Maserati MCPura Cielo: Fahrbericht
Mehr Angriff, mehr Exklusivität: Das ist der Maserati Pura

Ein paar kosmetische Anpassungen und ordentlich Feinschliff im Verborgenen machen aus dem einstigen MC20 neuerdings einen Maserati MCPura. Es sind nur Details, denen dennoch Aufmerksamkeit gebührt.
Bild: Maserati
- Phillip Tonne
Eines vorab: Maserati hat mit dem Pura kein völlig neues Modell auf die Räder gestellt, sondern eher eine sanfte Evolution des MC20 betrieben, die sich nun mit einem neuen Namen schmücken darf. Das klingt im ersten Moment natürlich nach Aufgewärmtem vom Vortag, erst recht, wenn sich die harten Zahlen dabei noch nicht einmal ändern.
630 PS, 730 Nm und 325 respektive 320 km/h Spitze standen schließlich schon in den Papieren der Vorgänger. Angesichts des gesamten Tohuwabohus der letzten Jahre muss man Maserati jedoch fast schon dafür danken, dass sie überhaupt noch am Konzept ihres Mittelmotor-Sportwagens festhalten. Zumal die Technik im Laufe der Jahre ganz sicher nichts von ihrem Reiz verloren hat.

Ein Platz an der Sonne: Der Maserati Pura bedient beide Welten. Sprint auf der Rennstrecke oder niedertouriges Flanieren entlang der Küste. Beides purer Genuss.
Bild: Maserati
Apropos Reiz: Optisch (und aerodynamisch) wurde der Pura im Vergleich zu seinem Vorgänger deutlich mehr auf Angriff getrimmt. Die neue Front – man nennt sie intern Haifisch-Optik – wirkt breiter und erinnert mit ihren scharf geschnittenen Lufteinlässen sogar ein wenig an den Aston Martin Valkyrie. Auch das Heck wurde überarbeitet und kleidet sich optional nun fast vollständig in Carbon. Die Leichtbau-Elemente, die einst nur dem Stradale vorbehalten waren, gehören jetzt zum festen Bestandteil des Pura-Sortiments.
Auch an der Abgasanlage lässt sich Gewicht sparen. Ganze sieben Kilogramm sogar, wenn man den ebenso betörend aussehenden wie klingenden Titan-Racing-Auspuff ordert. Nachteil: Der Klangverstärker besitzt in vielen Märkten keine Zulassung und ist daher nur für reine Rennstrecken-Nutzung gedacht. In Amerika, dem Hauptmarkt des Pura, sieht das sicher anders aus.
Fahrzeugdaten | Maserati MCPura Cielo |
|---|---|
Motorbauart/Aufladung | V6, Biturbo |
Einbaulage | hinten Mitte längs |
Hubraum | 2992 cm3 |
Leistung bei 1/min | 470 kW (630 PS)/7500 |
Literleistung | 211 PS/l |
Drehmoment bei 1/min | 730 Nm/3000-5500 |
Getriebe | 8-Gang-Doppelkupplung |
Antriebsart | Hinterrad |
Maße L/B/H | 4667/1965*/1214 mm |
Radstand | 2700 mm |
Leergewicht/Zuladung | 1560 kg/k. A. |
Tank-/Kofferraumvolumen | 60/50 + 100 l |
0-100 km/h | 2,9 s |
Höchstgeschwindigkeit | 320 km/h |
WLTP-Verbrauch/100 km | 11,7 l Super Plus |
Grundpreis | 275.000 € |
Unter der durchsichtigen Abdeckung im Heck arbeitet der bekannte "Nettuno-V6" mit drei Liter Hubraum und zwei Turboladern. Trotz optimierter Abgasnachbehandlung blieb die Leistung ebenso erhalten wie das Drehzahlband, das sich nach wie vor bis 7500 Touren erstreckt. Ein breiter Korridor, der sich vor allem deswegen so gut nutzen lässt, weil der Motor in praktisch jeder Lebenslage Druck entwickelt. Trotz seiner immensen Literleistung von 211 PS/l, die normalerweise mit großen und entsprechend trägen Turboladern einhergehen. Doch weit gefehlt: Dieser V6 hängt die meiste Zeit wie ein richtig kraftvoller Saugmotor am Gas. Schon ab 3000 Touren schiebt er vehement an und erinnert akustisch mit seinem Mix aus Ansauggeräusch und heiserem Ausdrehen eher an Superbikes von Ducati und Moto Guzzi.

