Was der Mercedes EQB nicht alles mitschleppen muss: eine satte Lage Akkus im Boden, gleich zwei Elektromotoren, gaaanz viel Spannungssteuerung und Ladeelektronik, eine Wärmepumpe, insgesamt vier Antriebswellen für die Allradfunktion und je nach Kundenwunsch beziehungsweise gegen 1416 Euro Aufpreis nicht nur fünf, sondern sogar sieben Sitze.

Ach ja – ein stabiles Schutzschild für die empfindlichen Batterien eselt so ein EQB auch noch durch die Gegend. Macht am Ende rund 2,1 Tonnen Masse. Das arme Auto. Aber jetzt wird's erstaunlich: Der Fahrer merkt im Grunde nichts davon. Das Auto fühlt sich nämlich besonders handlich, leichtfüßig und flott an, dabei angenehm unaufgeregt und fahrstabil. Auf jeden Fall wie ein Modell aus einer kleineren Liga. Denn das Zusammenspiel der elektrischen Komponenten hat Mercedes wunderbar verschliffen.

Der EQB lässt sich außerordentlich sensibel dirigieren

So lässt sich der EQB per Fahrpedal außerordentlich sensibel dirigieren und rangieren, gleichzeitig folgt dem festen Tritt aufs Pedal dieser typische satte Elektropunch. Spurwechsel mit kleiner Sprinteinlage gießt der Mercedes in der Folge enorm flüssig auf den Asphalt. Zudem kann der Fahrer simpel in den Rekuperationsstufen herumsortieren. Wippen hinter dem Lenkrad regeln die Verzögerungsstärke in vier Stufen auf einen Fingertipp hin – besser geht's nicht.
Mercedes EQB 300 4Matic
Überraschend leichtfüßig: Seine immerhin rund 2,1 Tonnen weiß der EQB gekonnt zu kaschieren – er wirkt sogar besonders handlich.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Überlässt man dem Benz sowohl die Verteilung der Antriebskräfte als auch die Leistungsabgabe – zum Beispiel mit zartem Stromeinsatz und in der Fahrprogrammierung Eco –, nippt er nur bescheiden vom Akkusaft, kommt dann bis zu 300 Kilometer weit. Mercedes verspricht für diesen Fahrzustand allerdings eine Reichweite von 410 Kilometern.

Sprintvermögen und Vmax passen im E-SUV

Den Sprint hakt der EQB in knapp unter acht Sekunden ab, bei rund 160 km/h wird die Höchstgeschwindigkeit begrenzt. Von der Verteilung der Antriebskraft an die vier Räder nimmt der Fahrer im Grunde nichts wahr. Mercedes lässt hierzu je einen E-Motor an Vorder- und Hinterachse drehen (vorn Asynchronaggregat, hinten permanenterregte Maschine). Den Kraftfluss steuert die Elektronik dabei in Millisekunden, Schlupf findet nahezu nie statt. Unter leichter Last treibt das System nur die Hinterachse an.
Mercedes EQB 300 4Matic
Geht ganz ordentlich: Der EQB sprintet in 7,7 Sekunden auf Tempo 100 und schafft maximal 160 km/h.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Die Ladethematik beherrscht der EQB befriedigend, maximal lassen sich die Akkus mit 100 kW am Schnelllader befüllen. Die dazu erforderliche Leistungselektronik baut Mercedes ohne Aufpreis ein, gleichzeitig liegt das entsprechende Ladekabel serienmäßig bei. Nur eine längere Version (acht Meter) des Kabels mit Typ-2-Stecker kostet zusätzliches Geld. Die übliche 11-kW-Wallbox-Tankprozedur bringt der 300er in etwas über sieben Stunden hinter sich (von null bis 100 Prozent Akkustand).

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor vorn
Asynchronelektromotor
Leistung vorn
93 kW (126 PS)
Motor hinten
Synchronelektromotor
Leistung hinten
75 kW (102 PS)
Systemleistung
168 kW (228 PS)
maximales Systemdrehmoment
390 Nm
Batterieart
Lithium-Ionen
Batteriekapazität netto
66,5 kWh
Ladeleistung (AC/DC)
bis 11/100 kW
Ladeanschluss
hinten rechts (CCS)
Reichweite (WLTP kombiniert)
410 km
Verbrauch (WLTP kombiniert)
18,7 kWh
Vmax
159 km/h
Getriebe
Einganggetriebe
Antrieb
Allradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
235/45 R 20 T
Reifentyp
Pirelli P Zero Elect MO
Radgröße
8,5 x 20"
Vorbeifahrgeräusch
66 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
-
Stützlast
-
Kofferraumvolumen
495–1710 l
Länge/Breite/Höhe
4684/1834–2020**/1706 mm
Radstand
2889 mm
Grundpreis
55.519 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
62.279 Euro
Wer im Notfall an eine Haushaltssteckdose muss: Mit 230-Volt-Anschluss dauert es typischerweise ewig – Mercedes gibt 34 Stunden Ladezeit an. Kabel für diese Fälle kosten ab 285 Euro Aufpreis.

