Vorstellung und Design: Eigenständige Optik im kleinen Levante-Bruder

Die Leuchten und der dreidimensionale Grill sind klar vom MC20 inspiriert, der Rest der Formgebung des neuen Maserati Grecale muss sich deutlich der Funktion anpassen. Ein SUV kann nun mal nicht so dynamisch daherkommen wie ein Sportwagen – sonst wäre es ja kein SUV.


Das Dilemma für Chefdesigner Klaus Busse ist also klar: Praxistauglich und dennoch schnittig muss der Grecale sein. Und das ist gelungen. Spötter sagen zwar: Ford Puma an der Front, ein bisschen Jaguar am Heck – wir sagen: Schämt euch! Dafür, dass der Grecale auf Stellantis' Giorgio-Plattform aufbaut (auf ihr steht auch der Alfa Stelvio), ist sein Look sehr eigenständig geraten.
Maserati Grecale Folgore
Baukasten: Der Maserati Grecale teilt sich zwar die Plattform mit dem Alfa Stelvio, er kommt aber sehr eigenständig daher.
Bild: Maserati
Am Heck soll die Leuchtengrafik an den ikonischen 3200 GT erinnern. Hätte es nicht in der Pressemeldung gestanden, wir wären nicht draufgekommen. Carbondiffusor und Vierrohranlage verbreiten weiteren Sportsgeist, an der Front geht die Haube für ein SUV sportlich flach nach unten.

Motoren und Preis: Grecale startet bei gut 71.000 Euro

Den Einstiegs-Motor macht ein Zweiliter-Reihenvierzylinder, der in den Modellen Grecale GT und Grecale Modena verbaut ist. In der unteren Ausbaustufe leistet das turboaufgeladene Aggregat 300 PS, im Modena 330 PS. Maximal 450 Nm Drehmoment reißen hier über eine Achtstufen-Automatik an allen vier Rädern. Der Basispreis des GT liegt bei 71.519 Euro, wer die etwas stärkere Modena-Ausführung haben möchte, muss mindestens 81.991 Euro aus dem Portemonnaie zaubern.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor
R4, Turbo, vorn längs
R4, Turbo, vorn längs
V6, Biturbo, vorn längs
Hubraum
1995 cm³
1995 cm³
3000 cm³
Leistung
221 kW (300 PS) bei 5750/min
243 kW (330 PS) bei 5750/min
390 kW (530 PS) bei 6500/min
Max. Drehmoment
450 Nm bei 2000-4000/min
450 Nm bei 2000-5000/min
620 Nm bei 3000-5500/min
Antrieb
Allrad, Achtstufenautomatik
Allrad, Achtstufenautomatik
Allrad, Achtstufenautomatik
Länge/Breite/Höhe
4846/1948/1670 mm
4847/1979/1667 mm
4859/1979/1659 mm
Verbrauch (WLTP)
8,7-9,2 Liter
8,8-9,3 Liter
11,2 Liter
Abgas CO2
198-208 g/km
199-210 g/km
254 g/km
0-100 km/h
5,6 s
5,3 s
3,8 s
0-200 km/h
23,7 s
21,9 s
13,8 s
Vmax
240 km/h
240 km/h
285 km/h
Preis
ab 71.519 Euro
ab 81.991 Euro
ab 111.003 Euro

Unter der Haube der Top-Motorisierung Trofeo steckt ein Dreiliter-V6 mit Twinturbo-Aufladung und innovativer Vorkammerzündung aus der Fomel 1. Wer die Berichterstattung zum MC20 verfolgt hat, denkt spätestens jetzt: Nettuno-V6 – und liegt damit falsch. Zwar nutzt der Motor im Grecale viele Details des Highend-Triebwerks – Bohrung und Hub etwa sind identisch –, er hat aber keine motorsportliche Trockensumpfschmierung.
Maserati Grecale Folgore
Pulsbeschleuniger: Der Biturbo-V6 im Grecale-Bug mobilisiert 580 PS und sorgt für sehr ordentliche Fahrleistungen.
Bild: Maserati

Dafür verfügt er über eine Zylinderabschaltung, mit der im Teillastbereich die rechte Bank stillgelegt werden kann. Nötig hierfür war aber ein anderer Ölkreislauf – die Grundzutaten vom Nettuno sind aber natürlich vorhanden. Das alles hat auch seinen Preis: Der Trofeo startet bei 111.003 Euro.

