenschaften. Alle in einem Salzbad gelagerten Schrauben ließen sich nach dem Einsprühen mit einem sehr ähnlichen Drehmoment lösen. In dieser Disziplin gab es daher keine Punkte. 
Fazit von Lars Busemann: Was für ein enttäuschendes Ergebnis: Nur zwei der neun getesteten Multiöle erzielen sehr gute Schmierleistungen! Sonax SX90 erlaubt sich dabei nur bei der Kriechfähigkeit eine Schwäche, überzeugt aber in allen anderen Kriterien. Nigrin patzt beim Rostschutz. WD-40 und Weicon schmieren weitaus schlechter, schützen aber sehr gut vor Rostneubildung. Besonders enttäuschend: das Abschneiden der Multiöl-Klassiker von Ballistol und Caramba.

So hat AUTO BILD getestet

Die Multiöle hat AUTO BILD zusammen mit der Kfz-Sachverständigenorganisation KÜS in einem chemischen Fachlabor getestet. Kerneigenschaft von Öl ist seine Schmierfähigkeit. Mit einem Vierkugelapparat und einer Reibverschleißwaage lässt sich die Schmierfähigkeit von Ölen und Fetten wissenschaftlich testen. Beim Vierkugeltest laufen vier Prüfkugeln aus Stahl, wie sie auch in Kugellagern vorkommen, in einer Apparatur, wobei drei Kugeln in einen Topf eingeklemmt werden. Dieser wird mit acht Millilitern des zu testenden Öls befüllt. Die vierte Kugel, die von oben auf die unteren drei einwirkt, wird mit dem Antrieb verbunden und dreht sich mit 1500 U/min 60 Sekunden lang mit einer einstellbaren Prüfkraft. Dabei wird unterschieden in Gut- und Schweißkraft. Gutkraft bedeutet: Schmierung ist gewährleistet, die Kugeln drehen. Schweißkraft: keine Schmierung, die Kugeln verschweißen miteinander. Je höher die Prüfkraft bei noch vorhandener Schmierung, desto besser das Öl. Beim Übergang von Gut- zur Schweißkraft beginnt der Prüfstand zu vibrieren und Inhaltsstoffe verdampfen. Sobald dies eintritt, notieren wir die Messwerte.
Beim Reibverschleißtest geht es ebenfalls um die Schmiereigenschaften: Hier wird Materialabrieb eines Zylinders aus gehärtetem Stahl in einem Prüfstand unterm Elektronenmikroskop gemessen. Je geringer die abgeriebene Fläche, desto besser die Schmierwirkung. Um zu testen, wie gut die Öle vor Rost schützen, haben wir unlackierte, besprühte und angetrocknete Testbleche für 60 Stunden fünfprozentigem Salzwasserdampf ausgesetzt. Da Multiöle oft mit Plastik in Berührung kommen, ist auch hier eine gute Materialverträglichkeit wichtig. Dafür wurden Polycarbonat-Testflächen mit den jeweiligen Produkten besprüht und für 48 Stunden bei 80 Grad Celsius erwärmt. Spannungsrisse lassen anschließend Rückschlüsse auf die Güte der Öle zu.
Wasser führt zu Rost und Kontaktproblemen in elektrischen Anlagen. Um zu testen, wie gut die Öle Wasser verdrängen, kommen Graugussspäne zum Einsatz. 40 Gramm dieser Späne werden mit fünf Milliliter Leitungswasser versetzt und dann geschüttelt. Fünf Sekunden lang sprühen wir anschließend aus der jeweiligen Dose auf das Grauguss-Wasser-Gemisch in einem Reagenzglas. In dem speziellen, sich nach unten verengenden Reagenzglas sammeln sich Wasser und Öl – unten das Wasser, oben das Öl. Je mehr Wasser sich sammelt, desto höher die Wasserverdrängung. Um die Kriechfähigkeit der Öle sichtbar zu machen, wurde ein Gitternetz unter zwei aufeinanderliegende Glasplatten gelegt. 20 Mikroliter Multiöl lassen wir dann zwei Minuten kriechen. Je größer die sichtbare Ölfilmfläche, desto besser kriecht es. Unterschiede bei der rostlösenden Wirkung konnten wir bei keinem der Öle feststellen, entsprechend wurden hier keine Punkte vergeben.

Autor:

Fotos: Sveinn Baldvinsson / AUTO BILD

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