Sie fahren durch künstliche Welten, umgeben von bunten Leuchtstreifen oder gecleanten Hochglanzfassaden; sie ducken sich unter kunstvoll geschwungene Großstadt-Zubringer, hechten über Kreuzungen, die einer autoleeren Realität entsprungen scheinen, oder posieren vor dem Cover-Ensemble einer virtuellen Musiksammlung. Nein, gemeint sind nicht die jungen Damen, die sich einmal pro Woche von Heidi Klum erklären lassen, wie das mit dem Laufsteg nun so funktioniert, sondern die Werbe-Protagonisten BMW 1er und Mercedes A-Klasse. Die modischen Starlets des Segments sozusagen; weder preiswert noch praktisch.
Mercedes A 250 Sport
Der A250 betreibt Fahrdynamik zugunsten des Sports, nicht der Unterhaltung.
Bild: Ronald Sassen
Besonders die A-Klasse tingelt derzeit fleißig durchs Rampenlicht. Kein Wunder, steckt sie doch mitten im großen Imagewandel. Weg mit dem phlegmatischen Rentner-Mief der beiden Vorgänger-Generationen, her mit einem jüngeren und vor allem flotteren Anstrich. Sie nahm vorweg, was VW erst anno 2005 als Golf Plus hervorbrachte, nun soll sie den GTI das Fürchten lehren und nebenbei auch noch dafür sorgen, dass die aufstrebenden Mittdreißiger in Boss Black von BMW zu Mercedes konvertieren. Entsprechend auch der Stil des kleinen Benz. Seine Garderobe ist Avantgarde im reinen Sinne, nicht das, was man jahrzehntelang auf chrombetupfte C-Klassen pappte. Den dynamischen Touch des A 250 Sport besorgt wiederum kein Geringerer als Haustuner AMG.
BMW 125i Automatik
Ab 5500 Touren spürt man bei dem BMW deutlich, dass Leistung künstlich weggeregelt wird.
Bild: Ronald Sassen
Da verblasst selbst der kaum weniger akzentuierte Schliff des BMW. Und das liegt nicht nur am gesitteten Mineralgrau-Metallicton oder daran, dass er, anstatt zum SportLine-Dress zu greifen, im dezenteren Urban-Line-Outfit vorrollt, sondern vor allem daran, dass er – im Gegensatz zum Mercedes – eben kein ausgewiesenes Sportmodell, sondern nur das interne Oberhaupt der Vierzylinder ist. Unzulänglichkeiten kennt die achtstufige Sportautomatik des 1ers allenfalls vom Hörensagen. Nicht nur dass sie mit Abstand die brei­teste Übersetzungsspanne bietet, ihre Stufen also mit minimalen Drehzahlsprüngen nahtlos aneinanderzahnt, sie vollzieht dies auch mit einem schier unglaublichen Facettenreichtum.
VW Golf VI GTI DSG
Der GTI tönt nicht nur kernig, sondern er dreht auch sportlich aus.
Bild: Ronald Sassen
Der GTI positioniert sich in der goldenen Mitte. Im Ansatz folgt er dem Dresscode der A-Klasse, nur dass er sich nicht so lasziv mit Schwellersicken und Spoilerkanten aufbrezelt. Klar, bei VW kämmt Winterkorn den Scheitel – und dieser hat eben akkurat zu sitzen. Was jedoch nichts daran ändert, dass sich trotz aller Liebe zum gepflegten Schliff mittlerweile auch beim GTI das ein oder andere Fältchen bemerkbar macht. Seine Antriebseinheit ist dagegen nach wie vor zeitgemäß. Der 211 PS starke TSI stretcht sich dauerelastisch übers Drehzahlband, das Sechsgang-DSG schnippt punktgenau aufs Drehmomenthoch, während Sounddesign das Klangbild färbt und DCC (adaptives Fahrwerk: 925 Euro) das Handling schärft.
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Fazit

von

Manuel Iglisch
Ein SPORTSCARS-Vergleich, den ein Mercedes gewinnt? Daran werden wir uns wohl gewöhnen müssen/dürfen. Zumindest dann, wenn der fahrdynamisch extrem gelungene A 250 Sport partizipiert. Geradeaus noch mit seinen Kontrahenten gleichauf, fährt der Benz im Kurvigen souverän zum Sieg. Der GTI ist zwar deutlich günstiger und ausgewogener als der Benz, letztlich aber zu langsam, um ihn noch abzufangen. Und der 1er? Der hat einen feinen Motor und ein grandioses Getriebe, stolpert aber wieder einmal über seine Runflat-Pneus.