Je älter man wird, desto eher neigt man dazu, hin und wieder über die Schulter zu schauen – zurück zu dem, was man so erlebt hat. Es gibt Jubiläen, die fordern das geradezu heraus, finde ich – vor allem, wenn man Parallelen zur eigenen Biografie ziehen kann. Ich fahre also zu La Strada, die uns Vertreter der Fachpresse in der Nähe ihres Firmensitzes in Echzell (Hessen) ins Keltenmuseum am Glauberg geladen haben.
40 Jahre Reisemobilbau mit dem Namen La Strada. Das ist ein Grund zum Feiern, wegen der aktuellen Kaufzurückhaltung allerdings eher mit angezogener Handbremse.
La Strada HD 80
Lenkrad zum Umarmen, Armaturenträger aus Hartplastik und ein langer Schalthebel im T3.
Bild: Martin Häußermann, Ralph Binder
Schon von Weitem sehe ich die rote Knutschkugel, einen VW T3 von 1986 mit Hochdach, einer aus der ersten Serie, von La Strada aus Erstbesitz zurückgekauft. Camper dieses Schlages – der Ford Nugget feiert ja auch 40-jähriges – sind "schuld" daran, dass aus mir, 1988 junger CARAVAN-Volontär, zügig ein Reisemobilist geworden ist.

Geboren als Baumgartner

An dieser Stelle lohnt ein kleiner Blick zurück in der Firmenhistorie von La Strada. Das Unternehmen wurde 1986 von Vater (Otto) und Sohn (Joachim) Baumgartner als Baumgartner Reisemobile GmbH gegründet. Zunächst mit den T3-Campern HD 60 und HD 80 (Kühlschränke mit 60 oder 80 Liter Inhalt), später auch mit anderen Basisfahrzeugen. Schnell wuchs die Fertigung, Anfang der 1990er-Jahre waren es rund 200 Fahrzeuge im Jahr. Man investierte und zog auf ein neues Werksgelände (das heutige) – dann folgte ein Konjunktureinbruch.

Technische Daten: La Strada HD 80

Technische Daten: La Strada HD 80
Baujahr
1986
Basisfahrzeug
VW T3
Motorisierung
1,6-l-Diesel
Leistung
70 PS bei 4500/min
Hubraum
1588 cm³
Max. Drehmoment
128 Nm bei 2400/min
Höchstgeschwindigkeit
127 km/h
Länge/Breite/Höhe
4570 / 1845 / 2640 mm
Zul. Gesamtgewicht
2460 kg
Leergewicht
ca. 1950 kg
Zuladung
ca. 510 kg
Kühlschrank
80 l
Frisch-/Abwassertank
30 / 45 l
Heizung
Truma E 1800
Preis (1986) ab
37.900 Mark
Das passiert nicht oft in der Reisemobilwelt, aber leider doch mit schöner Regelmäßigkeit. Wie beim Platzen der New-Economy-Blase Anfang der 2000er – ein Neuanfang musste her. Investor Eugen Immler stieg ein, die Baumgartners ein paar Jahre später aus. Es folgte Marco Lange, den Immler als Geschäftsführer eingesetzt hat und der diesen Job heute noch bekleidet. Er straffte die Modellpalette und führte die europäische Typgenehmigung ein, mit der La Strada neue Märkte erschloss.

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Camping-Nostalgie der 1980er

