Mercedes CLS auf dem Kiez
Auf der Reeperbahn nachts um halb eins

Der neue Mercedes CLS zeigt sich, in rotes Neonlicht getaucht, den Nachtgestalten von St. Pauli. Da, wo der Stern auf der Haube noch Strahlkraft hat. AUTO BILD auf Spritztour zwischen Millerntor und Beatles-Denkmal.
Wenn es dunkel wird auf St. Pauli, wenn die Lichter angehen an den Häusern und Autos, dann kommen sie und gucken. Und manche fassen sogar an. Die Touristen, die Huren, Glücksjäger, Zuhälter, Säufer und Spaziergänger, die Getriebenen und die Gefallenen. Sie alle werfen einen mehr oder weniger intensiven Blick auf dieses Auto, nuscheln Vokabeln wie "protzig" oder "prächtig", schütteln den Kopf oder nicken anerkennend. Einer kommt aus der Sex-Bar "Tutti Frutti", bleibt erstaunt stehen und fragt: "Das ist doch der Neue, oder?" Und Neuigkeiten sprechen sich schnell herum auf dem Hamburger Kiez. Vor allem neue Autos, noch immer eine Währung auf der Reeperbahn, wo die Männer mit ihren polierten Karren selten schneller als Tempo 30 fahren, um auch ja gut gesehen zu werden.
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Beim Blick auf diesen Mercedes CLS 350 CDI, der seine Weltpremiere in Paris gerade hinter sich hat, denken die Menschen hier an "C" wie Cash (63.427 Euro), "L" wie Länge (fast fünf Meter) und "S" wie Status (der Stern strahlt hier heller als in der Oberwelt). Im Neonlicht der Großen Freiheit funkelt das neue viertürige Coupé wie ein Klunker am Hals eines prächtigen Weibsstücks. "Das ist was für mich, echt", knurrt Karate-Tommy und guckt böse und beeindruckt zugleich. "Unser SL ist schöner", sagt Beata aus Polen und zeigt Zähne in der Farbe ihre kurzen Lederjacke. "Der sieht nach einer Ansage aus", formuliert Monty, Karate-Tommys Sohn, seine Bewunderung. "Geil, aber nur für meine Eltern", krächzt Christine und kippt einen Schluck Astra Pils hinterher. Nachtgestalten, alle vier. St. Pauli, die Reeperbahn und ihre Seitenstraßen sind ihre Heimat, manchmal auch nur die zweite. Wenn hier nachts in den Kaschemmen, den Klubs und Hinterzimmern, den Bars und Eckkneipen geredet wird, dann dreht es sich um die kleinen und großen Sorgen, um Männer, Frauen und Sex, und natürlich – um Autos. Teure Autos. Geile Autos.
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Bild: Sven Krieger
Auch mit Ende 50 weiß Karate-Tommy noch, was ein Auto ist und was nicht. Und doch haben sich mit den Jahren die Prioritäten verändert. Heute lobt er diese "unfassbare Laufruhe für einen Diesel" und dass er selbst hinten noch genug Platz habe. "Und dann solche Sachen wie dieser Totwinkelwarner, ey, ich sach dir, das ist gerade für Frauen perfekt. Wir wissen doch alle, wie die fahren. Sach ma ehrlich." Monty steht neben seinem Vater und lächelt. Schmaler ist er, blasser, aber mit wachen Augen. Er ist häufiger an der Uni als auf dem Kiez, studiert technische Betriebswirtschaftslehre. Was er von seinem Vater geerbt hat, ist die Liebe zu schnellen Autos. Zwei Praktika bei Porsche hat er gemacht, wollte Kfz-Mechaniker werden.
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Bild: Sven Krieger
Weitere Details zum Kiez-Besuch des Mercedes CLS gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel finden Sie als Download im Heftarchiv.
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