Mercedes EQT: Fahrbericht, Preise
Jetzt lädt die T-Klasse auch Strom
Mercedes nimmt die Elektrifizierung ernst. Auch die für T-Klasse, V-Klasse und Sprinter zuständige Van-Abteilung soll bis Mitte des Jahrzehnts weg vom Verbrenner. Ein weiterer Schritt in diese Richtung: der EQT.
Bild: AUTO BILD
Der unter Strom gesetzte Bruder des Kompakt-Vans T-Klasse ist keine Überraschung. Als die Schwaben die neue Baureihe vor zwei Jahren ankündigten, taten Sie dies mit einer Studie des EQT. Inzwischen ist daraus ein Serienmodell geworden, das noch im Sommer bei den Händlern stehen soll. Die dürften es im Schauraum neben die klassisch angetriebenen T-Klassen stellen, und nur Kenner werden den Unterschied auf den ersten Blick ausmachen.
Sah die Studie noch ein bisschen nach Raumschiff aus, verzichtet Mercedes auf Experimente. Zu erkennen gibt sich der EQT nur am schwarz-glänzenden Kühlergrill (der E-Auto-untypisch nicht komplett geschlossen ist) – und am Schriftzug am Heck. Schade: Selbst der Stromer muss in der basis-Version mit Halogen-Leuchten Vorlieb nehmen, LED-Scheinwerfer gibt’s nur gegen Zuzahlung.

Aufgeräumt: Gut organisierter Arbeitsplatz mit anaolgen Instrumenten und aufgesetztem Infotainment-Touchscreen Viel Hartplastik, aber sauber verarbeitet.
Bild: Mercedes
Innen fällt die Elektrifizierung, zumindest dem Fahrer, vor allem durch den nicht vorhandenen Drehzahlmesser auf. Wie die T-Klasse, setzt auch das EQ-Modell auf analoge Instrumente und einen aufgesetzten, sieben Zoll großen Infotainment-Touchscreen auf dem Armaturenbrett. Für anfängliche Verwunderung sorgt, erst recht in der E-Version, der etwas klobige Automatikwählhebel der beim Schalten auf R, N oder D noch genauso klackt, wie man das von früher kennt. Setzt Mercedes sonst auf die Getriebe-Steuerung per Lenkstockhebel, mussten sich die Schwaben beim EQT respektive der T-Klasse mit Renault arrangieren – das Auto ist ein Zwilling des Kangoo und wird mit diesem zusammen auch im Werk der Franzosen gebaut. Abgesehen von der Grundform sieht man dem Mercedes diese Verwandtschaft aber nicht an, die Stuttgarter haben sich reichlich bemüht, alles nach Benz aussehen zu lassen.
Etwas günstiger und deshalb weniger schick
Nicht ganz auf dem gewohnten Sternen-Niveau sind die verwendeten Materialien – wenngleich das viel eingesetzte Hartplastik einen guten Eindruck hinterlässt und sauber verbaut ist. Schließlich darf man nicht vergessen: T-Klasse und EQT sind im Grunde ihres Herzens Nutzfahrzeuge und fahren auch – etwas günstiger und weniger schick – als Citan beziehungsweise E-Citan vor; letzterer geht in den kommenden Monaten zeitglich mit dem EQT an den Start.