Ja, damals waren wir noch Exoten, wir Reisemobilfahrer! Wenn jemand zum Camping fuhr, dann hieß das in der Regel: Wohnwagen an den Haken und los. Reisemobile waren auf den Campingplätzen so selten wie weiße Einhörner – von ein paar Hymermobilen vielleicht mal abgesehen. Aber dann kamen die Bullis – und wie! Vorneweg Westfalia, gefolgt von Reimo, Carthago, Weinsberg und, und, und – eben auch Baumgartner.
La Strada HD 80
Aus der Klappsitzbank wird im Handumdrehen ein Schlafplatz für zwei (schlanke) Personen.
Bild: Martin Häußermann, Ralph Binder
Unser HD 80 hier, einer aus der ersten Serie, hielt sich beim Ausbau auch ans klassische Layout. Also ohne Waschraum, dafür mit Küche links, dahinter Schränke und die große Klappsitzbank, die mal Sitz-, mal Schlafgelegenheit ist. Während die meisten Bullis mit Aufstelldächern bestückt wurden, hat dieser La Strada dagegen ein festes Hochdach. Mit einer Höhe von gut 2,60 Metern ist er nicht mehr garagentauglich, bietet aber dafür reichlich Bewegungsfreiheit, ohne dass man erst ein Dach aufklappen müsste. Und erst die Wetterqualitäten!
Kein Auf und Zu, nur weil mal ein Regenschauer vorüberzieht. So ein Hochdach verlängert die Nutzbarkeit als Camper locker um drei, vier Monate im Jahr. Dann setze ich mich hinters aus heutiger Sicht geradezu riesige Steuerrad des T3, und es fühlt sich an wie nach Hause kommen – im Wortsinn, denn dieser HD 80 hat auch noch Pilotsitze von Isringhausen, und die kommen aus Lemgo, meiner alten Heimatstadt. Zufälle gibt’s!

Der Diesel ist schon modern

Nun aber genug der Nostalgie, wir wollen los! Ich stecke also den Schlüssel, so ein schmales, langes Metall-Dings, ins Zündschloss und wecke den Vierzylinder-Turbodiesel. Der war schon eine deutliche Verbesserung damals zum zwar sehr haltbaren, aber doch völlig temperamentlosen Saugdiesel mit 50 PS.
La Strada HD 80
Die linke Seite ist ganz klassisch für den Küchenblock mit Spüle, Zweiflammenherd, kleinem Kühlschrank und Staumöglichkeiten vorgesehen.
Bild: Martin Häußermann, Ralph Binder
Der Motor im Heck erwacht sofort und rasselt und werkelt gleich munter vor sich hin. Die Schaltung mit dem extrem langen Hebel ist speziell, daran erinnere ich mich noch: Erst nach unten, dann nach vorn, sonst landet man im dritten Gang und würgt den Motor ab. Ein, zwei Versuche brauche ich, dann flutscht’s. Was für ein Fahrgefühl! Alles sehr ehrlich, sehr direkt und natürlich auch recht laut. So war das eben zu der Zeit.
Aber immer noch besser als im VW LT, der sich damals noch wie ein Lastwagen anfühlte, oder die Mercedes-Alternative MB 100 – wie beim LT saß der Motor vorn, zwischen Fahrer und Beifahrer. Unterhaltung? Zwecklos! So schlimm ist’s im T3 dann aber nicht. Und wenn man die Fuhre rollen lässt, fehlt einem auch die Servolenkung nicht. Abgesehen davon, dass das kurze Gefährt mit geringem Radstand praktisch auf dem Bierdeckel wenden kann.
So rollen wir munter durchs hügelige Hessen und lassen uns den Wind um die Nase wehen. Selbst die Hügel rauf macht der Oldie ganz tapfer mit. Was bei diesem Alt-gegen-Neu-Vergleich auffällt, ist zudem die brutal gute Rundumsicht: Knappe Abmessungen gepaart mit vielen großen Fenstern machen trotz kleiner Rückspiegel auch das Rangieren zum Kinderspiel. Eine Rückfahrkamera vermisse ich so gar nicht.

