Mercedes CLA (2025): erste Fahrt im Elektro-Prototyp
Neuer Mercedes CLA mit Mega-Reichweite
Bild: Mercedes
Tesla ist ihnen meilenweit davongefahren, und die Chinesen sind ihnen dicht auf der Pelle: Ausgerechnet der Erfinder des Automobils hat sich die Deutungshoheit über dessen Zukunft fast kampflos aus der Hand nehmen lassen. Doch damit will Mercedes jetzt endlich Schluss machen, zündet deshalb die nächste Stufe der elektrischen Revolution und schickt als erstes Kind einer neuen E-Familie am unteren Ende der Palette den CLA ins Rennen.
Konstruiert aus dem Baukasten der Mercedes Modular Architecture (MMA) und bald flankiert von einem Shooting Brake sowie den Nachfolgern von GLA und GLB soll er die Schwaben mit rekordverdächtigen Reichweiten und konkurrenzloser Effizienz wieder in Schlagdistanz zu Tesla bringen und die chinesischen Newcomer auf Distanz halten.
Mercedes bittet zur ersten Fahrt im neuen CLA
Was sie sich für die MMA-Familie alles vorgenommen haben, weiß man spätestens seit der Studie Vision EQXX aus dem Jahr 2022, und mit dem Vision CLA haben sie diese Versprechen vor anderthalb Jahren auf der IAA noch einmal untermauert. Doch nach schier unzähligen und bisweilen hauchdünnen Scheiben einer gigantischen PR-Salami geht es jetzt tatsächlich um die Wurst, und die Schwaben bitten zur ersten Ausfahrt im Prototyp.

Der 85 kWh Akku des CLA soll für über 700 km Reichweite sorgen.
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Der ist nur noch leicht getarnt, weil sie erstens schon so viel erzählt und gezeigt haben, weil es zweitens ja nur noch zwei Wochen sind bis zur Weltpremiere und weil drittens – bei allem Respekt vor Stilführer Gorden Wagener und seinem Team – das Design hier ausnahmsweise mal nicht der wichtigste Faktor ist, sondern eher Mittel zum Zweck.
Schließlich liegt es auch am Feinschliff im Windkanal, dass die rund 4,75 Meter lange Coupé-Limousine so etwas ist wie das "Ein-Liter-Auto" unter den Elektrolimousinen und der Bordcomputer eine Reichweite von über 750 Kilometern anzeigt. Und das bei einem Akku, der mit seinen 85 kWh nur gehobener Durchschnitt ist.
Außerdem braucht man für die Vermutung, dass ein CLA sauber gezeichnet sein wird, dass er vorne und hinten leuchten wird wie ein Christbaum und dass dabei überall Sterne funkeln werden, nun wirklich nicht viel Fantasie.

Mit noch größeren Bildschirmen und vor allem mit einem neuen Bedien- und Infotainmentkonzept will Mercedes in eine neue Elektro-Ära
aufbrechen.
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Deshalb stört sich hier und heute niemand an den psychedelischen Mustern auf Bug und Heck, und jeder freut sich stattdessen, dass einem nun zum ersten Mal der Griff an der Fahrertür entgegen surrt. Und nach der pflichtschuldigen Sitzprobe im gut zumutbaren, aber nicht eben großzügigen Fond gleitet man schon in die neuen Integral-Sportsitze, in denen man endlich trotzdem die Kopfstütze verstellen kann.
Mercedes CLA: Heckantrieb und 272 PS
Dann nimmt die Zukunft erstaunlich flott und handlich Tempo auf und schürt ein bisschen was von jener Fahrfreude, die doch eigentlich 200 Kilometer weiter im Südosten zu Hause ist. Denn erstens verabschieden sich jetzt auch die kleinsten Mercedes-Modelle vom Frontantrieb, zweitens ist der CLA für ein E-Auto mit kaum mehr als zwei Tonnen vergleichsweise leicht, und drittens hat schon das vorläufige Basis-Modell der E-Familie 272 PS.
Der Allradler, der ihn flankieren wird, kommt mit einer 109-PS-Maschine im Bug theoretisch sogar auf mehr als 380 PS, selbst wenn die Systemleistung am Ende etwas geringer sein wird. Und der – natürlich digitale und kunterbunte – Tacho reicht schließlich auch nicht ohne Grund bis 240 km/h.

