Mercedes EQB 300 4Matic: Teast, SUV, Elektro, Motor, Preis
Wer E sagt, muss auch B sagen: Mercedes EQB im Test
Ein vollelektrischer Mercedes ist nichts Neues. Aber in der Familienliga? Hier trumpft der EQB mit Platz für bis zu sieben Personen auf. Der Test!
Bild: AUTO BILD
Was der Mercedes EQB nicht alles mitschleppen muss: eine satte Lage Akkus im Boden, gleich zwei Elektromotoren, gaaanz viel Spannungssteuerung und Ladeelektronik, eine Wärmepumpe, insgesamt vier Antriebswellen für die Allradfunktion und je nach Kundenwunsch beziehungsweise gegen 1416 Euro Aufpreis nicht nur fünf, sondern sogar sieben Sitze.
Ach ja – ein stabiles Schutzschild für die empfindlichen Batterien eselt so ein EQB auch noch durch die Gegend. Macht am Ende rund 2,1 Tonnen Masse. Das arme Auto. Aber jetzt wird's erstaunlich: Der Fahrer merkt im Grunde nichts davon. Das Auto fühlt sich nämlich besonders handlich, leichtfüßig und flott an, dabei angenehm unaufgeregt und fahrstabil. Auf jeden Fall wie ein Modell aus einer kleineren Liga. Denn das Zusammenspiel der elektrischen Komponenten hat Mercedes wunderbar verschliffen.
Der EQB lässt sich außerordentlich sensibel dirigieren
So lässt sich der EQB per Fahrpedal außerordentlich sensibel dirigieren und rangieren, gleichzeitig folgt dem festen Tritt aufs Pedal dieser typische satte Elektropunch. Spurwechsel mit kleiner Sprinteinlage gießt der Mercedes in der Folge enorm flüssig auf den Asphalt. Zudem kann der Fahrer simpel in den Rekuperationsstufen herumsortieren. Wippen hinter dem Lenkrad regeln die Verzögerungsstärke in vier Stufen auf einen Fingertipp hin – besser geht's nicht.

Überraschend leichtfüßig: Seine immerhin rund 2,1 Tonnen weiß der EQB gekonnt zu kaschieren – er wirkt sogar besonders handlich.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Überlässt man dem Benz sowohl die Verteilung der Antriebskräfte als auch die Leistungsabgabe – zum Beispiel mit zartem Stromeinsatz und in der Fahrprogrammierung Eco –, nippt er nur bescheiden vom Akkusaft, kommt dann bis zu 300 Kilometer weit. Mercedes verspricht für diesen Fahrzustand allerdings eine Reichweite von 410 Kilometern.
Sprintvermögen und Vmax passen im E-SUV
Den Sprint hakt der EQB in knapp unter acht Sekunden ab, bei rund 160 km/h wird die Höchstgeschwindigkeit begrenzt. Von der Verteilung der Antriebskraft an die vier Räder nimmt der Fahrer im Grunde nichts wahr. Mercedes lässt hierzu je einen E-Motor an Vorder- und Hinterachse drehen (vorn Asynchronaggregat, hinten permanenterregte Maschine). Den Kraftfluss steuert die Elektronik dabei in Millisekunden, Schlupf findet nahezu nie statt. Unter leichter Last treibt das System nur die Hinterachse an.

Geht ganz ordentlich: Der EQB sprintet in 7,7 Sekunden auf Tempo 100 und schafft maximal 160 km/h.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Die Ladethematik beherrscht der EQB befriedigend, maximal lassen sich die Akkus mit 100 kW am Schnelllader befüllen. Die dazu erforderliche Leistungselektronik baut Mercedes ohne Aufpreis ein, gleichzeitig liegt das entsprechende Ladekabel serienmäßig bei. Nur eine längere Version (acht Meter) des Kabels mit Typ-2-Stecker kostet zusätzliches Geld. Die übliche 11-kW-Wallbox-Tankprozedur bringt der 300er in etwas über sieben Stunden hinter sich (von null bis 100 Prozent Akkustand).
Fahrzeugdaten
Modell | Mercedes EQB 300 4Matic |
|---|---|
Motor vorn | Asynchronelektromotor |
Leistung vorn | 93 kW (126 PS) |
Motor hinten | Synchronelektromotor |
Leistung hinten | 75 kW (102 PS) |
Systemleistung | 168 kW (228 PS) |
maximales Systemdrehmoment | 390 Nm |
Batterieart | Lithium-Ionen |
Batteriekapazität netto | 66,5 kWh |
Ladeleistung (AC/DC) | bis 11/100 kW |
Ladeanschluss | hinten rechts (CCS) |
Reichweite (WLTP kombiniert) | 410 km |
Verbrauch (WLTP kombiniert) | 18,7 kWh |
Vmax | 159 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 235/45 R 20 T |
Reifentyp | Pirelli P Zero Elect MO |
Radgröße | 8,5 x 20" |
Vorbeifahrgeräusch | 66 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | - |
Stützlast | - |
Kofferraumvolumen | 495–1710 l |
Länge/Breite/Höhe | 4684/1834–2020**/1706 mm |
Radstand | 2889 mm |
Grundpreis | 55.519 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 62.279 Euro |
Wer im Notfall an eine Haushaltssteckdose muss: Mit 230-Volt-Anschluss dauert es typischerweise ewig – Mercedes gibt 34 Stunden Ladezeit an. Kabel für diese Fälle kosten ab 285 Euro Aufpreis.
Auffällig leise geht es im EQB voran
Der EQB läuft ausgesprochen leise – damit sind auch Abroll- und Windgeräusche gemeint. Bis Tempo 100 vernimmt der Fahrer allenfalls ein dezentes Zischen rund um die Außenspiegel. Das passt zur vielschichtig eingestellten Federung. Im Grunde atmet das SUV größere Buckel, Frostaufbrüche und Kanten im Asphalt klaglos weg, trotz der großen Räder (Testwagen mit Bereifung 235/45 R 20) rollt der EQB passabel geschmeidig ab.

