Lamborghini 350 GT, Miura, Countach & Co.: Besuch im Werksmuseum
Eine Zeitreise durch die Lamborghini-Geschichte

Bild: Kevin Brych / AUTO BILD
Die Geschichte, wie aus dem Traktoren-Hersteller Lamborghini der Sportwagenhersteller Lamborghini wurde, ist genauso legendär wie in ihrem Wahrheitsgehalt umstritten. Die Mär vom verweigerten Respekt Enzo Ferraris gegenüber dem unzufriedenen Ferruccio Lamborghini trieft zwar nur so vor italienischer Patriarchen-Dramatik und den verletzten Egos der beiden Protagonisten, wie es damals aber wirklich gelaufen ist, wissen nur zwei Männer wirklich – und die weilen längst nicht mehr unter uns.
Uns interessiert ohnehin viel mehr das Resultat des Ganzen. Und dieses besagt, dass die Firma Lamborghini seit 60 Jahren existiert. Mittlerweile sogar schon ein bisschen länger, denn das Jubiläum wurde im vergangenen Jahr groß gefeiert, im Rahmen dessen wir auch unseren Besuch im Museum direkt neben dem Werk absolviert haben.

In der Reihe der Sondermodelle kommen wir ins Schwärmen.
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Ein paarmal mussten wir diese Geschichte aus Aktualitätsgründen schon schieben, aber nun ist sie endlich raus. Zum Glück ist Geschichte zeitlos und Lambo aktuell so erfolgreich wie nie. Die unzähligen Sondermodelle werden ihnen wie geschnitten Brot aus den Händen gerissen, Urus und Huracán übertreffen alle Verkaufserwartungen – selbst die der kühnsten Optimisten.
Eine Zeitreise durch die Lamborghini-Geschichte
Dabei stand es schon mal ganz übel um die Marke. Noch eine Gemeinsamkeit mit Porsche, nur einige Jahre zuvor. Aber beginnen wir chronologisch: Im Untergeschoss des Museums reihen sich die frühen Ikonen der Marke aneinander: 350 GT, Miura und Countach. Der als komfortabler Sportgleiter konzipierte GT war das Erstlingswerk, das heißt eigentlich dessen Concept Car GTV, das allerdings nie in Serie ging.

Wie alles begann: Im Untergeschoss reihen sich 350 GT und Miura aneinander.
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Die Konstruktion war mit Einzelradaufhängung und Scheibenbremsen rundum ihrer Zeit voraus, die hinreißende Karosserie stammt nach einem Entwurf von Franco Scaglione aus dem Hause Touring. Vom Erstlingswerk mit 3,5-Liter-V12 und 280 PS entstanden nur 120 Exemplare, für den Nachfolger 400 GT erhöhte man den Bohrungsdurchmesser bei gleichbleibendem Kolbenhub. So entstand ein 3,9-Liter mit 320 PS, der mehr als doppelt so viele Kunden fand (273 Exemplare).
Der Miura folgte schon 1966 und begründete – was er damals natürlich noch nicht wusste – die Kategorie der Hypercars. Der V12-Mittelmotor war quer eingebaut, mit zunächst 350, später bis zu 385 PS und seinem windschnittigen Design aus der Feder von Marcello Gandini gehörte er zu den schnellsten Sportwagen seiner Zeit.

