Mercedes S 63 AMG L/Bentley Flying Spur: Vergleich
Duell der automobilen Upperclass
Als W222 holt sich die S-Klasse nicht nur die Krone des deutschen Automobilbaus zurück. Mit dem 585 PS starken V8 des S 63 entmachtet sie nun sogar die angelsächsische Zwölfzylinder-Monarchie.
Stefan Helmreich
Bevor Sie jetzt gleich pikiert die Nase rümpfen und sich echauffieren darüber, dass sich Ihre Majestät BentleyFlying Spur der Zweite hier mit einem dahergelaufenen Achtzylinder messen lassen muss, drei Dinge zu unserer Entschuldigung. Erstens: Der S 65 AMG, der mit seinem Zwölfzylinder-Doppelturbo und den 630 PS nominell der würdigere Gegner gewesen wäre, weilt derzeit noch zu Präsentationszwecken in den USA, konnte es daher so kurzfristig nicht einrichten, bedauert diesen Umstand aber natürlich zutiefst. Zweitens machen wir uns schon im Duell mit dem 63er größere Sorgen um die Chancen des Flying Spur.
S 63 AMG L 4Matic: Akustik, Kurvenverhalten und Motorcharakteristik atmen einen Hauch von Sport.
Bild: Lena Barthelmeß
Der leistet mit 625 PS nun zwar schon von Haus aus mehr als sein Vorgänger als Speed, wiegt das motorische Übergewicht aber nach wie vor durch ein körperliches wieder auf. Obendrein ist der Traktionsvorteil, der schon so manchen Bentley in Schlagdistanz zu AMG-Modellen brachte, inzwischen dahin. Nicht dass sie ihm auf einmal zwei Antriebswellen amputiert hätten, nein, vielmehr hat man bei Mercedes endlich eingesehen, dass die Kundschaft eine AMG-S-Klasse nicht nur bei optimalen Wetterbedingungen auskosten will. Als 4Matic ordern lässt sich jedoch ausschließlich die radstandsverlängerte L-Version des S 63 AMG, was unsere dritte Entschuldigung dafür ist, dass ebenjener hier zum Vergleich antritt.
Der Bentley glamourt mehr, ist traditioneller möbliert, stellenweise aber schlicht altmodisch.
Bild: Lena Barthelmeß
600 Neuteile zählt Bentley allein im Innenraum, dennoch ist das Heckdesign das Einzige, was einem am Flying Spur "all new" vorkommt. Noch immer sitzt man über den Dingen, noch immer zieht sich der W12 nach einem kurzen Begrüßungsschnauben akustisch weitgehend zurück, noch immer ragen die Schaltpaddles wie Antennen aus der Lenksäule hervor, und noch immer spricht das Gaspedal auf den ersten Millimetern ein bisschen schüchtern an. Bei Kickdown hingegen beschleicht einen das Gefühl, soeben einen Staudamm gesprengt zu haben. Wie der Vergleich der Upperclass am Ende ausgeht, erfahren sie in der Bildergalerie.
Fazit
von Stefan Helmreich
Die eingeschränkte Querdynamik und der abgehobene Preis des Bentley sind weniger Einschränkung als vielmehr gewünscht. Wirklich ins Gewicht fällt somit nur Alltägliches wie das ruppige Abrollen und der absurde Verbrauch. Eine Niederlage? Nein, Platz zwei hinter dem derzeit wohl besten Auto der Welt.