Schon das Basis-Modell der Elektro-Variante hat 272 PS.
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Aber Tempo will Mercedes nicht nur auf der linken Spur machen. Sondern ausgefochten wird die Aufholjagd auch an der Ladesäule, selbst wenn das selbsterklärte "Ein-Liter-Auto" für die Generation E dort eher selten vorbeischauen wird. Und wenn der CLA dort andockt, gibt er nur ein kurzes Gastspiel. Denn endlich mit 800 Volt verdrahtet, lädt er mit mehr als 300 kW, saugt so in 15 Minuten den Strom für 400 Kilometer und ist schneller wieder weg, als die Passagiere ihren Cappuccino bestellt, getrunken und bezahlt haben. Vielleicht also beim nächsten Mal besser nur Espresso!
Während man die Effizienz und den langen Atem des CLA förmlich spüren kann, weil das Coupé so flüsterleise durch den Wind schneidet, dass es kaum Widerstand geben dürfte, weil es bei maximaler Rekuperation fast verzögert wie ein AMG mit Keramikbremsen, und weil es dagegen im elektrischen Leerlauf schier bis zum Horizont rollt, bleiben ein paar Innovationen noch unter großen Tarnmatten im Cockpit verborgen.
Eigenes Mercedes-Betriebssystem
Schließlich steht der CLA nicht nur für den Aufbruch in eine neue Elektro-Ära, sondern auch für den nächsten Schritt einer digitalen Revolution – mit noch größeren Bildschirmen und vor allem mit einem neuen Bedien- und Infotainmentkonzept, das zum ersten Mal auf einem eigenen Betriebssystem basiert: Weil der CLA leichter upgedated und upgegraded werden kann, wird er nicht mehr älter, sondern über die Jahre nur besser, versprechen die Entwickler und schreiben deshalb bereits eifrig die Codezeilen für neue Funktionen und Applikationen, die nicht mehr wie früher bis zum ersten Facelift warten müssen.

Der neue CLA wird wohl deutlich über 40.000 Euro kosten.
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Vor allem aber treiben sie mit Macht die Familienplanung voran. Sie haben deshalb zur Preiskorrektur nicht nur einen zweiten Akku mit 58 kWh in petto und für Zauderer doch noch mal eine Verbrenner-Familie mit milde hybridisierten 1,5-Liter-Benzinern von 136 bis 190 PS, die dann allerdings auch wieder die Vorderachse antreiben.
Sondern vor allem wird es in den nächsten 24 Monaten als ersten elektrischen Kombi von Mercedes auch wieder einen CLA Shooting Brake geben und danach die Nachfolger und GLA und GLB.
Aber schon jetzt hat die Entwicklungsmannschaft um Baureihenleiter Axel Heix mit den Prototypen bewiesen, dass Mercedes ganz viele seiner Versprechen eingehalten und sich wieder auf Augenhöhe mit den enteilten Newcomern gekämpft hat. Jetzt müssen dann nur noch die Preise stimmen, damit auf der Electric Avenue endlich die Sterne strahlen. Und selbst wenn Mercedes sich da noch sehr vage hält, dürften die mindestens so sehr aufhorchen lassen, wie die Reichweite oder der Verbrauch, nur mit einer anderen Konnotation.
Preise wohl weit über 40.000 Euro
Zwar kann kaum einer erwarten, dass die wenig mehr als 40.000 Euro für den aktuellen Einsteiger mit einem asthmatischen Benziner Bestand haben werden. Doch selbst die Vier an erster Stelle zu halten, könnte schwer werden. Zumindest für die E-Varianten. Weil es erst mal nur die große Batterie geben wird und sie ja obendrein so stolz sind auf ihre so üppig erweiterte Ausstattung, schlägt man im Geiste wohl besser mal ein Drittel drauf – und wartet darauf, bis uns endlich die letzte Scheibe der PS-Salami serviert wird.
Denn selbst wenn Mercedes jetzt endlich die ganze Wurst aufgetischt hat, kommt die Rechnung wie im Restaurant zum Schuss. Bis dahin könnte dann bitte auch noch jemand die Tarnfolie runterreißen und die Matten von den Konsolen ziehen. Aber auch daran haben die Entwickler schon gedacht und immerhin genügend Platz für den ganzen Plunder vorgesehen. Schließlich hat der CLA nicht nur solide 400 Liter Kofferraum. Sondern zum ersten Mal seit fast 100 Jahren gibt es bei Mercedes auch wieder einen Frunk.
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