Wenn das Triebwerk an sich schon ein Kunstwerk ist: Der V12 bekommt einen Ehrenplatz.
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Der direkt daneben parkende Countach ist kein Geringerer als der LP-400-Prototyp aus dem Jahre 1973. Das Design geht auf ein Concept Car des Studio Bertone zwei Jahre zuvor zurück und prägt die Formensprache von Lamborghini bis in die heutige Zeit. Bis 1990 blieb der Countach im Programm und wurde in dieser Zeit zu der Markenikone schlechthin. Unzählige Kinder der Siebziger und Achtziger wuchsen mit Countach-Postern in ihren Kinderzimmern auf.
Eine weitere Pop-Ikone, die mit der Keilform des Countach allerdings gar nichts am Hut hat, ist der LM002. Er ist ein kompletter Ausreißer in der Geschichte der Marke, und seine Entwicklung geht auf eine Militärausschreibung der U. S. Army zurück. Das Rennen machte allerdings das später als ziviler "Hummer" bekannt gewordene HMMWV von AM General. So dachte man sich bei Lamborghini und dem späteren Eigentümer Chrysler: "Jetzt haben wir das Monstrum schon mal entwickelt, dann bringen wir es eben zivil auf den Markt."

Irrsinn der frühen 90er: Der LM002 ist quasi der Großvater des Urus und wurde bis 1993 nur 301-mal gebaut. Verbrauch: rund 40 Liter.
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Und so kam es, dass anstelle des 5,7-Liter-Chrysler-V8 in der Militärversion der 4,8-Liter-V12 mit 375 PS aus dem Lamborghini Countach LP500S in den Geländewagen wanderte. Ein Fahrgefühl wie kein zweites Auto auf diesem Planeten und Verbrauchswerte jenseits von 40 Litern alle 100 Kilometer waren die Folge. Dennoch brachte man 301 Fahrzeuge an den Mann, die heute zwischen 300.000 und 500.000 Euro gehandelt werden.
Modernere Lamborghini-Modelle im Obergeschoss
Im Obergeschoss widmet sich das Museum den moderneren Modellen vom Diablo SV über den Gallardo bis hin zu allerhand Sondermodellen und einigen Motorsport-Ikonen. Besonders die Reihe mit den limitierten Editionen lässt Fans vor Verzückung dahinschmelzen. Ganz links steht der Reventón, ein auf 22 Autos limitiertes und vom Murciélago abgeleitetes Sondermodell, das die ganze Chose mit den schweineteuren Limited Editions im Hause Lamborghini im Grunde erst losgetreten hat. Fünf Jahre später folgte 2012 der Sesto Elemento – ebenfalls streng limitiert (in diesem Fall 20 Einheiten) und knapp drei Millionen Euro teuer.
Über den Veneno (drei Coupés, neun Roadster; Preis: 3 beziehungsweise 3,3 Millionen Euro netto) gelangen wir zum Centenario, der auf dem Pariser Autosalon 2016 zum 100. Geburtstag des Firmengründers Ferruccio Lamborghini vorgestellt wurde. 40 Autos wurden gebaut – je 20 Coupés und Roadster.
Danach hangeln wir uns vorbei am Sián (63 Coupés, 19 Roadster; Lamborghinis erstes Hybridmodell) zum Countach LPI 800-4, von dem in den Jahren 2022 und 2023 exakt 112 Exemplare zu einem Stückpreis von 2,39 Millionen Euro entstanden.

Den Sián hat Lamborghini auf der IAA 2019 präsentiert. Er war das erste Hybridmodell der Marke.
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Sie sehen schon: Auch wenn andere Museen größer sind oder mehr Autos in der Ausstellung haben, hier im Lamborghini-Museum könnte man ewig ins Schwelgen verfallen oder ins Träumen geraten. Und wer einer der Glücklichen ist, der einen Stier aus Sant'Agata sein Eigen nennt, für den ist das hier der perfekte Ort, um in den Spirit der Marke einzutauchen und der Philosophie des Firmengründers ganz nah zu kommen.
Geöffnet hat das Museum im Sommer von 9.30 bis 19.00 Uhr, im Winter schließt es um 18.00 Uhr. Der Eintritt kostet 18 Euro, mit Werksführung werden 85 Euro fällig.
Diese Reise wurde unterstützt von Lamborghini. Unsere Standards zu Transparenz und journalistischer Unabhängigkeit finden Sie unter go2.as/unabhaengigkeit.
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