McLaren P1, Porsche 918 Spyder und Ferrari LaFerrari: drei Autos, die Anfang der 2010er-Jahre als Hypercar-Trio in die Geschichtsbücher eingingen. Rund zehn Jahre später präsentiert McLaren mit dem brandneuen W1 das erste Modell der neuen Hypercar-Generation. Jetzt müssen Porsche und Ferrari nachlegen!
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Die Fußstapfen, die der W1 zu füllen hat, sind riesig. Da ist einerseits der nur 375 Mal gebaute P1, dessen V8-Hybrid brutale 916 PS an die Hinterräder schickt. Noch legendärer ist allerdings der von Gordon Murray erdachte F1 – der erste McLaren der Neuzeit und mittlerweile eines der wertvollsten Autos der Welt. Preise von 20 Millionen Euro aufwärts für einen der 106 gebauten F1 sind keine Seltenheit.

Auf 399 Stück limitiert

Daran gemessen ist der W1 fast schon ein Schnäppchen! Jedes der 399 Exemplare startet bei etwa 2,2 Millionen Euro. Wer sich jedoch in der MSO-Abteilung austobt, kann sicherlich auch die 3-Millionen-Euro-Marke knacken.
McLaren W1
Formel-1-Know-how: Der McLaren W1 wurde rund 350 Stunden im Windkanal getestet.
Bild: McLaren Automotive Limited
Dafür gibt es nicht nur den ersten Vertreter des neuen Hypercar-Trios, sondern auch das stärkste Straßenauto, das McLaren je gebaut hat. Genau wie der Vorgänger ist auch der W1 ein Hybrid. Hierbei liegt der Fokus aber nicht auf der elektrischen Reichweite (da schafft der W1 mickrige zwei Kilometer), sondern nur auf der Performance.

V8-Twinturbo mit 928 PS

Das Herzstück des W1 ist ein neu entwickelter V8-Twinturbo mit 3988 cm³ Hubraum, der alleine 928 PS und 900 Nm und somit mehr als der gesamte Antriebsstrang des P1 bereithält und bis zu 9200 U/min dreht. Hinzu kommt im Falle des W1 ein E-Modul, das aus einem radialen Flux-Elektromotor und einer Steuerungseinheit besteht und zusätzliche 347 PS und 440 Nm bereitstellt. Der Clou: Das Modul wiegt gerade mal 20 Kilo. Die Achtgang-Doppelkupplung ist im Übrigen ebenfalls eine Neuentwicklung und verfügt über einen elektrischen Rückwärtsgang.
McLaren W1
Spektakulär: Der aktive Longtail-Heckflügel aus Carbon fährt um bis zu 30 Zentimeter nach hinten.
Bild: McLaren Automotive Limited
In Summe leistet der neue McLaren W1 1275 PS und 1340 Nm. Interessant ist, dass McLaren sich, entgegen dem Trend, gegen eine elektrifizierte Vorderachse entschieden hat und die Kraft ausschließlich an die 20 Zoll großen Hinterräder leitet.

0-200 km/h in 5,8 Sekunden

Den Fahrleistungen tut das keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Während beim Sprint von 0 auf 100 km/h mit 2,7 Sekunden noch fast Gleichstand mit dem P1 (2,8 Sekunden) herrscht, sind vor allem die 0-200- und die 0-300-km/h-Zeiten beeindruckend. 200 km/h liegen aus dem Stand nach nur 5,8 Sekunden und 300 km/h nach unfassbar schnellen 12,7 Sekunden an.
McLaren W1
Im Profil erinnert der neue W1 an einen Mix aus 600LT und Senna. Die voluminösen Sidepods sind von der Formel 1 abgeleitet.
Bild: McLaren Automotive Limited
Damit ist der W1 sogar eine Zehntelsekunde schneller auf 300 km/h als der auf Höchstgeschwindigkeit getrimmte Speedtail. Gleichzeitig soll er dem McLaren Senna auf der italienischen Rennstrecke in Nardo drei Sekunden abnehmen. Ja, mit dem bis zu 350 km/h schnellen (elektronisch begrenzt) W1 machen die Briten richtig Ernst.

Leergewicht von nur 1399 Kilo

Einer der Schlüssel ist sicherlich das niedrige Leergewicht von nur 1399 Kilo, was trotz Carbon-Monocoque ein guter Wert für ein 4,64 Meter langes und über zwei Meter breites Hypercar ist. Das andere Zauberwort lautet Aerodynamik. Laut eigener Aussage hat McLaren den W1 über 350 Stunden im Windkanal getestet und sein ganzes Know-how aus der Formel 1 miteinfließen lassen.
McLaren W1
In einer dunkleren Farbe wirkt der W1 deutlich aggressiver. Gleichzeitig gehen einige Details optisch unter.
Bild: McLaren Automotive Limited
So kommen im W1 die fortschrittlichsten aktiven Aero-Lösungen zum Einsatz, zu denen auch der spektakulär anmutende aktive Longtail-Heckflügel gehört, der um 30 Zentimeter (!) nach hinten ausfährt. Genau wie beim P1 senkt sich der W1 im Race Mode automatisch ab – an der Vorderachse um bis zu 37 und an der Hinterachse um bis zu 17 Millimeter. In diesem Modus liegen bis zu 1000 Kilo Downforce (Anpressdruck) an.
Genau wie beim Senna gibt die ausgeklügelte Aerodynamik das Design größtenteils vor. Verglichen mit dem aggressiv schnörkellos gezeichneten P1 wirkt der Nachfolger deutlich zerklüfteter. Die Front erinnert an den W Motors Lykan Hypersport, die Sidepods sind vom Formel-1-Auto inspiriert. Ganz neu beim W1 sind die Flügeltüren im Gullwing-Style!

Sogar die Sonnenblenden sind aus Carbon

Im Innenraum verspricht McLaren ein "(...) bemerkenswert großzügiges Platzangebot (...)". Die Sitze sind dabei fester Bestandteil des Monocoque. Pedalbox und Lenkrad lassen sich verstellen. Abgesehen davon ist das Cockpit minimalistisch. Schalter im Dachhimmel kennen wir bereits von anderen McLaren, ein feines Detail sind die Carbon-Sonnenblenden, die gerade mal drei Millimeter dick sind. Für längere Reisen ist der W1 eher ungeeignet, denn Gepäck lässt sich lediglich im Fach hinter den Sitzen verstauen. Hier sollen zwei Taschen oder auch zwei Helme Platz finden.
McLaren W1
Farbenfroh: Das Cockpit ist typisch McLaren. Neu sind die Sitze, die fester Bestandteil des Monocoque sind und sich nicht verstellen lassen. Stattdessen werden Pedalerie und Lenkrad eingestellt.
Bild: McLaren Automotive Limited
Zum Ende noch ein Wert, der mindestens genauso beeindruckend ist, wie die PS-Angabe: Dank 390 Millimeter großen Carbonkeramikscheiben rundum soll der W1 aus 100 km/h nach nur 29 Metern (!) zum Stehen kommen – eine phänomenale Bremsleistung, zumindest auf dem Papier.

McLaren W1 als Vorreiter

Die Briten haben mit dem bereits ausverkauften W1 ordentlich vorgelegt. Als Nächstes darf man sich auf das neue Ferrari-Hypercar freuen, das scheinbar mit einem V6 plus Elektrounterstützung an den Start geht und kurz vor der Premiere stehen dürfte, ehe Porsche das Trio mutmaßlich mit dem Mission X vervollständigen wird.