Auffällig leise geht es im EQB voran

Der EQB läuft ausgesprochen leise – damit sind auch Abroll- und Windgeräusche gemeint. Bis Tempo 100 vernimmt der Fahrer allenfalls ein dezentes Zischen rund um die Außenspiegel. Das passt zur vielschichtig eingestellten Federung. Im Grunde atmet das SUV größere Buckel, Frostaufbrüche und Kanten im Asphalt klaglos weg, trotz der großen Räder (Testwagen mit Bereifung 235/45 R 20) rollt der EQB passabel geschmeidig ab.
Mercedes EQB 300 4Matic
Ausgesprochen komfortabel: Bis 100 km/h bleibt der EQB flüsterleise, seine Federung bügelt Unebenheiten klaglos aus.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Gleichzeitig fühlt sich der hohe Wagen nie wankend oder verschwommen an, steckt auch schnelle Wechselkurven und eckig eingeleitete Ausweichmanöver würdevoll weg. Schade: Aus dem Bereich der hinteren Aufhängung dringen rumorende Geräusche in den Innenraum, das schmälert den subjektiv "festen" Gesamteindruck.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,0 s
0–100 km/h
7,7 s
0–130 km/h
12,5 s
0–160 km/h
-
0–200 km/h
-
Zwischenspurt
60–100 km/h
4,0 s
80–120 km/h
5,3 s
Leergewicht/Zuladung
2108/472 kg
Gewichtsverteilung v./h.
50/50 %
Wendekreis links/rechts
11,4/11,5 m
Sitzhöhe
650 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
36,3 m
aus 100 km/h warm
36,6 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
57 dB(A)
bei 100 km/h
65 dB(A)
bei 130 km/h
68 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
17,4 kWh
Testverbrauch
Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe)
21,8 kWh
(+17 %)
Sportverbrauch
27,6 kWh
CO2 (Testverbrauch)
0 g/km (lokal)
Reichweite (Testverbrauch)
300 km

Dank der kantigen Grundform des EQB und seiner nahezu horizontalen Motorhaube lässt sich das Auto beim Rangieren sehr gut abschätzen – auch hier hat Mercedes den immerhin 4,68 Meter langen Wagen "gefühlt" eine Klasse kleiner einsortiert.
Mercedes EQB 300 4Matic
Das geht kaum besser: In Sachen Sprachbedienung und Konnektivität arbeitet das MBUX-System absolut vorbildlich.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD

Die Vordersitze stützen hervorragend und sind angenehm konturiert gepolstert. Die Ergonomie stimmt, bei Konnektivität und Sprachbedienung erweist sich das MBUX (wie gewohnt) als Musterschüler, das Raumgefühl passt absolut in diese Liga. Im Fond gefällt es uns trotz guter Platzverhältnisse nicht – hier ist die Rückenlehne der Bank zu fest und unbequem glattflächig ausgeführt.

Wertung

Wertung
Karosserie
Mit bis zu sieben Plätzen einzigartiger E-Kompakter, guter Einstieg, variabel – kurz: sehr vielseitig.
4,5/5 Punkten
Antrieb
Sehr gut dosierbar, sehr kräftig, schlaues Rekuperationsmodell, dazu passable Reichweite.
4/5 Punkten
Fahrdynamik
Im Ausweichverhalten stark vom Schleuderschutz reglementiert. Gute Lenkung.
4/5 Punkten
Connected Car
Alles dreht sich um MBUX. Sprachbedienung deutlich besser als bei der Konkurrenz, viel Assistenz.
4,5/5 Punkten
Umwelt
Das naturgemäß hohe Gewicht gäbe es zu bemängeln – sonst alles im grünen Bereich.
4/5 Punkten
Komfort
Extrem geräuscharmes Reisen, tolle Federung, hervorragende Sitze – ein gutes Reise-SUV.
4/5 Punkten
Kosten
Mercedes lässt sich typischerweise die meiste Ausstattung extra bezahlen. Dazu der Kaufpreis ...
3/5 Punkten
AUTO BILD-Testnote
2

Das Gepäck hat's da besser. Es liegt in einem bis zu 1710 Liter großen Raum auf einem ebenen Boden, darunter gibt's ein weiteres Stockwerk. Bis zu 427 Kilogramm darf der EQB mitschleppen. Addieren wir die noch zum Wagengewicht, sind amtliche 2,5 Tonnen überschritten. Das arme Auto.

Fazit

Trotz Kanten im Blech – der neue EQB wirkt wahrlich rund. In seinen Eigenschaften, in der Raumausnutzung und in seiner elektrischen Leistungsfähigkeit trifft der Wagen die richtige Mitte. AUTO BILD-Testnote: 2