Le Mans: die Zukunft
Steckt das 24h-Rennen in der Krise?

Die 24 Stunden von Le Mans werden von Sportwagenfans mit Spannung erwartet. Vor allem, weil dann auch die Zukunft des Rennens geklärt werden soll.
- Michael Zeitler
Wenn Samstag (15. Juni) um 15 Uhr die 87. Ausgabe der "24 Stunden von Le Mans" startet, ist die vielleicht wichtigste Frage schon geklärt: Denn am Freitag lädt der Veranstalter ACO zur Pressekonferenz bezüglich der Zukunft des Langstrecken-Klassikers ab 2021. Denn die Sportwagen-WM (WEC) steckt in einer schweren Krise.
Auf den ersten Blick klingt das widersprüchlich. Noch nie in der Geschichte der 24 Stunden von Le Mans gab es so viele Starter (62 Autos und 186 Fahrer). 13 weitere Interessenten mussten abgelehnt werden. Doch die am stärksten besetzten Klassen sind die Kategorien LMP2 (20 Autos) und GTE-Amateur (17 Autos). Zwar fahren auch hier Profirennfahrer wie Pastor Maldonado (34), Giancarlo Fisichella (46) oder Mathias Lauda (38) mit. Aber mindestens ein Cockpit ist mit einem Gentlemanfahrer besetzt – wie Mentos-Bonbon-Chef Egidio Perfetti (43) oder dem kanadischen Businessmann Paul Dalla Lana (53/Krankenhäuser).
Die Topklassen sind eigentlich die anderen zwei Kategorien. Allen voran die LMP1-Klasse. Hier geht es um den Gesamtsieg. Allein: Nur acht dieser Prototypen sind am Start, nur die beiden Toyota TS050 Hybrid sind mit ihrem über 1000 PS starken 2,4-Liter-V6-Turbo-Hybrid siegfähig. Die Privatteams von Kolles, SMP und Rebellion können nur gewinnen, wenn Toyota ausfällt. Das ist in Le Mans natürlich nicht unmöglich, aber trotzdem sind die goldenen Zeiten vorbei, in denen mit Porsche, Audi und Toyota gleich drei Hersteller auf Augenhöhe und mit technisch hochkomplexen Super-Prototypen um den Sieg kämpften.
Daher muss eine neue Klasse her – beginnend schon mit dem WEC-Saisonauftakt im September 2020. Das Problem: Das 2018 veröffentlichte Hypercars-Reglement hat kaum einen Hersteller in den Bann gezogen. Neben Toyota zeigten nur kleine Teams wie Glickenhaus und Kolles Interesse an einem Hypercar. Am 16. Mai gab es im Vorfeld von Le Mans die letzte Krisensitzung. Die Details, wie sich die Hersteller, der ACO und der Automobilweltverband FIA geeinigt haben, werden am Freitag in Le Mans verkündet. Durchgesickert ist bereits: Die Hypercars sollen weiterhin Prototypen sein.
Die ursprüngliche Systemleistung von 970 PS (700 durch den frei wählbaren Verbrenner und 270 durch ein Bremsenergierückgewinnungssystem KERS) soll reduziert werden. Und: Neben Toyota ist mit Aston Martin ein zweiter Hersteller offenbar auf den Zug aufgesprungen. Trotzdem: Das Interesse ist begrenzt, der Zuspruch gering, die Zukunft damit auf Sand gebaut.

Sieht so die Zukunft von Le Mans aus?
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Die WEC und damit das Traditionsrennen Le Mans ist indes nicht die einzige Rennserie, die vor einer ungewissen Zukunft steht. Nur durch einen Kraftakt konnte mit Aston Martin ein dritter Hersteller für die DTM gefunden und der Untergang der Serie abgewendet werden. Und auch wenn die IndyCar sportlich immer attraktiver wird, findet sich partout kein dritter Hersteller neben Chevrolet und Honda – was für die Zukunft aber essenziell ist. Kurzum: Die Traditionsserien mit konventionellen Antrieben, die bei den Fans beliebt sind, straucheln. Die Elektro-Serien dagegen genießen gesteigertes Herstellerinteresse.
DMSB-Präsident Hans-Joachim Stuck (68) sagt zu ABMS: "Wir sind in einer spannenden Phase, wohin sich der Motorsport entwickelt. Wenn wir ganz ehrlich sind: Wir wissen nicht, was mit der DTM, der WEC oder der Rallye passiert. Wir wissen auch nicht, ob E-Autos die Endlösung sind. Aber sie sind eine Lösung. Daher macht es für Hersteller derzeit Sinn, in die Formel E zu gehen. Weil der Motorsport das härteste Prüffeld ist. Wir sehen einen Umbruch."
Toyota-Teamchef Rob Leupen (55) ist anderer Meinung. "Ich denke nicht, dass die Formel E das Problem ist. Die Hersteller, die beim Hypercars-Thema am Tisch saßen, sind gar nicht in der Formel E." Trotzdem: Die Zukunft der 24h von Le Mans steht in den Sternen.
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