Lotus Eletre als ZF-Technologieträger mit Super-Motor
Wie fährt sich dieses 680-PS-Geschoss von ZF?
Bild: Matthias Brügge/AUTO BILD
Schiere Elektropower auf die Straße bringen – das können viele E-Autos. Vor allem die allradgetriebenen Modelle schieben entfesselt auf gerader Strecke los. So auch der Lotus Eletre, das machtvolle Elektro-SUV des englischen Sportwagenbauers. Das schon serienmäßig exzellent abgestimmte Auto haben die Antriebsspezialisten von ZF mit neuester Motortechnologie und weiteren Raffinessen in einen Technologieträger namens EVselect verwandelt.
Den Namen des allradgetriebenen Super-SUV hat ZF sicher bewusst gewählt – steckt in der hinteren Achse des EVselect doch der Modulantrieb Select in der höchsten Ausbaustufe mit 408 PS (300 kW). Zusammen mit dem serienmäßigen 272-PS-Antrieb an der Vorderachse ergibt das eine Spitzenleistung von 680 PS – in einem ohnehin schon kraftvoll motorisierten Fahrzeug. Verbaut ist der serienmäßige 112-kWh-Akku. Auf dem ZF-Mobilitätstag bot sich die Möglichkeit, das elektrische SUV auf abgesperrter Strecke artgerecht zu testen – mit Instruktor an der Seite – und dabei die verbaute Technologie kennenzulernen.
Modular aufgebauter Motor mit bis zu 408 PS
Der Modulmotor im EVselect gehört zu den neuesten Entwicklungen von ZF: Komplexe Technik ermöglicht eine flüssige Kraftübertragung bei gleichzeitiger Gewichtsersparnis und effizienter Energieumsetzung.

So sieht der Select-Modulantrieb in Einzelteilen aus: eine Zentraleinheit mit Motor und Inverter, darin verschwindet das koaxiale Reduziergetriebe sowie der Carbon-Taped-Rotor ohne Seltene Erden.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
An der Hinterachse sitzt eine Zentraleinheit mit Stator/Motor und dem koaxialen Reduziergetriebe. Diese Bauweise spart rund zehn Kilogramm gegenüber einem Getriebe, das parallel zur Achse eingebaut wäre. In einem kompakten Kasten mit etwa 45 Zentimetern Kantenlänge verschwindet das koaxiale Reduziergetriebe samt integriertem Differenzial – notwendig, um die hohen Motordrehzahlen in Radumdrehungen umzusetzen.
Im Innern des Moduls rotiert ein Carbon-Taped-Rotor ohne den Einsatz Seltener Erden, was wiederum Kosten und Gewicht spart. Aber auch andere Rotoren können genutzt werden, je nach Einsatzart des Motors.

Auf der Startbahn am Flughafen von Zweibrücken ließ sich das Fahr- und Bremsverhalten des EVSelect im Einsatz testen.
Bild: ZF
Als zweite Besonderheit kommt eine softwarebasierte Integration von Rekuperierung und Betriebsbremse zum Einsatz: Das Fahrzeug kann aus voller Fahrt bis zum Stillstand verzögern, ohne dass Insassen den Übergang spüren. ZF nennt dieses System "i-Stop".
Wie fährt sich der EVselect?
Auf dem Flughafen von Zweibrücken hatten wir die Gelegenheit zur Testfahrt im EVselect. Dank der 2675 Meter langen Startbahn hatte das SUV genug Auslauf, um seine auf 180 km/h abgeregelte Höchstgeschwindigkeit zu erreichen. Die mögliche Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 3,5 Sekunden stand dabei nicht im Fokus – wichtiger war das Bremsverhalten. Einmal, weil das Ende der Landebahn schnell näher kam. Vor allem aber, um i-Stop zu testen: das Zusammenspiel aus Rekuperation und Betriebsbremse, das für ein nahezu unmerkliches Bremsgefühl sorgt.

Mathias Miedreich, der ZF-Vorstand für elektrifizierte Antriebe, präsentierte den EVSelect in Zweibrücken.
Bild: Matthias Brügge/AUTO BILD
Dazu gab es zwei Testdurchläufe: zuerst das klassische Abbremsen aus Tempo 100 bis zum Stillstand – ohne i-Stop. Ergebnis: Der Wagen nickt spürbar ein, und wer nicht kurz vor dem Stillstand den Fuß vom Pedal nimmt, erlebt ein leichtes Rucken beim Stopp.
Danach aktiviert der ZF-Instruktor das integrierte Bremssystem. Der gleiche Test, gleiche Geschwindigkeit – mit i-Stop. Das Resultat: kraftvolles, aber seidenweiches Abbremsen bis zum Stand. Fazit: Mit dieser Technik verlieren selbst Straßen mit abruptem Ende ihren Schrecken.
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