VW Golf VII ohne Killer-Kältemittel R1234yf

Mercedes verbannt Killer-Kältemittel

R1234yf vor dem Aus!

Daimler zieht die Reißleine. Nach den Enthüllungen von AUTO BILD kommt das neue Kältemittel R1234yf nun doch in keinem Mercedes zum Einsatz. Ein schwerer Schlag für die Lobby des Kältemittels.
Sensationelle Wende beim Killer-Kältemittel: Mercedes wird R1234yf auch in Zukunft nicht in seinen Autos einsetzen. Versuche mit mehreren aktuellen Modellen ergaben: Das neue Kältemittel ist brandgefährlich! AUTO BILD hatte solche Tests seit Langem gefordert. Nun wies Daimler nach, dass R1234yf einen Brand auslösen kann, wenn es unter praxisnahen Bedingungen auf heiße Motorteile wie Abgaskrümmer oder Turbolader gelangt. Dabei entsteht hochgiftiger und ätzender Fluorwasserstoff. "Das können wir unseren Kunden nicht zumuten", so ein Daimler-Sprecher.

VW Golf VII ohne Killer-Kältemittel R1234yf

Retter in Angst: Feuerwehr fordert Verbot von R1234yf

Video: Killer-Kältemittel

Achtung, Lebensgefahr!

Mit der Entscheidung gegen R1234yf setzt sich Daimler als erster Hersteller von der Linie des Verbands der Automobilindustrie (VDA) ab. Der VDA hatte 2010 entschieden, R1234yf zukünftig als Ersatzstoff für das klimaschädliche Kältemittel R134a zu nutzen. Eine umstrittene Entscheidung, denn Experten warnten schon vorher vor möglichen katastrophalen Folgen bei Unfällen. AUTO BILD berichtete weiter kritisch über das neue Kältemittel. Denn der einzige Nachweis für die angebliche Ungefährlichkeit von R1234yf ist bis heute eine theoretische Risikoanalyse des amerikanischen Ingenieurverbands SAE, überprüft vom TÜV Süd. Fachleute forderten praktische Tests – doch die Autoindustrie kniff. Versuche führten die Bundesanstalt für Materialprüfung (BAM) und die Deutsche Umwelthilfe durch. Ergebnis: R1234yf kann sich beim Unfall entzünden und dabei Fluorwasserstoff in tödlicher Konzentration freisetzen.

Was ist das Kältemittel HFO-1234yf?

HFO-1234yf

HFO-1234yf (2,3,3,3 Tetrafluorpropen) wird als Nachfolger des Kältemittels R134a in Auto-Klimaanlagen eingesetzt. Der Vorteil von HFO-1234yf: Es hat ein geringeres Treibhauspotenzial.

Global Warming Potential

Das Global Warming Potential (GWP) oder auch Treibhauspotenzial gibt an, wie stark ein Gas zum Treibhauseffekt beiträgt. Das GWP von R134a beträgt 1300, das von HFO-1234yf liegt bei 4. Seit Anfang 2011 dürfen in Neuwagen nur noch Kältemittel mit einem GWP kleiner als 150 eingesetzt werden.

Universität von Ohio

HFO-1234yf wurde 1946 an der Universität von Ohio erstmals synthetisiert. Die Einzelsubstanz galt bis vor wenigen Jahren wegen ihrer Reaktivität als ungeeignet für Pkw-Klimaanlagen.

Patente

Die meisten Patente für HFO-1234yf liegen bei den US-Chemiekonzernen Honeywell und Dupont, die zurzeit gemeinsam in China eine Fabrik errichten. Diese wird ab dem vierten Quartal 2012 große Mengen des neuen Kältemittels herstellen – gut ein Jahr später als ursprünglich geplant.

Alternativen

Mögliche Alternativen zu HFO-1234yf sind CO2 (R744), Propan (R290) und Butan (R600).

R1234yf: EU fordert weitere Tierversuche

In einem spektakulären Experiment für AUTO BILD zeigte der Münchner Chemieprofessor Andreas Kornath die furchtbare Wirkung von Fluorwasserstoff an einem Schweinekopf vom Metzger (AUTO BILD 36/2011). Die späte Einsicht über das Risiko von R1234yf hat auch politische Konsequenzen. Um das alte Mittel R134a weiter nutzen zu können, bedarf es einer EU-Gesetzesänderung. Was die Abkehr eines wichtigen Herstellers vom Killer-Kältemittel für die Branche bedeutet, ist derzeit nicht absehbar. Vom VDA lag bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme vor. Kaum denkbar, dass die Konkurrenz Daimlers Sicherheitsbedenken ignoriert. AUTO BILD berichtet weiter.

Autor: Frank Rosin

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