Bevor Sie jetzt gleich pikiert die Nase rümpfen und sich echauf­fieren darüber, dass sich Ihre Majestät Bentley Flying Spur der Zweite hier mit einem daherge­laufenen Achtzylinder messen las­sen muss, drei Dinge zu unserer Entschuldigung. Erstens: Der S 65 AMG, der mit seinem Zwölfzylin­der-Doppelturbo und den 630 PS nominell der würdigere Gegner ge­wesen wäre, weilt derzeit noch zu Präsentationszwecken in den USA, konnte es daher so kurzfristig nicht einrichten, bedauert diesen Um­stand aber natürlich zutiefst. Zwei­tens machen wir uns schon im Du­ell mit dem 63er größere Sorgen um die Chancen des Flying Spur.
Mercedes S 63 AMG L 4Matic
S 63 AMG L 4Matic: Akustik, Kurvenverhalten und Motorcharakteristik atmen einen Hauch von Sport.
Bild: Lena Barthelmeß
Der leistet mit 625 PS nun zwar schon von Haus aus mehr als sein Vorgän­ger als Speed, wiegt das motorische Übergewicht aber nach wie vor durch ein körperliches wieder auf. Obendrein ist der Traktionsvor­teil, der schon so manchen Bentley in Schlagdistanz zu AMG-Modellen brachte, inzwischen dahin. Nicht dass sie ihm auf einmal zwei An­triebswellen amputiert hätten, nein, vielmehr hat man bei Mercedes end­lich eingesehen, dass die Kund­schaft eine AMG-S-Klasse nicht nur bei optimalen Wetterbedingungen auskosten will. Als 4Matic ordern lässt sich jedoch ausschließlich die radstandsverlängerte L-Version des S 63 AMG, was unsere dritte Ent­schuldigung dafür ist, dass ebenje­ner hier zum Vergleich antritt.
Bentley Flying Spur
Der Bentley glamourt mehr, ist traditioneller möbliert, stellenweise aber schlicht altmodisch.
Bild: Lena Barthelmeß
600 Neuteile zählt Bentley allein im Innenraum, dennoch ist das Heckdesign das Einzige, was einem am Flying Spur "all new" vorkommt. Noch immer sitzt man über den Dingen, noch im­mer zieht sich der W12 nach einem kurzen Begrüßungsschnauben akustisch weitgehend zurück, noch immer ragen die Schaltpaddles wie Antennen aus der Lenksäule hervor, und noch immer spricht das Gaspe­dal auf den ersten Millimetern ein bisschen schüchtern an. Bei Kick­down hingegen beschleicht einen das Gefühl, soeben einen Staudamm gesprengt zu haben. Wie der Vergleich der Upperclass am Ende ausgeht, erfahren sie in der Bildergalerie.

Fazit

von Stefan Helmreich
Die eingeschränkte Querdyna­mik und der abgehobene Preis des Bentley sind weniger Einschrän­kung als vielmehr gewünscht. Wirklich ins Gewicht fällt somit nur Alltägliches wie das ruppige Ab­rollen und der absurde Verbrauch. Eine Nieder­lage? Nein, Platz zwei hinter dem derzeit wohl besten Auto der Welt.