Das Interieur von Maserati war stets stilprägend, dessen Verarbeitung oftmals weniger. Alles Vergangenheit: Auch im Detail zeigt der Pura ein fast makelloses Finish.
Bild: Maserati
Das Carbon-Monocoque bildet unverändert das Rückgrat des Pura, nimmt vorne wie hinten Hilfsrahmen für Motor und Fahrwerk auf und sorgt für ein hervorragendes Fahrverhalten. Präzises Einlenken, keine Überraschungen vom Heck in schnell durchfahrenen Kurven. Alles fair, alles gut fahrbar und je nach Fahrmodus (Wet, GT, Sport oder Corsa, ESC Off) entsprechend dosiert. Letzteren kann man mittlerweile übrigens auch anwählen, ohne dafür gleich eine Rennfahrer-Lizenz haben zu müssen. Denn der Grenzbereich präsentiert sich im Vergleich zum Vorgänger besser austariert. Dieser hat am Limit ja keinen Hehl aus seiner Mittelmotor-Charakteristik gemacht.
Mehr Balance im Grenzbereich
Häufiges und teils ausgeprägtes Übersteuern gehörten quasi zu seinem Standard-Repertoire. Gänzlich kastriert haben sie das agile Wesen des Pura natürlich nicht. Ein wenig domestiziert jedoch schon. Zumindest deutet der erste Fahreindruck auf der Landstraße darauf hin, dass die Fahrwerker eine bessere fahrdynamische Balance hinbekommen haben. Trotz der bekannten Bridgestone-Reifen, die hohes Kurventempo, gleichzeitig aber auch einen breiten Grenzbereich zulassen.

Historische Anleihe: Unter den zehn wählbaren Felgen-Designs findet sich auch eine Neuinterpretation des „Birdcage“-Rads.
Bild: Maserati
Absolut passend zu der zweiten Persönlichkeit des Pura, die er vor allem im Alltag zeigt. Der Abrollkomfort ist für einen Mittelmotor-Sportwagen fast schon unverschämt gut. Schlaglöcher, die Motorradfahrern unmittelbar die Schweißperlen auf die Stirn treiben, nimmt der Pura äußerst lässig. Kompliment!
Spider Cielo: kaum Unterschiede im Fahrgefühl
All das gilt übrigens auch für den hier abgebildeten Spider, den Maserati üblicherweise Cielo nennt. Denn auch wenn die Festdach-Kapuze mit stattlichen 85 Kilo Mehrgewicht einhergeht, so schlägt sie dank des Carbon-Monocoques kaum spürbar auf die Steifigkeit des Chassis durch. Wer nicht beide Modelle im direkten Vergleich fährt, der wird beim Cielo kaum etwas vermissen.

Zwei Höcker mit dazwischen platzierter versenkbarer Mini-Heckscheibe. Das Heck wirkt in natura noch bulliger.
Bild: Maserati
Als Ergänzung zu den feinen Modifikationen setzt Maserati bei der Konfiguration auf weiter erhöhte Exklusivität. Gemeinsam mit den Mitarbeitern der Design-Abteilung können die Käufer ihren Pura bis auf die Ziernähte personalisieren. Von der individuellen Lackierung über die Materialwahl im Interieur bis hin zu handgefertigten Modellkarossen in kleineren Maßstäben, alles ist möglich. Mehrtägige Werksbesichtigung inklusive. Ein Luxus, wie ihn nur ganz wenige Marken bieten.
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