Lexus GX55: Fahrbericht
So fährt der Land Cruiser im feinen Zwirn

Bild: Lexus
Genug ist nie genug, erst recht nicht in der PS-Welt. Zwar sind schon viele damit zufrieden, dass Toyota den Land Cruiser über die Zeit gerettet und sich nicht verbiegen lassen hat. Sondern auch in der neuen Generation wieder einen kantigen Dreckskerl baut, der weder woke sein will noch modern, sondern einfach ein Kumpel, mit dem man bis ans Ende der Welt kommt – und natürlich auch wieder zurück.
Doch weil man mit einem Land Cruiser zwar im Dschungel von Botswana einen Start machen kann oder in den Dünen der Sahara, aber nicht in Beverly Hills oder in South Beach, legt Toyota tapfer nach und bringt Lexus ins Spiel.

Außen hat der Lexus GX55 ein betont kantiges Design.
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Die noble Schwester hat aus dem gleichen Baukasten einen neuen GX gezaubert, der in den USA für fast schon lächerliche 64.250 Dollar oder umgerechnet 61.000 Euro als GX550 gegen vornehme europäische Geländegiganten wie den Mercedes GLS, den BMW X7, den Audi Q7 und vor allem den Range Rover antritt. Zur allfälligen Schlammschlacht rollt man mit ihm deshalb im feinen Zwirn.
Lexus GX55: der feine Bruder des Toyota Land Cruiser
Genau wie sein bodenständiger Bruder trägt auch der GX ein betont kantiges Design und lässt vermuten, dass die Designer eher von Lego kommen als von Lexus. Und auch wenn sie auf Wunsch reichlich Lametta an den dicken Brummer hängen, ist er sich für den Schlamm nicht zu schade. Nicht umsonst bieten die Japaner neuerdings auch eine sogenannte Overtrail-Version an, die dann auch mit verbreiterten Radläufen und einem Unterfahrschutz und einer Dachreling aufwartet. Außerdem stecken auf den 18-Zoll-Felgen dann Offroad-Reifen mit imposanten 33 Zoll.
Aber egal ob Steppe oder Strand, Wald oder Wiese, Berg oder Tal – drinnen riecht es nach Lack und Leder, und der Lexus verwöhnt die Kundschaft mit dem Ambiente einer noblen Hotelsuite – vom High-End-Audiosystem bis hin zum großen Touchscreen, der über der Mittelkonsole thront.

Mit dabei: ein High-End-Audiosystem und ein großer Touchscreen.
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Und zumindest verglichen mit den Hotels etwa in Manhattan ist der GX echt geräumig: Bei 5,00 Meter Länge und 2,84 Radstand thront man vorne in fetten Sesseln und hinten auf einem bequemen Sofa oder zwei noch bequemeren Einzelsitzen, nur die Sessel sechs und sieben lässt man besser stecken und erfreut sich stattdessen an einem Kofferraum, der seinen Namen auch verdient. Denn während man sein Gepäck in vielen Hotelzimmern nur auf dem Bett lagern und auspacken kann, schluckt der Lexus die Koffer bei 1300 bis 2600 Litern auch quer – und offen.
Lexus mit V6-Motor
Vergleichsweise kleingeistig geben sich die Japaner allerdings unter der Haube. Klar, wir mit unserem 204 PS starken 2,8 Liter-Diesel im Land Cruiser schauen neidisch nach Amerika und sehnen uns nach dem V6, der im Bug des feinen Vetters arbeitet. Aber drüben, wo alles, was bigger ist auch better ist, braucht so ein Auto eigentlich einen Achtzylinder. Nicht umsonst fahren die europäischen Konkurrenten allesamt auch mit V8-Power und kommen gut und gerne auf 500 PS.

Unter der Haube arbeitet ein V6-Biturbo, der für 349 PS sorgt.
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Allerding ist das eher Psychologie statt Physik. Denn mit 349 PS und 650 Nm ist der V6 seinen zwei Turbos sei Dank sogar stärker als der Achtzylinder des Vorgängers und hat entsprechend viel Punsch. Die neue Zehngang-Automatik sorgt für ein entspanntes Dahingleiten, und schneller als Tempo 160 darf man ja ohnehin nirgendwo fahren im vermeintlichen "Land of the Free". Genauso wenig wie daheim in Japan.
Außerdem ist ja Besserung in Sicht: Der große Bruder Lexus LX holt aus dem V6 schon jetzt 409 PS und kommt kurz nach dem Jahreswechsel auch als Hybrid mit dann 463 PS und 790 Nm – ein Beispiel, dem der GX wohl bald folgen wird.

Schicke und schlichtes Interieur im Lexus GX55.
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Was dem GX bis dahin an Power fehlen mag, das macht er zudem mit seinem Biss im Gelände wieder wett. Denn als Land Cruiser im feinen Zwirn ist er fürs Abenteuer besser gerüstet als manch nobles SUV der Konkurrenz. Deshalb gibt es nicht nur ein halbes Dutzend Fahrprogramme und einen obligatorischen Allradantrieb mit zwei Sperren und Untersetzung, sondern der Lexus steht vor allem auf einem unerschütterlichen Leiterrahmen.
Viel Prestige zu vergleichsweise kleinen Preisen – natürlich schielen deutsche Fans gewaltiger Geländewagen neidisch nach Amerika oder in die Emirate, wo der Lexus im Straßenbild vergleichsweise präsent ist. Doch leider gibt es von denen bei uns zu wenig und wenn, dann kaufen die am Ende halt doch wieder im deutschen Süden ein.

AUTO BILD-Mitarbeiter Thomas Geiger war mit dem Lexus GX55 unterwegs.
Bild: Lexus
Weil Lexus bislang keinen Hybrid, geschweige denn einen Plug-in anbieten kann, würde der Koloss den sonst so sauberen Japanern bei uns gehörig die CO2-Statistik verhageln und hohe Strafzettel aus Brüssel bringen.
Und weil zudem Russland aus gegebenem Anlass als Absatzmarkt ausscheidet, sind die Chancen auf einen Start in Europa ausgesprochen gering: Durch die Rocky Mountains pflügt der Lexus zwar genauso mühelos wie durch die Everglades oder die Prärie von Colorado – aber in die Rhön, das Emsland oder die Provinz bei Chemnitz wird er es deshalb wohl nicht schaffen.
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