Mercedes S 63 AMG W 220: Auktion
Diese AMG-S-Klasse gibt es nur 70 Mal
Die Zahl 63 hat bei AMG Tradition. Für viele Fans ist der legendäre V8-Sauger mit dem Kürzel M 156 der AMG-Motor schlechthin. Dass es sich hierbei streng genommen nicht um einen 6,3-Liter-, sondern einen 6,2-Liter-V8 handelt, ist dabei Nebensache. Dass es jedoch viele Jahre zuvor einen "echten" 6,3-Liter-Motor von AMG gab, wissen nur wenige!
Die Rede ist vom M 137 E 63: Ein V12-Sauger mit 6258 cm³ und 444 PS sowie einem maximalen Drehmoment von 620 Nm. Dass dieses Kraftaggregat so unbekannt ist, liegt daran, dass es nur für einen kurzen Zeitraum erhältlich war. Verbaut wurde der Motor unter anderem im Mercedes CL der Baureihe C 215 sowie in der S-Klasse W 220. In beiden Fällen gab es jedoch eine Hürde, denn das einstige Topmodell tauchte in keiner Preisliste auf und war dementsprechend nicht einfach bestellbar.

Mutmaßlich waren alle Exemplare des S 63 Langversionen. Heutzutage ist der S 63 der Generation W 220 einer der seltensten AMG überhaupt.
Bild: rmsothebys.com
Der Mercedes S 63 AMG W 220 war ein Sondermodell, das exklusiv an VIP-Kunden, königliche Familien und Staatsoberhäupter verkauft wurde. In der kurzen Bauzeit sollen vom S 63 nur rund 70 Exemplare (alle als Langversion) gebaut worden sein, was daran lag, dass er nur im Jahr 2002 und auch nur für rund einen Monat bestellbar war. Angesichts knapp 500.000 verkaufter S-Klassen der Generation W 220 zwischen 1998 und 2005 ist der nur 70 Mal gebaute S 63 extrem rar.
Über 130.000 Kilometer auf dem Tacho
Daher ist es die absolute Ausnahme, dass eines dieser Sammlerstücke offiziell angeboten wird. Beim renommierten Auktionshaus RM Sothebys ist jedoch genau das der Fall. Im Rahmen der "Shift Online: Europe and Middle East"-Auktion wird ein originaler Mercedes S 63 AMG versteigert. Das silberne Exemplar wurde im Juni 2002 nach Japan ausgeliefert, ist mittlerweile aber in den Vereinigten Arabischen Emiraten angelangt.
Auf dem Tacho stehen 136.208 Kilometer, was bedeutet, dass der seltene AMG von seinen Vorbesitzern ordentlich gefahren wurde. Leider wird in der Auktionsbeschreibung nichts zur Service-Historie oder der Anzahl der Vorbesitzer gesagt. Auf den Fotos macht der AMG jedoch einen gepflegten und vor allem unverbastelten Eindruck.

Ein seltener Anblick: Der "echte" 6,3-Liter-Motor von AMG ist kein V8, sondern ein gewaltiger V12 mit 444 PS und 620 Nm. Das Aggregat wurde ebenfalls im CL der Baureihe C 215 angeboten.
Bild: rmsothebys.com
Ohne den Schriftzug am Heck könnte der S 63 auch als gewöhnlicher S 55 AMG Vormopf durchgehen, denn trotz des riesigen V12 unter der Haube setzte AMG damals auf eine sehr dezente Abgasanlage mit zwei ovalen Endrohren. Der Vierrohrauspuff wurde erst mit dem S 55 AMG Facelift (ab September 2002) mit V8-Kompressor eingeführt und später auch vom Topmodell S 65 AMG übernommen.

Die Ausstattung ist sehr gut, eben typisch S-Klasse. Zu den Highlights zählen Klapptische im Fond, beheizte und belüftete Sitze mit Memory-Funktion und ein Alcantara-Dachhimmel.
Bild: rmsothebys.com
Dass wir hier von einem V12-Modell sprechen, wird nicht nur beim Blick unter die Haube, sondern auch beim Öffnen der Tür deutlich, denn der S 63 verfügt über Einstiegsleisten mit V12-Gravur. Der Rest des Innenraums entspricht weitestgehend der Großserie. Ausnahme: Für das ehemalige Topmodell gab es einen 320 km/h-Tacho. Das nachgerüstete Navi stammt mutmaßlich noch aus der Ursprungszeit in Japan.
So hoch ist der Schätzpreis
Bleibt zu guter Letzt nur noch die Frage nach dem Preis, der laut RM Sothebys auf umgerechnet 90.000 bis 145.000 Euro (100.000 bis 160.000 US-Dollar) geschätzt wird. Einen Vergleichspreis zu finden, ist schwierig, aber nicht unmöglich. Interessanterweise wurde im Jahr 2019 ein solcher S 63 AMG mit nur 55.000 Kilometern in Deutschland für nur 29.500 Euro angeboten, was ein absoluter Schnäppchenpreis gewesen zu sein scheint.
Aktuell ist ein weiterer (oder womöglich sogar derselbe) S 63 AMG inseriert – der jetzt jedoch 179.000 Euro kosten soll. Sollte es sich hierbei um dasselbe Auto handeln, so wurden in sechs Jahren mal eben 150.000 Euro draufgeschlagen. Angesichts dieses utopischen Preises scheint das von RM Sothebys angebotene Exemplar sogar halbwegs fair eingepreist.
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