Geschäftsleute mit übermäßigem Geltungsdrang oder besonders dichtem Terminkalender müssen jetzt ganz stark sein. Denn wenn AMG der neuen E-Klasse nur ein Jahr nach dem Start ihr Sportabzeichen verpasst, ist nichts mehr, wie es war.
Weil auch in Affalterbach die Angst vor dem Klimawandel umgeht und die schnellen Schwaben ihren Beitrag zu den CO2-Zielen der Zentrale leisten sollen, muss der Bodybuilder unter den Business-Limousinen nämlich künftig ohne den lieb gewordenen Achtzylinder auskommen – und startet deshalb nur noch als E 53.
Mercedes-AMG E 53
Die Systemleistung steigt auf 585 und beim Race Start sogar auf 612 PS und liegt damit auf dem gleichen Niveau wie beim guten alten V8.
Bild: Mercedes-Benz Group AG
Ja, den gab es auch beim Vorgänger und auch damals musste ein Sechszylinder reichen. Doch diesmal soll es bei dieser Variante bleiben und AMG-Chef Michael Schiebe hat unmissverständlich klargemacht, dass es keinen V8 unterhalb von S-Klasse, GT und SL mehr bei AMG geben wird – selbst wenn bei Audi weiter ein V8 ballert und der nächste M5 in diesem Sommer dem Hörensagen nach ebenfalls wieder auf acht Flammen brennen wird.

Mercedes-AMG E 53: 449 PS aus sechs Zylindern

Aber nur, weil ein kleinerer Motor unter der Haube steckt, predigt AMG keine Abrüstung. Als Trostpflaster gibt es deshalb drei Liter großen und 449 PS starken sechs Zylinder einen Plug-In-Baustein mit einer 163 PS starken E-Maschine: So steigt die Systemleistung auf 585 und beim Race Start sogar auf 612 PS und liegt damit auf dem gleichen Niveau wie beim guten alten V8. Und ganz nebenbei kann man mit dem Akku von 28,6 kWh, der mit 60 kW DC laden unter den PHEVs zu den flotteren zählt, um die 100 Kilometer rein elektrisch fahren.
Mercedes-AMG E 53
Vernunft oder Vergnügen – AMG will beim neuen E 53 beides unter einen Hut bringen.
Bild: Mercedes-Benz Group AG
Das klappt zwar nur bis 140 km/h, und wahrscheinlich wird der Sechszylinder auch nicht mehr ganz so vorlaut sein wie der V8, doch die Nachbarn werden es einem beim Frühstart in den Tag ganz sicher danken. Und spätestens mit dem Blick auf die Fahrleistungen will AMG dann auch die letzte Kritik der Kunden ausräumen: Schließlich beschleunigt der neue E 53 im besten Fall in 3,9 Sekunden von 0 auf 100 und erreicht so mühelos die 250 km/h, dass es mit dem AMG Drivers Package sogar Auslauf bis 280 gibt.
Wer zum dichtgedrängten Terminkalender auch noch erweiterten Platzbedarf hat, bekommt den gleichen Antrieb übrigens auch wieder im T-Modell, nur dass die Fahrleistungen dann einen Hauch schlechter sind. Dort vergehen 3,9 Sekunden bis Tempo 100 und schon bei 275 km/h ist die Raserei wieder vorbei.

Mercedes-AMG E-Klasse ab 120.000 Euro

Zwar ist der Motor das wichtigste bei einem AMG, doch natürlich wissen die Schwaben auch um den Selbstdarstellungsdrang ihrer Kunden und schneiden der E-Klasse deshalb einen etwas sportlicher Anzug.
Am Bug prangt deshalb wie üblich der Panamericana-Grill, auf dem Heckdeckel gibt es einen mehr oder minder dezenten Spoiler, und dazwischen eine muskulösere Motorhaube und etwas weiter ausgestellte Kotflügel, die sich wie das T-Shirt über den Bizeps eines Bodybuilders über die Extrabreiten reifen spannen. Und auch innen macht die E-Klasse mit strammeren Sitzen, den üblichen Insignien aus Karbon und einer aufpeitschenden Grafik auf den vielen Bildschirmen jetzt ein bisschen mehr auf Fitnessstudio als Vorstandsbüro.
Mercedes-AMG E 53
Auch innen macht die E-Klasse jetzt ein bisschen mehr auf Fitnessstudio als Vorstandsbüro.
Bild: Mercedes-Benz Group AG
Zwar hat sie nur noch sechs Zylinder wie der alte E 53, aber sie leistet so viel wie der alte E 63 und sieht auch genauso eigenständig aus. Deshalb sollten wir wohl auch eher nach dem Preis des lieb gewordenen V8-Modells schauen, wenn wir uns den für den neuen E 53 ausrechnen wollen.
Die knapp 130.000 Euro von einst sind deshalb sicher eine bessere Richtschnur als die fast schon lachhaften 86.000 Euro, die der E 53 zuletzt gekostet hat. Erst recht, wenn man bedenkt, dass schon die normale E-Klasse als 381 PS starker E 450 bei 82.000 Euro startet, kann man deshalb gut und gerne 120.000 Euro und mehr für den Business-Express rechnen und allen Interessenten bis zur Markteinführung im Herbst nur gute Geschäfte wünschen.
Vernunft oder Vergnügen – AMG will beim neuen E 53 beides unter einen Hut bringen. Zwar haben sie es bei diesem Business-Express meist mit mathematisch gewandten Managern zu tun. Doch ob sich Petrolheads den Reiz eines Plug-in-Hybrids schönrechnen können, bleibt abzuwarten. Aber wer weiß: Vielleicht sehen wir das das ganz anders, wenn wir mal losfahren dürften.