Ausgesprochen komfortabel: Bis 100 km/h bleibt der EQB flüsterleise, seine Federung bügelt Unebenheiten klaglos aus.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Gleichzeitig fühlt sich der hohe Wagen nie wankend oder verschwommen an, steckt auch schnelle Wechselkurven und eckig eingeleitete Ausweichmanöver würdevoll weg. Schade: Aus dem Bereich der hinteren Aufhängung dringen rumorende Geräusche in den Innenraum, das schmälert den subjektiv "festen" Gesamteindruck.
Messwerte
Modell | Mercedes EQB 300 4Matic |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 3,0 s |
0–100 km/h | 7,7 s |
0–130 km/h | 12,5 s |
0–160 km/h | - |
0–200 km/h | - |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 4,0 s |
80–120 km/h | 5,3 s |
Leergewicht/Zuladung | 2108/472 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 50/50 % |
Wendekreis links/rechts | 11,4/11,5 m |
Sitzhöhe | 650 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 36,3 m |
aus 100 km/h warm | 36,6 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 57 dB(A) |
bei 100 km/h | 65 dB(A) |
bei 130 km/h | 68 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 17,4 kWh |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 21,8 kWh (+17 %) |
Sportverbrauch | 27,6 kWh |
CO2 (Testverbrauch) | 0 g/km (lokal) |
Reichweite (Testverbrauch) | 300 km |
Dank der kantigen Grundform des EQB und seiner nahezu horizontalen Motorhaube lässt sich das Auto beim Rangieren sehr gut abschätzen – auch hier hat Mercedes den immerhin 4,68 Meter langen Wagen "gefühlt" eine Klasse kleiner einsortiert.

Das geht kaum besser: In Sachen Sprachbedienung und Konnektivität arbeitet das MBUX-System absolut vorbildlich.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Die Vordersitze stützen hervorragend und sind angenehm konturiert gepolstert. Die Ergonomie stimmt, bei Konnektivität und Sprachbedienung erweist sich das MBUX (wie gewohnt) als Musterschüler, das Raumgefühl passt absolut in diese Liga. Im Fond gefällt es uns trotz guter Platzverhältnisse nicht – hier ist die Rückenlehne der Bank zu fest und unbequem glattflächig ausgeführt.
Wertung
Modell | Mercedes EQB 300 4Matic |
|---|---|
Karosserie | Mit bis zu sieben Plätzen einzigartiger E-Kompakter, guter Einstieg, variabel – kurz: sehr vielseitig. |
4,5/5 Punkten | |
Antrieb | Sehr gut dosierbar, sehr kräftig, schlaues Rekuperationsmodell, dazu passable Reichweite. |
4/5 Punkten | |
Fahrdynamik | Im Ausweichverhalten stark vom Schleuderschutz reglementiert. Gute Lenkung. |
4/5 Punkten | |
Connected Car | Alles dreht sich um MBUX. Sprachbedienung deutlich besser als bei der Konkurrenz, viel Assistenz. |
4,5/5 Punkten | |
Umwelt | Das naturgemäß hohe Gewicht gäbe es zu bemängeln – sonst alles im grünen Bereich. |
4/5 Punkten | |
Komfort | Extrem geräuscharmes Reisen, tolle Federung, hervorragende Sitze – ein gutes Reise-SUV. |
4/5 Punkten | |
Kosten | Mercedes lässt sich typischerweise die meiste Ausstattung extra bezahlen. Dazu der Kaufpreis ... |
3/5 Punkten | |
AUTO BILD-Testnote | 2 |
Das Gepäck hat's da besser. Es liegt in einem bis zu 1710 Liter großen Raum auf einem ebenen Boden, darunter gibt's ein weiteres Stockwerk. Bis zu 427 Kilogramm darf der EQB mitschleppen. Addieren wir die noch zum Wagengewicht, sind amtliche 2,5 Tonnen überschritten. Das arme Auto.
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