AMG C 43 gegen AMG E 53

Mercedes-AMG C 35/Mercedes-AMG E 53: Test

Gelockerte AMG-Krawallos

Der eine gibt den Business-Renner, der andere gefällt sich als Sportler: Beim Duell Mercedes-AMG E 53 gegen C 43 sind die Rollen klar verteilt.
Was sind das eigentlich für Menschen, die sich als Selbstfahrer eine hochmotorisierte Business-Limousine kaufen, die sich mit wenigen Tastendrücken von einer flauschigen Komfortoase zum ambitionierten Sportler wandeln lässt? Frauen und Männer, die sich ihren Erfolg ehrgeizig erarbeiten, ständig zwischen Empathie und Ellenbogen wechseln müssen und für Business und Privates einen automobilen Begleiter suchen, der sich ihren Ansprüchen jederzeit anpassen kann. Die beiden AMG-Performance-Modelle C 43 und E 43 zum Beispiel, mit denen den Affalterbachern die Synthese aus breit geschulterter Urwüchsigkeit der 63er-Versionen und dem Komfort der normalen Mercedes-Modelle wirklich vorbildlich gelungen war.

Ein Elektromotor gibt dem E 53 zusätzliche Kraft

Neue Maschine: Als E 53 hat die E-Klasse jetzt einen Startergenerator an Bord, der zusätzlich Dampf macht.

Gut, der energische Doppelturbo-V6 hatte an der E-Klasse ordentlich zu schleppen, doch der hecklastige 69:31-Allrad und das fokussierte Luftfahrwerk schnürten ihr eine Kurvendynamik an die Sohlen, mit der die V8-Konkurrenten von Audi und BMW auf dem Sachsenring nicht mithalten konnten. Und weil der Komfort dabei keineswegs auf der Strecke blieb, war der Testsieg gegen S6 und M550i gesichert. Zum 2018er-Facelift erfolgte der Namenswechsel von E 43 zu E 53, der mehr Leistung kraft eines neuen Turbo-Reihensechszylinders mit elektrischem Verdichter und E-Booster verspricht. Der sogenannte IGS-Startergenerator sitzt auf der Kurbelwelle zwischen Getriebe und Motor und drückt 16 kW und 250 Nm als Anschubhilfe in den nun variablen Allradantrieb. Weiterer Clou: Neben der Beherrschung wichtiger Hybridfunktionen wie Rekuperation, Lastpunktverschiebung und Segeln speist der Booster das 48-Volt-Bordnetz und ersetzt Anlasser wie Lichtmaschine. Im Vergleich zum Vorgänger E 43 leistet der Verbrenner 435 statt 401 PS, während das maximale Drehmoment mit 520 Nm unverändert blieb.

Auf der Rennstrecke zeigt der C 43 seine Talente

Großer Sport: Der C 43 umrundet den Sachsenring mit großer Lässigkeit und ist dabei auch schnell.

Beim kleineren C 43 bleibt der bekannte V6-Biturbo dagegen an Bord. 23 Mehr-PS und verkürzte Schaltzeiten der Neunstufen-Automatik bringt hier das Facelift. Der Allrad mit starrer Momentenverteilung wurde übernommen und zerrt den 43er wie auf Schienen mit stoischer Ruhe durch Kurven. Übersteuern oder Untersteuern? Fehlanzeige. Gelassener kann man den Sachsenring wohl kaum umrunden. Einzig die Übersetzungen passen kurvenausgangs nicht überall, weshalb der V6 im höheren vierten Gang die Steigungen erklimmen muss. Jenseits von 4000 Touren posaunt der Biturbo dann immer aufreizender und liefert ordentlichen Schub. Genug um gegen den E-geboosteten E 53 zu bestehen? Durchaus, denn dessen Generator liefert seinen kaum spürbaren Drehmomentschub lediglich im Drehzahlkeller. Durchzug und Beschleunigung sind trotz des guten Ansprechverhaltens schlechter als im leichteren C 43. Viel störender: Auch gegen den schwächeren Vorgänger E 43 zieht der monoton röhrende Hybrid trotz Leistungsvorteil im Durchzug klar den Kürzeren.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Die Vorzüge des neuen Antriebs beschränken sich so auf den ausgezeichneten Schaltkomfort sowie den geringeren Testverbrauch (11,1 zu 13,0 l Super Plus auf 100 km), womit sich der E 53 als Chefsessel für die Langstrecke empfiehlt. Das Fahrwerk bügelt Unebenheiten sauber aus, während die Tachonadel dank Vmax-Anhebung (AMG Driver’s Package) mit etwas Anlauf auf über 280 km/h eilt. Große Emotionen wie im bulligen Bruder E 63 darf man sich vom 53er nicht erhoffen, er fährt sich wie ein sportlicher Mercedes, aber wenig AMG-like.

Der Trumpf des Großen ist sein variabler Allradantrieb

Antriebstrick: Durch die variable Momentenverteilung lässt der Allrad den schweren E 53 sehr agil wirken.