Hochsitz: Die Rückbank ist ein paar Zentimeter höher montiert als in der T-Klasse, darunter sind die Akkus.
Bild: Mercedes
Wer auf jeden Fall merkt, dass er statt eines Verbrenners im Bug einen Akku unterm Hintern hat, sind die Fondgäste. Auf der zweigeteilten, verschiebbaren Rückbank sitzt man merklich höher als in der T-Klasse. Auf dem Papier nur knapp fünf Zentimeter, gefühlt aber deutlich mehr und größere Fahrgäste müssen die Knie recht stark anwinkeln. Überhaupt ist der Platz nach vorne eher beengt, nach oben dagegen gibt’s reichlich Luft.
Er wird seinem Ruf als Familien-Transporter gerecht
Viel Platz steckt dafür im Kofferraum. Hinter die große Heckklappe oder die optional erhältlichen Flügeltüren passen immer mindestens 551 Liter, bei umgeklappter Rückbank nimmt der EQT fast 2000 Liter auf. Trotz einer nicht gerade kleinen Stufe im Gepäckabteil wird er seinem vorauseilenden Ruf als Familien- und Freizeit-Transporter damit mehr als gerecht: Golfbags, Skier, Räder (mit abmontiertem Vorderreifen), die Fechtausrüstung oder das Stand-up-Paddel-Bord – hier geht ordentlich was rein und die Ladekante macht mit niedrigen 56 Zentimetern das Bepacken einfach; auch sechs Verzurrösen gehören zum Standard. Aber Achtung: Mit maximal 516 Kilogramm ist die Zuladung nicht gerade üppig. Dafür dürfen aber bis zu 1,5 Tonnen an die Anhängekupplung.

Praktischer Kasten: Bis zu 2000 Liter Gepäck passen in den EQT, die Ladekante ist niedrig.
Bild: Mercedes
Wie sich der Gespannbetrieb auf die Reichweite auswirkt, lässt sich nur erahnen. Ohne Anhänger soll der EQT nach WLTP knapp 19 Kilowattstunden auf 100 Kilometer verbrauchen – macht in Anbetracht der nicht gerade üppigen, nutzbaren 45 kWh im Akku eine Reichweite von rund 240 Kilometern; im Idealfall spricht Mercedes von bis zu 282 Kilometern. In der Tat lässt sich der WLTP-Verbrauch bei gemütlicher Fahrweise unterbieten: Nach unserer ersten Runde bescheinigte der Bordcomputer einen Durst von 15 kWh/100 km – allerdings auf schwedischen Landstraßen und mit maximal 70 km/h.
Serienmäßig hat der EQT einen 22-kW-Lader an Bord, das ist vorbildlich und sorgt dafür, dass der Stromspeicher an einer entsprechenden Wallbox oder Ladesäule in zweieinhalb Stunden wieder voll ist. Schnelladen mit Gleichstrom beherrscht der EQT aber nur mit maximal 80 kW. "Klassenüblich", sagt Mercedes, doch knapp 40 Minuten, bis der Akku wieder zu 80 Prozent voll ist, können sich an der Autobahnraststätte ziehen. Negativ fällt dabei vor allem die Kombination aus verhältnismäßig langsamen Laden und kleinem Akku ins Gewicht, die den EQT nicht für längere Strecken empfiehlt. "Macht nichts", sagt Mercedes, gedacht sei der Strom-Kasten ja eher für die Familie mit urbanem Lifestyle. Dass mag durchaus stimmen, doch wer mindestens 49.000 Euro für ein Auto ausgibt, will damit sicher auch mal weiter wegfahren.

Erstaunlich: Kein komplett geschlossener Kühlergrill für die E-Version. Hinter dem Stern wird geladen.
Bild: Mercedes
Apropos Fahren: Hier gibt’s nichts zu meckern, der 122 PS starke Elektro-Antrieb ist tatsächlich die angenehmste Art, T-Klasse zu fahren. Die 245 Newtonmeter schieben den rund 1,9 Tonnen schweren EQT geschmeidig an und wirken harmonischer als jeder Benziner oder Diesel. Dazu kommt: Der schwere Akku im Bauch tut auch hier dem Fahrwerk gut, der EQT federt komfortabel über Unebenheiten hinweg. Sportliche Talente braucht dagegen keiner zu erwarten: Kurven nimmt der EQT lieber gemütlich und bei 132 km/h ist Schluss. Aber die Kundschaft ist ja ohnehin nur in der Stadt unterwegs…
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