Maybach 57S (2008): Gebrauchtwagen
Luxuslimousine mit unglaublichen 400.000 Euro Wertverlust zu verkaufen

Bild: Autoforum Tübingen GmbH
Wenn Geld keine Rolle spielt! Wer sich in den frühen 2000er-Jahren einen nagelneuen Maybach gekauft hat, bei dem dürfte Geld eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Die meisten Luxuslimousinen sind nach einigen Jahren nur noch einen Bruchteil wert – der Maybach ist der König des Wertverlusts!
2002 belebte Mercedes die Traditionsmarke mit einem ehrgeizigen Ziel wieder – Maybach sollte die luxuriösesten und damit auch teuersten Limousinen der Welt bauen. Gerüchteweise soll rund eine Milliarde Euro in die Entwicklung der Modelle 57 und 62 geflossen sein. Gebaut nur auf Bestellung und von über 25 Maybach-Center weltweit vertrieben, war das Projekt Maybach jedoch ein Flop. Der Plan sah vor, 1000 bis 1500 Autos pro Jahr zu verkaufen – zwischen 2002 und 2012 waren es insgesamt aber nicht mal 3500.
Keine eigenständigen Modelle mehr
Nur wenige Kunden waren bereit, knapp 400.000 (Maybach 57) bzw. 460.000 Euro (Maybach 62) für eine Luxus-Limousine auszugeben, die der W 220 S-Klasse sehr ähnlich sah und in Grundzügen sogar noch auf der S-Klasse der Generation W 140 basierte. Daran konnten auch die stärkeren S-Versionen und Sondermodelle wie Zeppelin oder Landaulet nichts ändern. 2012 wurde das Maybach-Experiment beendet. Heute wird das traditionsreiche Kürzel nur noch als Ausstattungsvariante für S-Klasse, GLS und neuerdings auch SL verwendet.

Kritiker werfen dem Maybach bis heute vor, dass er aussieht, wie eine aufgeblasene S-Klasse der Generation W 220. Fans bezeichnen das Design als zeitlos elegant.
Bild: Autoforum Tübingen GmbH
Wem ein Mercedes-Maybach nicht reicht, der kann sich auf dem Gebrauchtwagenmarkt umschauen, wo die "echten" Maybach mittlerweile zum Spottpreis angeboten werden – zumindest in Relation zum ehemaligen Neupreis.
Ein gutes Beispiel ist der vom "Autoforum Tübingen GmbH" inseriert Maybach 57S mit Erstzulassung Januar 2008 und gerade mal gut 52.000 Kilometer auf dem Tacho. Aufgrund der schlechten Verkaufszahlen wurden 2005 die S-Versionen des 57 und 62 eingeführt. Das S steht für Spezial – und die Veränderungen sind umfangreich: So wurde die Front überarbeitet, ein strafferes Fahrwerk verbaut, Endrohrblenden aus Chrom und spezielle 20-Zoll-Felgen montiert.
Die größte Änderung betrifft allerdings den Motor: Statt des 5,5-Liter-V12 (M 285) wurde in den Varianten 57S und 62S der 6,0-Liter-V12 (M 275) mit 612 PS und 1000 Nm (statt 550 PS und 900 Nm) verbaut. Außerdem wurde die elektronische Geschwindigkeitsbegrenzung in den S-Modellen von 250 km/h auf 275 km/h angehoben.
Nur 503 Maybach 57S gebaut
Im Jahr 2005 betrug der einstige Basis-Neupreis eines Maybach 57S unglaubliche 419.920 Euro. Ein Preis, der bis 2007 auf 443.870 Euro angehoben wurde. Trotz der zahlreichen Verbesserungen blieben auch die Verkaufszahlen von 57S und 62S deutlich hinter den Erwartungen zurück. Vom 57S wurden gerade einmal 503 Stück gebaut (plus 154 Facelift-Modelle), vom 62S sogar nur 236 (plus 256 Facelift-Modelle).

Mittels der Zusatz-Instrumente im Dachhimmel bleiben auch die Fond-Passagiere über alles Wichtige informiert.
Bild: Autoforum Tübingen GmbH
Der hier angebotene Maybach ist ein 57S, also die "kürzere" Version des Luxusliners. Kurz ist allerdings relativ, denn schon der 57S misst staatliche 5,73 Meter (das Kürzel 57 steht grob für die Länge) und hat einen Radstand von 3,39 Metern. Kaum zu glauben, aber 62 und 62S waren noch mal knapp einen halben Meter länger, mit einem Radstand von 3,83 Metern.
Doch auch im Maybach 57S fehlt es den Passiegeren an nichts. Naturgemäß war die Serienausstattung opulent und ließ kaum Wünsche offen. Dennoch gab es zahlreiche, zum Teil teure Extras. Dieses Exemplar in der dezenten Außenfarbe "Baltic schwarz Metallic" lockt mit Annehmlichkeiten wie Distronic Plus, Standheizung, Kühlfach, Klapptischen, Fond-Entertainment, Sitzbelüftung vorne und hinten, Glas-Schiebedach, beheizbarem Lenkrad, Sprachsteuerung Linguatronic (sicherlich nicht mit dem heutigen MBUX zu vergleichen), Alcantara-Dachhimmel, Einzelsitzen hinten, Bose-Soundsystem, Champagner-Kelchen und nicht zu vergessen: zwei Maybach-Regenschirmen.
Neupreis von knapp 500.000 Euro
So ausgestattet, dürfte der Neupreis bei rund 500.000 Euro gelegen haben. Nach 17 Jahren und gerade mal 52.000 Kilometern soll der unfallfreie und scheckheftgepflegte Maybach 57S nur noch 86.990 Euro kosten. Der Wertverlust liegt also bei mehr als 400.000 Euro. Autsch!
Und es geht sogar noch "billiger": Der günstigste in Deutschland angebotene Maybach ist aktuell für 65.000 Euro inseriert, hat allerdings auch schon 170.000 Kilometer auf dem Tacho. Vor diesem Hintergrund erscheint das hier gezeigte Exemplar der bessere Deal zu sein. Erst recht, weil das Auto auf den Inseratsfotos einen überaus gepflegten Eindruck macht.

Dürfen in einem Maybach nicht fehlen: die Champagner-Kelche für den stilvollen Genuss.
Bild: Autoforum Tübingen GmbH
Bei aller Euphorie, sollten Interessenten aber eines bedenken: Ein Maybach spielt nicht nur beim Wertverlust in der Königsklasse, sondern auch bei den Unterhaltskosten. Wenn im Alter kostspielige Reparaturen (und praktisch jede Reparatur geht richtig ins Geld) anstehen, wird so ein Maybach schnell zum Geldgrab. Zwar ist viel Technik aus der W 220 S-Klasse verbaut, doch vor allem die Maybach-spezifischen Teile sind rar und teuer.
Und selbst wenn nichts kaputtgeht, so hat Maybach den innerstädtischen Verbrauch des 57S einst mit 26,4 l/100 Kilometern angegeben. Bei einem Maybach darf Geld eben keine Rolle spielen.
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