Das dämpft die Erwartungshaltung für den Sachsenring. Doch ein Ass hat der E 53 noch im Ärmel versteckt: seinen variablen Allradantrieb, der ihm trotz seines ungleich höheren Gewichts ein viel agileres Fahrgefühl beschert als die starre Momentenverteilung des kleineren C 43. Zwar spürt man beim Einlenken die höhere Masse auf der Vorderachse, doch ab dem Scheitelpunkt leitet das Verteilergetriebe spürbar mehr Kraft an die Hinterräder und schiebt den E 53 so mit zart angedeutetem Übersteuern durch den Kurvenausgang. Wie im C 43 nimmt das Getriebe beim Anbremsen nicht immer den dritten Gang an, das Bremspedal wird schnell weich, die Verzögerung lässt nach. Dennoch schlägt sich der E 53 mit nur drei Zehnteln Rückstand auf den kleinen Bruder sehr achtbar. Wäre da nicht der enttäuschende und AMG-untypische Hybridantrieb, die E-Klasse hätte die internen Machtverhältnisse tatsächlich noch auf der Zielgerade wieder zurechtgerückt.

Fahrzeugdaten Mercedes-AMG C 43 4Matic Mercedes-AMG E 53 4Matic+
Motorbauart V6 R6
Aufladung / Ladedruck Biturbo / 1,1 bar Turbo+ E-Booster / 1,2 bar
Einbaulage vorn längs vorn längs
Ventile / Nockenwellen 4 pro Zylinder / 4 4 pro Zylinder / 2
Hubraum 2996 cm³ 2999 cm³
Bohrung x Hub 88,0 x 82,1 mm 83,0 x 92,4 mm
Verdichtung 10,7 : 1 10,5, : 1
kW (PS) b. 1/min 287 (390) / 6100 320 (435) / 6100
Literleistung 130 PS/l 145 PS/l
Nm b. 1/min 520 / 2500-5000 520 / 1800-5800
Getriebe 9-Stufen-Automatik 9-Stufen-Automatik
Antrieb Allrad Allrad
Bremsen vorn 360 mm innenbel. / gelocht 370 mm innenbel. / gelocht
Bremsen hinten 320 mm innenbel. 360 mm innenbe.
Bremsscheibenmaterial Stahl Stahl
Radgröße vorn – hinten 7,5 x 19 - 8,5 x 19 8 x 20 - 9 x 20
Reifengröße vorn 225/40 R 19 245/35 R 20
Reifengröße hinten 255/35 R 19 275/30 R 20
Reifentyp Continental Sport Contact SP Yokohama Advan Sport (M0)
Länge/Breite/Höhe 4699 / 1810 / 1429 mm 4959 / 1860 / 1447 mm
Radstand 2840 mm 2939 mm
Tank- / Kofferraumvolumen 66 / 455 l 66 / 540 l
Normverbrauch · CO2-Ausstoß 9,2 l SP/100 km · 211 g/km 8,7 l SP/100 km · 198 g/km
Abgasnorm Euro 6d-Temp Euro 6d-Temp
Grundpreis 61.850 Euro 79.248 Euro

Messwerte Mercedes-AMG C 43 4Matic Mercedes-AMG E 53 4Matic+
Beschleunigung
0- 50 km/h 1,7 s 1,9 s
0-100 km/h 4,3 s 4,5 s
0-130 km/h 6,7 s 7,0 s
0-160 km/h 9,8 s 10,3 s
0-200 km/h 15,7 s 16,6 s
0-402,34 m (Viertelmeile) 12,60 s 12,83 s
Vmax 250 km/h (abgeregelt) 270 km/h (abgeregelt)
Elastizität
60-100 km/h (4./5. Gang) 3,2 / 4,5 s 3,9 / 5,5 s
80-120 km/h (5./6. Gang) 4,3 / 5,5 s 5,6 / 6,9 s
80-120 km/h (7./8./9. Gang) 6,6 / 9,2 / 13,8 s 8,3 / 11,1 / 16,4 s
Rundenzeit
Sachsenring 1:40,63 min 1:40,99 min
Bremsweg
100-0 km/h kalt 34,6 m 33,8 m
100-0 km/h warm 33,4 m 33,0 m
200-0 km/h warm 135,8 m 137,3 m
Testverbrauch
Ø auf 100 km 11,1 l Super Plus 11,1 l Super Plus
Reichweite 590 km 590 km
Gewichte
Leergewicht / Zuladung 1698 / 477 kg 1982 / 513 kg
Balance VA / HA 56 / 44 % 55 / 45 %
Leistungsgewicht 4,4 kg/PS 4,6 kg/PS

Guido Komp

Fazit

Trotz seines dynamischen Allrads spielt der E 53 lieber den gesetzten Business-Benz, als sich beim Casual Trackday die Krawatte vom Hals zu reißen. Der C 43 fährt mitreißender und gewinnt deshalb knapp.

Stichworte:

Sportwagen

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.