Urlaub ist nicht gleich Urlaub. Während die einen das Abenteuer suchen und im kernigen Geländewagen womöglich auch finden, wollen die anderen nur komfortabel und sicher ans Ziel kommen. Für genau diese entspannten Langstreckenmenschen fahren mit Mercedes E 250 CDI und Volvo S80 D5 zwei stattliche Oberklasse-Limousinen vor, die All-inclusive-Luxus versprechen und dank sparsamer Diesel sogar noch Geld für das eine oder andere Urlaubsmitbringsel übrig lassen. Wie auch immer: Businessklasse-Atmosphäre bieten die Limousinen beide, jede auf ihre Art. Im Benz geht es in jeder Hinsicht luftiger und bequemer zu. Die Sitze unterstützen besser, die Federung spricht geschmeidiger an, das Finish erreicht mehr Raffinesse. Die E-Klasse gehört definitiv zum Besten, was die Stuttgarter derzeit zu bieten haben.

Überblick: Alle News und Tests zum Mercedes E-Klasse

Mercedes-Benz E-Klasse E 250 CDI
Bild: Uli Sonntag
Doch auch der geschmackvoll eingerichtete S80 macht seine Sache gut. Der Innenraum gefällt mit kühler Klarheit und ausladenden Sitzen, auch der Rest ist eindeutig Oberklasse. Nur findet der Schwede in der E-Klasse einfach einen verdammt starken Gegner. Beim Antrieb muss sich der S80 mit seinem feinen Fünfzylinder hinten anstellen. Zwar fegt der D5 mit seinen 205 PS so munter von der Raststätte, als hätte es dort eine Salmonellenwarnung gegeben, der nominell nur ein PS schwächere Mercedes klebt ihm aber am Kofferraumdeckel wie sein eigener Schatten. Auch beim Überholen kann der Schwede nicht davonziehen, seine Sechsstufenautomatik (Mercedes mit fünf Stufen) reagiert sogar weniger spontan als der Mercedes-Automat. So liefern sich die beiden Autobahn-Gleiter lange ein totes Rennen, erst bei der Höchstgeschwindigkeit kann sich der Merce des leicht absetzen (240 zu 230 km/h).

Überblick: Alle News und Tests zum Volvo S80

Volvo S80 D5
Bild: Uli Sonntag
Wirklich ins Hintertreffen gerät der Volvo dann beim Tanken. Wo den E 250 CDI exakt sieben Liter 100 Kilometer weit bringen, schafft der Volvo mit dieser Menge Sprit nur 88,6 Kilometer (entspricht 7,9 l/100 km). Zum Trost sei aber darauf hingewiesen, dass der Mercedes völlig unsexy eher nach Taxi klingt, während das sportliche Fünfzylinder-Grollen des Volvo fast schon für eine Gänsehaut reicht. Sportlichen Ehrgeiz beweist der S80 sonst allerdings nicht. Im Gegenteil. Mit einer indirekten Lenkung gestraft, überlässt der stur untersteuernde Fronttriebler die dynamischen Einlagen lieber den anderen und weckt allenfalls den Sonntagsfahrer in uns. Anders die E-Klasse. Die Lenkung gefällt mit verbindlicher Rückmeldung, das souveräne ESP hält den Benz fast unbemerkt auf Kurs, der Hinterradantrieb sorgt für dynamische Kurveneinlagen. Fast schleicht sich so etwas wie Fahrfreude ins gediegene Cockpit. Nicht zu viel natürlich, aber immerhin genug, um auf einer kurvigen Landstraße mahnende Blicke von der Schwiegermutter zu ernten.
Und angesichts der schwäbischen Preispolitik verfinstert sich Muttis Miene weiter. Inklusive Automatik und einer – zugegeben – sehr guten Sicherheitsausstattung (Presafe, Hüftairbag, Fahrlichtautomatik Serie) stehen stattliche 47.124 Euro auf der Rechnung. Dazu noch unangenehm hohe Versicherungstarife (Haftpflichtklasse 21, Vollkasko 28) – so ein Stern muss einem schon was wert sein. Den Volvo S80 D5 bekommen wir schon für 42.980 Euro (inklusive Automatik und 18-Zoll-Bereifung) und mit günstigerer Versicherung (HPF 17, VK 21). Das Kostenkapitel geht somit klar nach Schweden. Allerdings zehrt der schlechtere Wiederverkauf wieder Punkte auf. Bleibt die Erkenntnis: Wer wirklich all-inclusive buchen will, reist mit der Mercedes E-Klasse einfach besser.
Reisen ohne Reue – so lassen sich sowohl Mercedes E 250 CDI als auch Volvo S80 D5 mit wenigen Worten beschreiben. Dass der Schwede am Ende doch deutlich unterliegt, ist dabei keineswegs ein Zeichen von Schwäche. Der S80 steht einfach einem wirklich starken Gegner aus dem Schwabenland gegenüber. Die E-Klasse ist geräumiger, sparsamer und komfortabler – das wiegt ihren höheren Grundpreis letztendlich mehr als auf.