Campingkomfort von heute

Zugegeben, der La Strada HD 80 hat mich emotional voll erwischt. Als ich danach das aktuelle Jubiläumsmodell betrete, bleibt das Herzklopfen aus. Erst mal wundere ich mich, wie verbaut die Kastenwagen heutzutage im Vergleich zu ihren Oldie-Vorgängern doch sind. Du machst die Schiebetür auf, und da steht der wuchtige Küchenblock – mitten im Weg!
La Strada Avanti F Edition 40
Moderner und eine Ecke gemütlicher geht es hinter dem griffigen Ducato-Lenkrad zu.
Bild: Martin Häußermann, Ralph Binder
Das macht den Zugang anfangs schmal und trotz elektrisch ausfahrender Trittstufe eher nicht bequemer. Aber wenn man dann in der guten Stube steht und die Gefühlsduselei abgeschüttelt hat, merkt man schnell, was der Fortschritt in 40 Jahren so alles hervorgebracht hat. Denn der Avanti F ist kein Gelegenheitscamper, sondern eine rollende Ferienwohnung mit allem Zipp und Zapp.
Da wären erst mal mehrere Wohnbereiche: vorn die drehbaren Pilotsitze, keine von Isringhausen zwar, aber auch bequem und mit integrierten Kopfstützen und Armlehnen. Sie lassen sich perfekt in die Sitzgruppe mit Seitendinette und stabilem Tisch mit erweiterbarer Tischplatte integrieren. Im Rücken der Dinette schließt sich ein Waschraum an, kompakt zwar, aber mit allem ausgestattet, was man unterwegs braucht: Waschbecken, Toilette, Schrank mit Ablagemöglichkeiten und Duschwanne.

Technische Daten: La Strada Avanti F Edition 40

Technische Daten: La Strada Avanti F Edition 40
Baujahr
2026
Basisfahrzeug
Fiat Ducato Maxi
Motorisierung
2,2-l-Diesel
Leistung
140 PS bei 3500/min
Hubraum
2184 cm³
Max. Drehmoment
350 Nm bei 1400/min
Höchstgeschwindigkeit
100 km/h (>3,5 t)
Länge/Breite/Höhe
6360 / 2050 / 2890 mm
Zul. Gesamtgewicht
4250 kg
Leergewicht
3100 kg
Zuladung
1150 kg
Kühlschrank
150 l
Frisch-/Abwassertank
100 / 90 l
Heizung
Truma Combi D6
Preis ab
91.407 Euro
Was will man mehr? Die Küche von zu Hause geschrumpft. Auch der eben noch für seine Position gescholtene Küchenblock ist in Wahrheit prima, ja, im Vergleich zu früher geradezu ein Wunderwerk: mit Induktionsherd (als Teil des Sonderpakets Edition 40 mit Wechselrichter, Ladegerät und Lithium-Batterie für 3500 Euro), Spüle, Arbeitsflächenerweiterung, Oberschrank, 150-Liter-Kühlschrank und Schubladen mit Softeinzug – fast wie zu Hause, nur kompakter.
Ganz hinten im Fahrzeug befindet sich das Schlafgemach. Und auch das ist ein Multifunktionstool. Einerseits für erholsamen Schlaf mit bequemen Matratzen und Tellerunterfederung ausgerüstet. Andererseits aber auch solide Laderaumabdeckung, die sich bei Bedarf zur Hälfte hochklappen lässt, damit sperrige Güter geladen werden können. Selbst die Schlafgelegenheit in der oberen Etage ist mehr als nur eine Notlösung.
La Strada Avanti F Edition 40
Das Hauptbett im Heck wird heutzutage nur ausnahmsweise abgebaut.
Bild: Martin Häußermann, Ralph Binder
Und wie fährt sich das Ganze? Wirklich ausgezeichnet! Schon in der Basisversion mit 140-PS-Diesel und Sechsgang-Handschaltung ist der Avant F eigentlich potent genug unterwegs. Die im Testwagen eingebaute 180-PS-Maschine (2784 Euro Aufpreis) offeriert überlegene Kraftreserven, mit denen man sich beim Überholen oder in hügeliger Landschaft keine Gedanken um fehlende Power machen muss.
Die ebenfalls an Bord befindliche Achtstufen-Wandlerautomatik macht dank sanfter Gangwechsel das Fahren endgültig zum Genuss. Und auch wenn der Avanti F seinem Urahn in Sachen Wendigkeit den Vortritt lassen muss, überzeugt er auf allen anderen Gebieten ganz und gar. Ich weiß noch, wie kaputt ich in den 80ern nach einer Tour im T3 von Ostwestfalen nach Berlin war. Mache ich das heute mit einem Ducato, bin ich gerade erst warm gefahren ...