Ein echter Klassiker ist der Toyota Hilux: Die Modellreihe startete 1968, auch die (noch) aktuelle achte Generation läuft seit zehn Jahren in Südafrika vom Band – und muss sich nun, teuer geworden, neuer Konkurrenz aus China erwehren.

Fahrzeugempfehlung

HiLux 4x4 Double Cab Autm. TOYOTA

TOYOTA

HiLux 2,8 D-4D 4x4 Double Cab

3,2
befriedigend
  • Pro IconBesser dosierbare Leistungsabgabe
  • Pro IconGeheimnisfreie Bedienung
  • Contra IconTeure Anschaffung
  • Contra IconUnkomfortabler Fond
Der Maxus T60 ist ein Produkt des chinesischen SAIC-Konzerns, zu dem auch MG gehört, und der einzig dieselgetriebene von drei bei uns angebotenen Pick-ups der Marke, die anderen sind elektrisch.

Hilux kommt als GR Sport zum Test

Dass wir hier den Toyota Hilux in der GR-Sport-Version mit ihrer vorn um 135 mm, hinten um 155 mm verbreiterten Spur zum Vergleich heranziehen, hat einen einfachen Grund: Es ist die letzte von Toyota vorgestellte Variante des Hilux der Serie acht, die kurz vor der Ablösung steht – es war der letzte verfügbare Testwagen.
Toyota Hilux 2,8-l-D-4D
Sportliche Optik: Der Toyota Hilux war nur als GR Sport verfügbar – inklusive verbreiterter Spur an Vorder- und Hinterachse.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Toyota hat sich beim GR Sport ein wenig am ersten Ford Ranger Raptor orientiert: dickere Querlenker und steifere Stoßdämpfer mit kürzeren Wegen vorn, aber keine Leistungssteigerung.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder 
Vierzylinder, Biturbo 
Vierzylinder, Turbo 
Einbaulage 
vorn längs 
vorn längs 
Ventile/Nockenwellen 
4 pro Zylinder/2 
4 pro Zylinder/2 
Nockenwellenantrieb 
Zahnriemen 
Zahnriemen 
Hubraum 
1996 cm³ 
2755 cm³ 
kW (PS) bei 1/min
159 (215)/4000 
150 (204)/3400 
Nm bei 1/min
500/k. A. 
500/1600 
Vmax
170 km/h 
175 km/h 
Getriebe 
Achtstufenautomatik 
Sechsstufenautomatik 
Antrieb 
permanenter Allradantrieb 
Allradantrieb zuschaltbar 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Scheiben 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
265/60 R 18 H 
265/65 R 17 S 
Reifentyp 
Giti 4x4 HT 152 
Bridgestone Dueler A/T 
Radgröße 
7,5 x 18" 
7,5 x 17" 
Abgas CO2 
239 g/km 
280 g/km 
Verbrauch* 
9,1 l/100 km 
10,7 l/100 km 
Tankinhalt 
73 l 
80 l 
Kraftstoffsorte 
Diesel 
Diesel 
SCR-Kat/AdBlue-Tankinhalt 
S/ca. 20 l 
S/ca. 12 l 
Vorbeifahrgeräusch 
71 dB(A) 
71 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
3500/750 kg 
3500/750 kg 
Stützlast 
250 kg 
140 kg 
Ladefläche (Länge/Breite/Höhe) 
1490/1110-1505/520 mm 
1540/1110-1620/490 mm 
Karosserie (Länge/Breite/Höhe) 
5395/1960–k. A**/1870 mm 
5325/2020–k. A.**/1880 mm 
Radstand 
3155 mm 
3085 mm 
Grundpreis
39.990 Euro
45.660 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
39.990 Euro
55.110 Euro
Vergleichen wir hier Äpfel mit Birnen? Auf jeden Fall! Aber letztlich sind beide Doppelkabiner mit jeweils rund einer Tonne Zuladung und vollen 3,5 Tonnen Zuglast. Es erscheint uns gerade interessant, ob der fahrdynamische Mehrwert des GR Sport so signifikant ausfällt, dass er seinen Mehrpreis rechtfertigt.

