Knapp sieben Jahre lang war Niki Lauda vor seinem Tod im Mai 2019 Aufsichtsratsvorsitzender des damals dominierenden Formel-1-Teams der Silberpfeile. Doch beim berühmtesten Lauda-Mercedes handelt es sich keinesfalls um eines der Dienstautos des Österreichers aus dieser Zeit, diese Ehre wird vielmehr einem Mercedes 190 E 2.3-16 aus dem Jahre 1984 zuteil.
Damit fuhr Lauda wie viele andere Größen aus der Formel-1-Welt beim Eröffnungsrennen des frisch umgebauten Nürburgrings mit. Ausgerechnet nach dem schlimmen Feuerunfall des Österreichers auf der Nordschleife 1976 hatte sich die Königsklasse wegen des zu hohen Sicherheitsrisikos aus der Eifel verabschiedet, kehrte erst nach grundlegenden Modifizierungen auf die deutlich gekürzte heutige Grand-Prix-Strecke zurück.
Mercedes von Niki Lauda
Mai 1984: Selbst Lauda (l.) staunt, Sieger Senna (r.) jubelt
Bild: DPA/Picture-Alliance

Für das feierliche Comeback ließen sich die Veranstalter damals mit Unterstützung von Mercedes etwas ganz Besonderes einfallen: Rennlegenden wie Stirling Moss, Jack Brabham, Jody Scheckter oder Laudas legendärer 1976er WM-Rivale James Hunt nahmen am 12. Mai 1984 ebenso an dem hochkarätig besetzten Rennen teil wie aktuelle Formel-1-Piloten - unter ihnen auch der ganz junge Ayrton Senna, der wenige Wochen zuvor im Toleman sein Debüt in der Königsklasse gegeben und zu diesem Zeitpunkt gerade erst vier Grand Prix bestritten hatte.
Im Rennen mit den 20 für das Spektakel einheitlich umgebauten Mercedes 190 E 2.3-16 ließ der Brasilianer die versammelte Weltelite jedoch hinter sich und gewann die Wettfahrt über zwölf Runden bei leichtem Nieselregen. Noch vor Sennas berühmter Regenfahrt zu Platz zwei beim Monaco GP drei Wochen später, hatte sich das Supertalent erstmals einen Namen gemacht. Der einzige Fahrer, der auf dem neuen Nürburgring an diesem Tag mit ihm mithalten konnte, war Lauda: Obwohl lediglich als 14. gestartet, belegte er nur 1,38 Sekunden hinter Senna den zweiten Platz.

Lauda-Mercedes kommt unter den Hammer

Fast 40 Jahre später wird Laudas legendärer Mercedes aus dem so genannten "Race of Champions" nun versteigert: Da nicht nur die besondere Geschichte das Auto zum absoluten Unikat macht, sondern außer den Autos von Sieger Senna und dem Zweiten Lauda alle anderen Mercedes aus dem Rennen damals wieder in den Originalzustand zurückgerüstet wurden, hat es der Preis für das Einzelstück in sich:
Mercedes von Niki Lauda
Der 190 E wurde mit Überrollkäfig und Rennsitzen umgebaut
Bild: RM Sotheby's

Zwischen 400.000 und 500.000 Euro schätzen Experten heute den Wert des Lauda-Mercedes, der 2016 von seinem berühmtesten Piloten sogar noch signiert wurde. Das Fahrzeug war lange Jahre in Besitz von Hugo-Boss-Chef Jochen Holy, zuletzt gehörte es zur Iseli Collection in der Schweiz. Dort wird es am 15. September in St. Moritz vom Auktionshaus RM Sotheby's nun auch versteigert.
Für Lauda war das Auto trotz des zweiten Platzes hinter Senna 1984 übrigens dennoch ein Glücksbringer: Obwohl der Österreicher beim Grand Prix auf dem Nürburgring später im Jahr nur Vierter wurde, während sein McLaren-Teamkollege und einziger WM-Rivale Alain Prost das Rennen gewann und den Abstand vorm letzten Saisonrennen in Portugal dadurch auf 3,5 Punkte schrumpfen ließ, reichte Lauda in Estoril schließlich ein zweiter Platz hinter Prost: Mit einem halben Punkt Vorsprung holte er den Titel, bis heute die knappste WM-Entscheidung der F1-Historie!