MG4 Electric und VW ID.3 im Vergleichstest
Wer elektrisiert die Massen – MG4 Electric oder VW ID.3?
Zwei kleine Stromer im Vergleich
–
Es braucht elektrische Volks-Wagen! So wie VW ID.3 und MG4. Der AUTO BILD-Vergleich zeigt, welcher von beiden wirklich überzeugt.
Bild: AUTO BILD
Trotz faszinierender elektrischer Mega-SUV mit den Fahrleistungen eines Warp-Antriebs findet die Mobilitätswende weiter unten statt. Zum Beispiel mit dem vor Kurzem gelifteten VW ID.3 oder dem noch jungen MG4. Wir haben die beiden Einstiegs-Elektroautos zum Vergleich gebeten. In Format, Leistung und Grundpreis sind sich beide tatsächlich ähnlich, wir finden die Unterschiede.
Mit 4,29 Metern macht sich der MG4 drei Zentimeter länger als der ID.3 – in der Seitenansicht wird aber klar, dass vor allem der vordere Überhang des Chinesen größer ausfällt. Im Innenraum bringt das keinen Vorteil. Vorn finden wir also bei beiden sehr ordentliche Platzverhältnisse, sitzen auch große Piloten entspannt.
Wobei die VW-Besatzung noch einen Tick zufriedener grinst, weil sie die besseren Polster unterm Po spürt. Die sogenannten ergoActive-Sitze (ab 2495 Euro im Paket) bieten eine ausziehbare Oberschenkelauflage, stützen im Schulterbereich aktiver. Das MG-Gestühl fällt dagegen eine Spur zu klein und zu schwach gepolstert aus.
Im ID.3 sitzt man hinten besser
In der zweiten Reihe herrscht in Sachen Sitzkomfort dann Gleichstand. Die Auflagen dürften ruhig länger sein, Freunde steigen nach dem gemeinsamen Kinobesuch aber auch als solche wieder aus.

Bequemer: Sieben Zentimeter mehr Radstand bringen im ID.3 mehr Platz im Fond. Im MG4 wird's vor den Knien schneller knapp.
Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Bei einem Wochenendtrip droht im MG aber schneller schlechte Stimmung als im ID.3. Mit 2,77 Metern bietet der VW nämlich fast sieben Zentimeter mehr Radstand, ragt außerdem vier Zentimeter höher auf. Und das ist zu spüren. Vor den Knien und über dem Kopf offeriert der Wolfsburger jeweils drei Zentimeter mehr Luft – obwohl das verbaute Panoramadach (3315 Euro im Paket) die Innenhöhe noch reduziert.
Beim Kofferraum liegt der MG4 hinten
Diskussionen könnte es auch beim Gepäck geben. Der VW schluckt zwischen 35 und 102 Liter mehr, der doppelte Ladeboden lässt sich anders als im MG in der Höhe verstellen. Allerdings müssen Kisten und Koffer beim ID.3 sechs Zentimeter höher eingeladen werden. Und beide verzichten auf einen Kofferraum vorn (Frunk) – da wäre das Ladekabel besser untergebracht als unterm Kofferraumboden.

Größer: Der VW-Kofferraum schluckt mehr Gepäck als der des MG. Allerdings ist die Ladekante des Wolfsburgers sechs Zentimeter höher.
Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Bei den Themen Connectivity und Infotainment fährt der MG eine halbe Generation hinter dem VW. Die schnellsten Systeme bieten beide nicht. Und beide kommen ohne Startknopf aus, weil sie über Sitzbelegung und Bremspedalkontakt die Fahrbereitschaft herstellen (VW hat trotzdem noch einen Button an der Lenksäule). Ansonsten versteht der ID.3 einfach mehr, die Ansage "Ich habe Hunger" führt nur beim VW zu einer Liste nahe gelegener Restaurants.
Fahrzeugdaten
Modell | MG4 Electric (64 kWh) | VW ID.3 |
|---|---|---|
Motor Bauart | Synchronelektromotor | Synchronelektromotor |
Einbaulage | hinten | hinten |
Spitzenleistung | 150 kW (204 PS) | 150 kW (204 PS) |
Dauerleistung | 68 kW (92 PS) | 70 kW (95 PS) |
maximales Drehmoment | 250 Nm | 310 Nm |
Vmax | 160 km/h | 160 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Hinterradantrieb | Hinterradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Trommel |
Testwagenbereifung | 235/45 R 18 W | 215/45 R 20 T |
Reifentyp | Bridgestone Turanza T005 EV | Bridgestone Turanza Eco |
Reichweite* | 435 km | 411 km |
Verbrauch* | 16,6 kWh | 15,9 kWh |
Batterieart | Lithium-Ionen | Lithium-Ionen |
Batteriekapazität brutto/netto | 64/ca. 62 kWh | 62/58 kWh |
Ladeleistung AC/DC | bis 11/140 kW | bis 11/120 kW |
Ladezeit (DC-Ladung) | 26 Minuten (10-80 %) | 35 Minuten (5-80 %) |
Ladeanschluss | hinten links | hinten rechts |
Fach unter Frontklappe | - | - |
Vorbeifahrgeräusch | 66 dB(A) | 67 dB(A) |
Anhängelast gebremst/ungebremst | 500/500 kg | –/– |
Stützlast | 50 kg | – |
Kofferraumvolumen | 350–1165 l | 385–1267 l |
Länge/Breite/Höhe | 4287/1836–1836**/1516 mm | 4264/1809–2070**/1556 mm |
Radstand | 2705 mm | 2771 mm |
Grundpreis | 39.990 Euro | 39.995 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 41.990 Euro | 51.735 Euro |
Connectivity-Kapitel geht an VW
Die Kartendarstellung des Navis fällt bei beiden eher einfach aus, im Instrumentendisplay gibt's nur Pfeile, der MG punktet hier aber mit der Anzeige von Störungen und freien Strecken – VW zeigt nur Staus.