Maxus setzt auf klassische Zutaten

Hat der Maxus eine Chance gegen die Ikone von Toyota? Der Blick aufs Datenblatt (unvollständig wie meistens bei chinesischen Herstellern) offenbart Licht und Schatten: nur zwei Liter Hubraum, aus denen er per Biturbo 215 PS wringt, aber auch Achtstufen-Wandlerautomatik von ZF und ein semipermanenter Allrad via Lamellenkupplung.
Maxus T60 Max 4WD
Typische SUV-Technik im Pick-up: Maxus rüstet den T60 mit Zweiliter-Diesel und semipermanentem Allradantrieb aus.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
SUV-übliche Technik mit dem Vorteil, dass sie anders als ein starrer Zuschaltallrad auch das Fahren auf Asphalt sicherer macht. Auf griffigem Boden sollte man von einem Zuschaltallrad wie im Hilux die Finger lassen: Die Bremswege werden länger, die Räder radieren und die Lenkung verspannt, bei hohem Verschleiß.

T60-Innenraum mit Elektroauto-Anleihen

Der äußerlich eher traditionelle China-Pritschenwagen mimt innen fast das Elektroauto. Einen Lichtschalter etwa sucht man vergebens, Teile der Bedienung laufen über den Zentralbildschirm. Der Maxus gibt sich mit seinen beiden 12,3-Zoll-Bildschirmen sehr digital, ohne konnektivitätstechnisch viel zu können: kein Bord-Navi, weder Verkehrszeichenerkennung noch Sprachbedienung. Völlig daneben: die in die linke obere Ecke des Fahrerdisplays gequetschte Tempoangabe, gern verdeckt vom Lenkrad.
Maxus T60 Max 4WD
Angenehme Materialien im Maxus, solide verarbeitet. Lenkrad nur höhenverstellbar. Zwei 12,3-Zoll-Screens und digitale Bedienung.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Erheitert haben uns die vielen Übersetzungsfehler in den Menüs: "Stromauslösung" (gemeint ist der Verbrauch – wohl versehentlich übernommen aus dem elektrischen T90), "Harnstoffspiegel" klingt nach einer Aufforderung, den Urologen aufzusuchen (gemeint ist der AdBlue-Füllstand), und eine "Kollisionshilfe" braucht nun wirklich niemand. Nein, die KI kann ein gutes Übersetzungsbüro nicht ersetzen.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,6 s 
3,9 s 
0–100 km/h 
10,9 s 
11,0 s 
0–130 km/h 
19,6 s 
18,0 s 
0–160 km/h 
36,3 s 
33,1 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
6,3 s 
6,1 s 
80–120 km/h 
9,1 s 
7,6 s 
Leergewicht/Zuladung 
2229/1021 kg 
2257/953 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
57/43 % 
58/42 % 
Wendekreis links/rechts 
13,2/13,1 m 
13,6/13,9 m 
Sitzhöhe 
870 mm 
890 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
40,8 m 
41,5 m 
aus 100 km/h warm 
40,8 m 
41,6 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
57 dB(A) 
58 dB(A) 
bei 100 km/h 
65 dB(A) 
64 dB(A) 
bei 130 km/h 
70 dB(A) 
69 dB(A) 
Verbrauch
Sparverbrauch 
6,8 l D/100 km 
7,9 l D/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
8,9 l D/100 km
(-2 %)
9,5 l D/100 km
(-11 %)
Sportverbrauch 
10,6 l D/100 km 
11,7 l D/100 km 
CO2 (Testverbrauch) 
236 g/km 
252 g/km 
Reichweite (Testverbrauch) 
820 km 
842 km 
Ihre Antriebsart verschweigen beide nicht: Während der Hilux mit seinem großen 2,8-Liter aus dem Land Cruiser gemütlich brummt, gibt der Maxus ein prasselndes Geräusch von sich – in kaltem Zustand, später wird’s leiser. Man kann mit dem Maxus ohne laute Windgeräusche 160 km/h fahren, darüber wird’s zäh, und Lenkbefehle werden von der teigigen, indirekten Lenkung recht frei interpretiert. Dazu ein grobmotorisch agierender Spurhalteassistent – keine Einladung zur flotten Autobahnreise.

