McLaren GTS vs. Ferrari 296 GTS: Wintertest
Auf Schnee kommen sich McLaren und Ferrari sehr nahe

Mittelmotor-Sportwagen mit Heckantrieb gehören nicht in einen Wintertest? Mag sein. Doch eines garantieren wir Ihnen: Auf Schnee kommen sich McLaren GTS und Ferrari 296 GTS so nahe wie nirgendwo sonst.
Bild: Almuth Heene
Mittelmotor-Layout, Hinterradantrieb und Leistung. Eine heiklere Kombination kann es für den weißen Untergrund fast nicht geben. Und eigentlich hätten wir genau das wissen müssen, denn vor zwei Jahren hatten wir schon einmal einen ähnlichen Probanden hier im Schnee – den McLaren Artura. Der gab sich einst ähnlich zugänglich wie ein wild gewordenes Eichhörnchen. (Alle Duelle unseres großen Wintertests.)
Die 680 PS waren kaum zu bändigen, immer auf der Suche nach etwas mehr Schnee für mehr Grip, viel Lenkradarbeit, Schweißausbrüche und so weiter. Selten hat ein Auto bei so niedrigen Reibwerten so flinke Reflexe gefordert. Zum Glück hatte der Brite damals speziell von Pirelli gefertigte P Zero Winter montiert. Die retteten so manches Aha-Erlebnis.

Man sieht schon am Gesichtsausdruck, wie anstrengend es ist, die 635 PS des McLaren einigermaßen auf den Schnee zu bekommen.
Bild: Almuth Heene
Aus solchen Erlebnissen lernt man für gewöhnlich. Bestellt passendere Autos, am besten mit Allrad. Doch dann hatten wir wieder die netten Presse-Damen von McLaren und Ferrari am Telefon. Beiläufig erzählten wir von unserer neuerlichen Schnee-Tour. Und erhielten prompt zwei Zusagen, denen wir einfach nicht widerstehen konnten. Einerseits, weil ein McLaren GTS in Orange und ein Ferrari 296 GTS in Blau so ziemlich jeder Geschichte den passenden Farbtupfer aufsetzen. Andererseits aber auch, weil Wintersport mit Supersportwagen einfach etwas absolut Außergewöhnliches ist.
TECHNISCHE DATEN | FERRARI 296 GTS | McLAREN GTS |
|---|---|---|
Motorbauart/Aufladung | V6, Biturbo, + E-Motor | V8, Biturbo |
Einbaulage | Mitte hinten längs | Mitte hinten längs |
Hubraum | 2992 cm3 | 3994 cm3 |
Bohrung x Hub | 88,0 x 82,0 mm | 93,0 x 73,5 mm |
Verdichtung | 9,4:1 | 8,7:1 |
Systemleistung bei 1/min | 610 kW (830 PS)/8000 | 467 kW (635 PS)/7500 |
Literleistung | 222 PS/l | 159 PS/l |
Drehmoment bei 1/min | 740 Nm/6250 | 630 Nm/5500 |
kW (PS)/Nm E-Boost | 123 (176)/315 | - |
Getriebe | 8-Gang-Doppelkupplung | 7-Gang-Doppelkupplung |
Antriebsart | Hinterrad | Hinterrad |
Reifengröße | 235/35 R 20 - 285/35 R 20 | 225/35 R 20 - 295/30 R 21 |
Reifentyp | Michelin Pilot Alpin PA4 | Pirellli P Zero Winter (MC) |
Maße L/B/H | 4565/1958/1191 mm | 4683/2095/1213 mm |
Radstand | 2600 mm | 2675 mm |
Leergewicht/Zuladung | 1540/412 kg | 1520 kg/k. A. |
Tank-/Kofferraumvolumen | 65 l/ - | 72/150 (v.) + 420 (h.) |
0-100 km/h | 2,9 s | 3,2 s |
Höchstgeschwindigkeit | 330 km/h | 326 km/h |
WLTP-Verbrauch | 7,4 l Super Plus/100 km | 11,9 l Super Plus/100 km |
Grundpreis | ab 310.595 € | ab 205.000 € |
Livigno, Montag früh, acht Uhr, null Grad: Die beiden Autos rollen vom Hänger, der Ferrari lautlos, der McLaren mit feinsten Kaltstart-V8-Salven. Flache Winterreifen auf feinen 20-Zöllern, das kann ja heiter werden. Eint die beiden irgendetwas? Nun, bis auf die Tatsache, dass beide auf das Kürzel GTS hören und den Motor hinterm Fahrer platzieren, nicht sonderlich viel.
Der Ferrari ist auf dem Papier das modernere und sportlichere Auto. Zwischen dem 120-Grad-V6 mit Biturboaufladung und dem Achtgang-Doppelkuppler ist ein Elektromotor platziert, der zu den 663 PS des Verbrenners noch einmal 167 PS beisteuert. Der McLaren motorisiert sich konventioneller und dabei auch etwas milder. Der bekannte Biturbo-V8 leistet 635 PS. Darüber hinaus wurden mit neuer Dachverkleidung aus recycelter Kohlefaser zehn Kilogramm Gewicht vom Haupt geholt.
Startklar für das Schnee-Abenteuer
Die Motoren sind warm, der Akku voll, das zweiköpfige Technikerteam aus Woking ist genauso gespannt wie wir, was die beiden Flundern hier auf Schnee und Eis anstellen. Wir fahren die beiden Diven extra bei besten Bedingungen, Dienstag früh, vier Uhr, frisch präparierte Piste. Der Italiener legt die ersten Spuren. Und gibt sich gleich mal anspruchsvoll.

Ausnahme: Im besten Winkel um die Kurve gelang mit dem Ferrari nur wenige Male.
Bild: Almuth Heene
Der Sport-Mode ist zu bissig, die Gasannahme viel zu spitz. Also zurück in den Wet-Mode, der jedoch mit einem zwangsaktiven ESP einhergeht. So stakst der 296er nur unbeholfen um den Kurs. Also dann doch CT off und die Dämpfer zumindest weich drehen. Na ja, erst die dritte Runde gelingt ohne Dreher. Man darf das Gaspedal nur stupsen, das Auto niemals anstellen, einfach so sauber wie möglich um den Kurs "tragen". Bei dem Stress vergisst man übrigens schnell, wie schön der V6 im Rücken musiziert.
Der V8 im McLaren klingt noch besser. Und: Hier kann man im Komfort-Mode auch das ESP separat deaktivieren. So ist der Brite schon am Gaspedal deutlich zahmer als der Ferrari. Doch auch hier – 635 PS sind einfach zu viel für diesen Untergrund. Im Vergleich zu den Michelins des 296 sind die Pirellis des McLaren etwas griffiger, vor allem ist die Vorderachse viel zielführender. Generell: Querfahren ist mit beiden nicht einfach. Doch genau deshalb auch sehr besonders.
Ferrari 296 GTS: zu viel des Guten
Der Tanz im Ferrari war echt anstrengend und aufregend, von den zehn Runden gelangen nur drei ohne Dreher. Der 296er ist einfach auf Asphalt gepolt. Langsamster war er dennoch nicht.
McLaren GTS: mehr Grip
Viel stressfreier hat sich der McLaren GTS hier nicht bewegen lassen. Doch das softere Fahrwerk und die etwas griffigeren Winterreifen machen ihn zumindest einen Hauch fahrbarer.
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