Ist es ein Mercedes C 124? Ist es ein Flügeltürer? Die Antwort lautet: beides! Der Boschert B300 Gullwing ist ein spektakuläres Einzelstück auf Basis eines Mercedes 300 CE! Ende November versteigert das Auktionshaus RM Sotheby's den Boschert in München. Schätzpreis? 250.000 bis 300.000 Euro!
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In den 80er-Jahren konnten Autos gar nicht auffällig genug sein, was Tunern wie Koenig Specials, Rieger oder auch SGS mehr als gelegen kam. Extreme Breitbauten, riesige Spoiler und spektakuläre Flügeltüren waren damals der letzte Schrei. So versah SGS Styling Garage Mercedes C 126 mit Gullwing-Doors im Stil des legendären 300 SL. Und das viele Jahrzehnte bevor Mercedes das Konzept 2009 mit dem SLS AMG in Großserie zurückbrachte.

Die Idee war ein SL mit vier Sitzplätzen

Inspiriert von den Extrem-Umbauten entschied sich Industrie-Designer Hartmut Boschert seinen ganz eigenen Flügeltürer zu kreieren. Seine Idee war es einen SL mit vier Sitzplätzen und Flügeltüren zu erschaffen. Als Basis entschied er sich für den 1987 präsentieren C 124, die elegante Coupé-Version des Mercedes W 124.
Boschert B300 Gullwing 1989
Erst auf den zweiten Blick fällt auf, wie viel am Boschert B300 verändert wurde.
Bild: RM Sotheby's

Genau genommen wählte Boschert einen 1988er 300 CE, bei dem jedoch nicht viel unangetastet bliebt. Denn, als sei das Vorhaben dem Coupé Flügeltüren zu verpassen nicht schon aufwendig genug, veränderte Boschert das Design völlig. Vom Mercedes SL der Baureihe R 129 wurden Scheinwerfer, Blinker, Nebelleuchten und Kühlergrill entliehen und in minutiöser Kleinstarbeit an den 124er angepasst. So wurden beispielsweise die Streben des Kühlergrills von Hand gekürzt. Der Stern wurde gegen das eigene Logo getauscht, um Streitigkeiten mit Mercedes aus dem Weg zu gehen.

Das Heck wurde gekürzt

Und auch wenn es nicht so scheint, blieb der Radstand des C 124 unverändert. Dafür wurde das Heck deutlich verkürzt, die C-Säule rund 25 Zentimeter nach vorne versetzt. Kotflügel, Schürzen und Motorhaube sind Spezialanfertigungen, bei denen auf alle überflüssigen Sicken und Kanten verzichtet wurde.
Kurios ist, dass der B300 trotz der grundlegenden Veränderungen immer noch wie ein Mercedes aussieht und auch glatt als OEM+, wie es heutzutage oft heißt, durchgeht. Das liegt an Boscherts hohem Anspruch an Qualität und Funktion. Laut eigener Aussage soll der B300, trotz fehlender B-Säule eine höhere Verwindungssteifigkeit besitzen als ein normaler C 124.
Boschert B300 Gullwing 1989
Die Flügeltüren wurden aus zwei Türen gefertigt und 1,66 Meter lang. Sie öffnen und schließen elektrohydraulisch über die Fensterheber-Schalter.
Bild: RM Sotheby's

Das unangefochtene Highlight sind aber natürlich die 1,66 Meter langen Flügeltüren, die so groß sind, dass sie auch den Zugang zu den hinteren Sitzplätzen ermöglichen. Für die perfekte Showeinlage öffnen sie elektrohydraulisch. Den letzten Teil übernimmt dann eine Zuziehhilfe, die sonst eigentlich an der Heckklappe des Mercedes S 124 zu finden ist.

Ursprünglich war der B300 silber

Ursprünglich war der Boschert in der Farbe "Astralsilber Metallic" lackiert, bevor er 1990 in der Farbe "Bornit Metallic (Farbcode 481)" umlackiert wurde. Dazu passend ist das Interieur in lila Bicolor-Leder. Eine weitere Besonderheit: Fahrer und Beifahrer nehmen auf Integralsitzen vom Mercede SL R 129 Platz. Die elektrische Sitzverstellung ist in den verstärktem Holm unterhalb der Flügeltüren gewandert.
Boschert B300 Gullwing 1989
Ursprünglich war der Boschert B300 silber mit schwarzer Lederausstattung, ehe er 1990 umlackiert und mit einer auffälligen Bicolor-Lederausstattung versehen wurde.
Bild: RM Sotheby's

Aber auch das war noch nicht alles. Das hydraulische Fahrwerk stammt von der Firma "Nivotronik" und lässt sich um bis zu 45 Millimeter in der Höhe verstellen. Und wo Boschert sowieso schon das gesamte Auto zerlegt hatte, nahm er sich auch des Motors an. Dazu verpasste er dem serienmäßigen Reihensechszylinder (M 103 E 30) ein Mosselmann-Turbokit mit zwei Garrett-Turboladern. Das Ergebnis: 283 PS und eine maximale Höchstgeschwindigkeit von 258 km/h. Die Kraftübertragung übernimmt eine Handschaltung mit Dogleg-Auslegung. Auf Komfortfeatures wie eine Klimaanlage wurde bewusst verzichtet, schließlich hatte der originale 300 SL damals auch keine!

Ehemaliger Basispreis von 186.000 DM

Erstmals gezeigt wurde der spektakuläre Boschert B300 auf der IAA 1989 in Frankfurt. Der stolze Basispreis: 186.000 DM. Ursprünglich war eine Kleinserie von 300 geplant, doch aufgrund verschiedener Komplikationen entstanden schlussendlich nur elf B300, darunter nur eines mit den XXL-Flügeltüren.
Boschert B300 Gullwing 1989
283 statt 180 PS. Dem Reihensechszylinder wurde mithilfe eines Mosselmann Turbokits auf die Sprünge geholfen. Das Getriebe ist eine Spezialanfertigung.
Bild: RM Sotheby's

Genau dieses Einzelstück wird Ende November bei RM Sotheby's versteigert. Es befindet sich seit 2005 in Liebhaber-Hand und wird mit vielen Unterlagen (Broschüren, Zeichnungen, Rechnungen, VHS) und Accessoires wie einem Autotelefon, einem Holzlenkrad und einem Carcover angeboten.

Rund 30.000 Euro investiert

Außerdem wurden im Vorfeld viel Geld und Arbeit investiert: 16.216 Euro in generelle Reparaturen, 7783 Euro in eine neue Lackierung und 4771 Euro in eine Lederaufbereitung. Vor diesem Hintergrund geht der Schätzpreis von 250.000 bis 300.000 Euro für das Einzelstück mehr als in Ordnung. Erst recht, wenn man bedenkt, dass der Boschert ein vom TÜV abgenommenes und voll einsatzbereites Einzelstück ist.