Toyota-Bedienung mit verstreuten Tasten

Den Toyota kann man schon mögen mit seiner bleischweren Motorhaube und seinem soliden Stahl-Unterfahrschutz (Serie) – bis man hinten Platz nimmt: Sitzfläche nah am Boden, bei steiler Lehne. Können vorn die gut integrierte, dennoch thronende Sitzposition und das Raumgefühl überzeugen, so wirkt er vom Fond aus einfach alt. Auch die verstreuten Schalter (die Taste für die Kameras links beispielsweise liegt knapp über dem Fußraum) wirken wie aus den Nullerjahren.
Toyota Hilux 2,8-l-D-4D
Viel Hartplastik und ein kleines eingebautes Acht-Zoll-Navi: Der Toyota Hilux wirkt wie eine Zeitreise zurück in die Nullerjahre.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Leben muss man bei beiden mit dem typischen Fahrwerksstuckern, etwa auf Autobahnfugen – schwer zu vermeiden bei hinterer Starrachse an Blattfedern und fast einer Tonne Zuladung (Hilux) oder gar über einer Tonne (Maxus). Im Vergleich reicht der Maxus weniger Fahrwerksgezitter an die Insassen durch, aber auch er hinterlässt einen rustikaleren Eindruck als etwa ein Ford Ranger.
Im Programm 4L (= Low, die Untersetzung ist also eingelegt) ist die Hinterachse des Maxus automatisch gesperrt, ohne manuelle Eingriffsmöglichkeit. Das aber macht die Lenkung störrisch – schlecht, wenn ein schwerer Hänger auf nasser Wiese und engem Raum manövriert werden soll.

Hilux mit mehr Geländetalent

Abseits der Straße hilft dem Maxus seine brauchbare Bodenfreiheit von 215 mm. Der tiefste Punkt ist bei ihm vorn, beim Toyota (200 mm) ist es die Differenzialglocke hinten. Die Karosseriewinkel vorn und hinten gleichen sich, der Rampenwinkel des Toyota ist besser (23 statt 20 Grad), er setzt also mit dem Bauch nicht so schnell auf.
Toyota Hilux 2,8-l-D-4D
Abseits befestigter Straßen ist der Hilux die bessere Wahl. Seine Antriebskombi ist im Gelände besser dosierbar, die Böschungswinkel sind größer.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Im Gelände erweist sich die Toyota-Kombi aus großem Diesel und altgedienter Sechsstufenautomatik als besser dosierbar. Sein verbreitertes Sportfahrwerk kann der Hilux zwar in ein Mehr an Agilität und Fahrspaß ummünzen, aber nicht in ein Mehr an Fahrsicherheit: Ein entschlossenes ESP fängt den Maxus schnell ein. Und seine Bremswege sind kürzer.

Dem Toyota merkt man sein Alter an

Puh – der legendäre Japaner auf dem zweiten Platz? Es ist uns nicht entgangen, dass der Hilux anderswo auf der Welt Baumstümpfe aus dem Boden ziehen muss und das jahrzehntelang aushält. Für den Unzerstörbarkeits-Mythos gibt's bei uns nur leider keine Punkte.

Platzierung

Platzierung
Punkte*
465
459
Platz
1
2
Testnote
3,1
3,2
Fazit
Gut: Preis, Allradsystem, Verbrauch, mehr Komfort, vor allem im Fond. Schwach: prasselnder Diesel, Infotainment kann wenig.
Gut: souveräner motorisiert, als Gebrauchter begehrt. Aber: teuer, im Fond unkomfortabel, insgesamt spürbar veraltet.
Der Hilux der Serie acht ist zehn Jahre alt, und es ist ihm anzumerken – jüngere Konstruktionen wie der Isuzu D-Max oder der Maxus T60 bieten mehr Komfort, vor allem im Fond. Der neue Hilux kommt 2026 – und wird sehr digital. Wer den klassisch gestalteten mit Runduhren-Cockpit und echtem Handbremshebel bevorzugt, macht sicher keinen Fehler, wenn er jetzt noch mal einen ordert.

Bildergalerie

Maxus T60 Max 4WD   Toyota Hilux 2,8-l-D-4D
Maxus T60 Max 4WD
Toyota Hilux 2,8-l-D-4D
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Zwei Pick-ups im Vergleich

Fazit

von

AUTO BILD
Der Newcomer aus China schafft die Sensation und gewinnt ganz knapp – über die Kapitel Kosten und Komfort sowie die Tatsache, dass der Hilux der achten Serie nunmehr zehn Jahre alt ist, was in fast jedem Testkapitel durchschimmert. Der Toyota bleibt aber ein höchst risikoarmer Kauf.