Großer Kombi und kleiner Benziner – kann das gut gehen? Ja, wie unser erster Test mit dem 184 PS starken Mercedes E 200 T-Modell zeigt
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
Stefan Voswinkel
Einstiegsmodell – das klingt irgendwie nach Schnäppchen. Aber nicht bei Mercedes. Den Einstieg in die Welt des E-Klasse T-Modells lassen sich die Schwaben richtig gut bezahlen. 48.665 Euro und 5 Cent (darauf legen sie Wert) ruft der Stern für den Kombi auf. Nackt. Mit ein paar Nettigkeiten werden es schnell ein paar Tausender mehr – beim Testwagen summiert sich das auf 62.172 Euro. Nur mal so zum Spaß in Mark umgerechnet: Dafür gab es Mitte der 1990er-Jahre einen S 420 – Sie wissen schon, den Dicken, der nicht auf den Autozug passte. Aber mit fettem V8 und 279 PS.
Mit dem Basis-Benziner ist die E-Klasse ausreichend motorisiert
Reicht: Der 184 PS Starke Basis-Benziner beschleunigt die E-Klasse in 8,5 Sekunden auf 100 km/h.
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
Da kann die neue E-Klasse nicht mithalten. In der Basis muss ein Zweiliter-Benziner reichen. Von Verzicht trotzdem keine Spur. Der Vierzylinder wird von einem Turbo auf 184 PS gepusht, satte 300 Newtonmeter bei niedrigen 1200 Umdrehungen versprechen eine entspannte Reise. Und die nackten Zahlen lügen nicht. Zwar nimmt die Fuhre eher gemütlich Fahrt auf – ein Gefühl von Untermotorisierung kommt trotzdem zu keinem Zeitpunkt auf. Immerhin geht es in Kombination mit der wirklich gelungenen Neunstufenautomatik in 8,5 Sekunden auf 100, erst bei 231 Kilometern in der Stunde ist Schluss. Gar nicht so schlechte Werte für einen ausgewachsenen, gut 1,8 Tonnen schweren Kombi. Und wie das bei automobilen Pummelchen so ist: Der Komfort profitiert!
Unter Anstrengung wird der Motor leider ziemlich durstig
Wer den Motor nur ein wenig fordert, muss mit einem Verbrauch von rund neun Litern rechnen.
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
Der Benz liegt satt auf der Straße, die Luftfederung (1785 Euro extra) bügelt selbst die fiesesten Unebenheiten souverän weg. Und was doch noch in den Innenraum dringt, wird von den dick gepolsterten und wirklich bequemen Sitzen einfach weggeflauscht. Aber zurück zum Motor. Denn ganz so positiv wie zunächst gedacht kommt er dann doch nicht davon. Denn er muss richtig ackern, klingt angestrengt – wenn er denn die tollen Fahrleistungen auch bringen soll. In dem feinen Innenraum-Ambiente wirkt das irgendwie fehl am Platz. Also lieber Fuß vom Gas und lässig cruisen. Kommt auch dem Verbrauch zugute. Denn zu den Kostverächtern gehört dieser Benz nicht wirklich. Schon auf unserer Sparrunde mit rohem Ei unter dem Gaspedal verfehlt er die Werksangabe von 6,2 Litern je 100 Kilometer um einen guten Liter. Der Testverbrauch weicht dann sogar um knapp drei Liter oder 44 Prozent ab – 8,9 statt 6,2 Liter!
Schade eigentlich, denn fahrdynamisch hat dieser Benz echt was auf dem Kasten. Trotz vergleichsweise magerer Leistung und hohem Gewicht macht er in Kurven Spaß, die präzise Lenkung ist Lichtjahre vom wünschelrutigen Gefühl früherer Stern-Modelle entfernt. Und je mehr Kilometer vergehen, desto mehr reift am Steuer die Erkenntnis: Die Basis reicht völlig. Mehr Benz braucht kein Mensch. Außer automobile Gourmets.
Fazit
von
Stefan Voswinkel
Nee, selbst als Basismodell ist der E-Klasse-Kombi keiner fürs Volk – aber einer für Besserverdiener, die auf den Euro achten wollen. Denn der kleine Benziner reicht vollkommen aus!