Umfangreicher: Das Infotainment des ID.3 bietet einen Shop mit zahlreichen Apps. Mobiltelefone lassen sich kabellos spiegeln.
Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Dafür ist die Ausstattung des Wolfsburgers umfangreicher. Er bietet einen Shop mit zahlreichen Apps von Spotify bis zu Spielen, im MG gibt es hauptsächlich eine Wetter-App. Und im ID.3 stehen vier USB-C-Buchsen zur Verfügung, Apple CarPlay und Android Auto funktionieren zudem kabellos. Der MG4 bietet zwei USB-C-Anschlüsse sowie einen USB-A-Anschluss, fürs Spiegeln des Smartphones muss ein Kabel her.
Schauen wir uns in den Kabinen genauer um, gefallen beide mit solider Montage. Auch die Materialanmutung stimmt soweit, beim stärker klappernden MG rutscht sie außerhalb des Sichtbereichs allerdings leicht unter das VW-Niveau.
Kein Drama. Das stellt sich jedoch beim Schulterblick ein. Ist der ID.3 schon kein Muster an Übersichtlichkeit, lohnt sich das Drehen des Kopfes im Chinesen so gut wie gar nicht. Die gewaltigen C-Säulen, ein auffallend flaches Heckfenster und die drei voll im Bild stehenden Kopfstützen verstellen die Sicht. Pfiffiges Trostpflaster: Wer blinkt, erhält auf dem Zentralbildschirm ein Kamerabild von der Verkehrslage neben sich.
Reichweite ist im ID.3 etwas geringer
Mit 204 PS sind beide gut motorisiert, gehen in rund acht Sekunden auf Tempo 100, bei 160 km/h ist Feierabend. Okay, der Reichweite zuliebe sei das akzeptiert, der 112 Kilogramm leichtere MG schafft mit dem minimal größeren Akku 385 Kilometer, der ID.3 muss alle 358 Kilometer an die Ladesäule.
Könnte besser sein. Vor allem, wenn stärker rekuperiert würde. Echtes One-Pedal-Drive bietet VW nicht, belässt es bei einem B-Modus und rekuperiert mit aktivem ACC adaptiv, MG sammelt Strom in vier Stufen (schwach, mittel, stark, adaptiv).

Weiter: Eine Akkuladung reicht im ID.3 für 358, im MG4 für 385 Kilometer. Allerdings hat der Chinese auch den minimal größeren Akku an Bord.
Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Bei den Assistenzsystemen liegt der MG zurück. Der Spurhalter im China-E-Auto wirkt teils nervös, ist auf ausgebesserten Straßen mit unterschiedlichen Belägen oft irritiert. Die Tempolimits werden zudem nicht immer richtig erfasst, automatisch übernommen werden sie ohnehin nur im VW.
Messwerte
Modell | MG4 Electric (64 kWh) | VW ID.3 |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0–50 km/h | 3,6 s | 3,0 s |
0–100 km/h | 8,0 s | 7,6 s |
0–130 km/h | 13,3 s | 12,5 s |
0–160 km/h | 22,0 s | 20,9 s |
Zwischenspurt | ||
60–100 km/h | 3,7 s | 3,9 s |
80–120 km/h | 5,3 s | 5,2 s |
Leergewicht/Zuladung | 1720/403 kg | 1832/438 kg |
Gewichtsverteilung vorn/hinten | 50/50 % | 50/50 % |
Wendekreis links/rechts | 11,0/10,9 m | 10,6/10,6 m |
Sitzhöhe | 590 mm | 600 mm |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h kalt | 34,5 m | 35,2 m |
aus 100 km/h warm | 33,9 m | 33,5 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 57 dB(A) | 54 dB(A) |
bei 100 km/h | 63 dB(A) | 62 dB(A) |
bei 130 km/h | 67 dB(A) | 67 dB(A) |
bei 160 km/h | 70 dB(A) | 70 dB(A) |
Verbrauch | ||
Sparverbrauch | 12,1 kWh/100 km | 12,7 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 17,0 kWh/100 km (+2 %) | 17,6 kWh/100 km (+11 %) |
Sportverbrauch | 22,7 kWh/100 km | 21,4 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km | 0 g/km |
Reichweite | 385 km | 358 km |
Auf schlechten Pisten gefallen beide mit hohem Komfort – der VW federt trotz 20-Zoll-Rädern noch geschmeidiger als der straffe MG. Bei dem stört zudem eine sehr synthetisch wirkende Lenkung, der VW bietet bessere Rückmeldung.
MG ist fast 10.000 Euro günstiger
Der annähernd gleiche Grundpreis von knapp 40.000 Euro täuscht – im Testtrimm ist der MG fast 10.000 Euro günstiger. Zudem bietet er sieben Jahre Garantie, VW nur zwei. Ein besseres Ergebnis im Kostenkapitel verspielen die Chinesen aber mit jährlicher Wartung, teurer Versicherung und hohem Wertverlust. Da wäre mehr drin gewesen – große Anerkennung gebührt aber beiden Elektrominis.
Fazit
So lassen wir uns Elektromobilität gefallen, die Richtung stimmt. Der VW überzeugt als rundes Gesamtpaket, holt sich so verdient den Sieg. Der MG4 empfiehlt sich aber als echte Alternative, die nur zu geringen Kompromissen zwingt und die Anschaffung dafür deutlich leichter macht. Beide dürfen auf jeden Fall als attraktive Bereicherung der Elektroszene gelten.
Service-Links





































