Knirschend-schabend schiebt sich der A 200 über die Rampe hinab ins Untergeschoss des Parkhauses. Das klingt nicht gesund. Wenig Federweg, dazu volle Beladung – schon streift der kleine Mercedes seine Alltagstauglichkeit und im gleichen Zuge auch etwas vom Unterbodenschutz ab. Tatsächlich hängt die Karosserie reichlich tief über der Straße. Auch Bordsteine oder steilere Auffahrten bereiten Probleme. Dann stupst die A-Klasse mit ihrer langen Nase gegen entsprechende Hindernisse.

Ein wenig mehr Bodenfreiheit würde der A-Klasse guttun

Mercedes A-Klasse
Zu flach: In Parkhäusern, an Auffahrten oder hohen Hindernissen stößt die A-Klasse an ihre Grenzen.
Wie jetzt? Die A-Klasse ist doch nicht klasse? Quatsch. Aber wir von AUTO BILD haben uns dieses wichtige Auto mal ganz genau angesehen. Diesen Alltags-Check werden Sie jetzt öfter lesen. Hart manchmal, aber ein gutes Auto muss das aushalten. Denn der A 200 meistert trotz Nase den Alltag sehr anständig. Fahrer und Beifahrer sitzen hervorragend, fühlen sich von den fest gepolsterten Sitzen verbindlich umfasst und können reichlich am neuen (aber gewöhnungsbedürftigen) Multimediasystem spielen. Besonders viel Liebe haben die Mercedes-Entwickler in die Abstimmung der Sprachbedienung gesteckt. So kann das System auch einfachste Fahreransagen ("Mir ist kalt!") deuten und die Heizung höherdrehen. Das klappt schon erstaunlich gut.

In Sachen Ausstattung gibt es reichlich Optionen

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Video: Mercedes A-Klasse (2018)

Neuer Stern im ersten Test

Wie schon der Vorgänger ist auch die neue A-Klasse nicht besonders übersichtlich gebaut. Nach schräg hinten fällt das Peilen auf Poller und Co. besonders schwer. Und das Einsteigen in den Fond gleicht bei Erwachsenen einer Körper-Biege-Übung. Grund: Am weit nach vorn ragenden Radhausbogen geht's vorbei auf eine weiter hinten montierte Fondbank. Dafür hat Mercedes die neue A-Klasse sehr edel und wohnlich eingerichtet und bietet eine riesige Auswahl an Komfortausstattung (inklusive verspielter Innenraum-Ambiente-Beleuchtung in 64 verschiedenen Farben) und viele Möglichkeiten, den Innenraum zu individualisieren. Im Kofferraum stehen mindestens 370 Liter Platz für Gepäck zur Verfügung. Aufpreisfrei lässt sich die Fondbank flach falten – dann wächst das Volumen auf 1210 Liter Fassungsvermögen. Das ist leicht unter Klassendurchschnitt.
Die Kofferraumöffnung ist nun endlich größer, aber obenrum immer noch eng geschnitten. Sperrige Sachen müssen also sorgsam verstaut werden. Unnötig altmodisch finden wir, dass sich beim Zurückschwenken der Banklehne die Gurtbänder einklemmen können. Das Gewebeband vorab zur Seite zu nesteln nervt!

In Fahrt macht die A-Klasse einen ausgewogenen Eindruck

Mercedes A-Klasse
Die Federung schluckt Unebenheiten außerordentlich erwachsen, reagiert nur manchmal etwas derbe.
Beim Fahren fällt sofort auf, dass der Motor (es ist ein recht kleiner 1.3er, der mit Renault-Hilfe entsteht) zwar lebhaft-drehwillig und auch vibrationsarm arbeitet, doch für diese Preisliga etwas angestrengt wirkt. Das Getriebe (Doppelkupplungsautomatik) sortiert die sieben Vorwärtsgänge schnell, wechselt geschliffen die Übersetzungen, reagiert allenfalls auf Kickdown-Anfragen unschlüssig und wie fast alle Direktschaltgetriebe zu passiv. Der optimal an der Lenksäule angebrachte Wählhebel könnte wertiger sein. Die Federung schluckt Unebenheiten außerordentlich erwachsen, reagiert auf Verwerfungen feinfühlig und hat auch mit reichlich Ballast an Bord keine Probleme, heftige Bodenwellen zu parieren. Gegen Gullydeckelkanten oder Bitumenflicken prallt der A 200 jedoch etwas derbe. Das ist als Zittern spürbar und leider auch als polterndes Geräusch hörbar. Ganz selten mal haut das Fahrwerk in die Anschläge, nervöse Unruhe resultiert daraus jedoch nie.
Die Lenkung entspricht dem ausgeglichenen Temperament des A 200: Um die Mittellage noch gelassen, dank definierter Rückstellung und passender Übersetzung auch sportlich tragbar – so schafft der Mercedes gemütliche Gangarten genauso gut wie freudvolles Kurvenräubern. Im Testwagen war die sogenannte Direktlenkung montiert. Dabei lässt ein spezielles Lenkgetriebe je nach gefahrener Geschwindigkeit verschiedene Übersetzungen zu. Bei hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn könnte der Wagen jedoch gern sauberer geradeaus laufen, so richtig fein am Strich geführt fühlt sich jedenfalls anders an.
Weitere Testeindrücke zur neuen Mercedes A-Klasse finden Sie in der Bildergalerie.

Fazit

Die A-Klasse hat zwei Seiten. Zuerst: ein schicker Kompakter, der richtig gut fährt und sehr modern mit Assistenz und Multimedia bestückt ist. Und dann ist da ein Mercedes, der erst vollständig sicher und technisch optimal aufgerüstet vorfährt, wenn viel zusätzliches Geld fließt.

Von

Berend Sanders