Unter vier Sekunden auf 100 im Grecale Trofeo

Und aus denen backt Maserati einen schmackhaften 530-PS-Block zusammen, der den Trofeo in 3,8 Sekunden auf 100 schnalzen soll und für bis zu 285 km/h sorgt. Fahrwerksseitig setzt der Trofeo serienmäßig auf eine variable Luftfederung mit Wankstabilisierung. In den kleinen Modellen GT (300 PS, R4-Mildhybrid) und Modena (330 PS, R4-Mildhybrid) ist diese optional. Je nach Fahrmodus lässt sich die Bodenfreiheit um bis zu zehn Zentimeter variieren – plus 60 Millimeter vom Normalzustand im Offroad-Modus, minus 40 Millimeter im Corsa-Setting.
Maserati Grecale Folgore
Das passt: hochmodernes Interieur mit drei Bildschirmen. An der Verarbeitung gibt es so gar nichts auszusetzen.
Bild: Maserati

Innenraum: Die Verarbeitung des Trofeo ist erstaunlich solide

Innen verführt uns der Trofeo mit schlichter Eleganz und erstaunlich solider Verarbeitung. Die Bedienung erfolgt über große Touchflächen, das Zentraldisplay misst 12,3 Zoll in der Diagonale, darunter sitzt noch ein zweiter Bildschirm mit 8,8 Zoll. Neben Touch ist Sprachsteuerung ein großer Faktor – und hier kommt die nun digitale Zentraluhr ins Spiel, die auf Knopfdruck zum persönlichen Assistenten wird.

Fahren: Erste Spritztour im scharfen Grecale Trofeo (Update!)

AUTO BILD durfte sich bereits hinters Steuer des 530 PS starken Grecale Trofeo schwingen und das SUV zur ersten Fahrt ausführen. Zunächst fällt auf, welch immense Fortschritte Maserati bei der Innenraum-Qualität und Verarbeitung gemacht hat. Kein Vergleich zum ersten Ghibli vor acht Jahren. Nichts knarzt, Materialauswahl und Verarbeitungsgüte sind auf höchstem Niveau.
Maserati Grecale Trofeo
Von 0 auf 100 in nur 3,8 Sekunden, 285 km/h Spitze: Das verspricht der Maserati Grecale Trofeo.
Bild: Maserati
Zudem ist das SUV richtig modern – viele Funktionen werden über Touch- oder Sprachbedienung eingegeben. Unter dem 12,3-Zoll-Hauptdisplay sitzt noch ein weiterer 8,8 Zoll großer Bildschirm, über den die Klimaanlage bedient wird.

Holprige Straßen sind der Feind des Grecale

Auf Landstraßen kann der Grecale zwar sein ganzes Potenzial nicht voll ausschöpfen, deutet aber an, welche Urgewalt in seinem Sechszylinder schlummert. Immerhin: Das SUV soll bis zu 285 km/h schaffen und die 100er-Marke bereits nach 3,8 Sekunden knacken. Das Ledergestühl bietet eine gute Mischung aus Komfort und Seitenhalt, lange Strecken sollten also kein Problem sein. Die Lenkung ist intuitiv, fahrwerksseitig sind scharfe Kanten im Asphalt der Feind des Grecale. Gerade im schärfsten Setting, aber auch im Normalmodus federt das SUV sehr unwirsch an.
Maserati stellt ein emotionales SUV auf eine bewährte Basis – klingt nach einem Erfolgsrezept. Preislich sowie in Sachen Leistung, Platz und Größe sortiert sich der Grecale sogar oberhalb des Porsche Macan ein.