Mia Electric: das Auto meines Lebens
Mia, mon Amour – dieses E-Auto war seiner Zeit voraus!
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Sie war jung, sie war frech, und sie war Französin – Mia Electric, meine automobile Amour fou. Hauke Schrieber über das Auto seines Lebens!
Zum ersten Mal sehe ich sie in Frankreich. Im Land der Liebe, wo sonst? Es ist ein warmer Herbsttag im Jahre 2010. Ich bin schon 40, und Mia ist meine Lolita. Eigentlich viel zu jung, um sie zu lieben. Zu klein, zu zierlich, aber so verführerisch.
Ich rieche die salzige Luft des Atlantiks, als ich Mia dort stehen sehe. In unschuldigem Weiß gekleidet, schwarze Lidschatten, und ich halte mich mit meiner Verzückung zurück, schließlich sind ihre Eltern dabei. Ihr Erfinder Patrick und ihr Designer Murat.

Der Zeit voraus: Das Konzept Mia ergibt heute noch mehr Sinn als vor zehn Jahren.
Bild: Christian Bittmann
Doch die zwei stupsen mich an, sagen: Geh hin, guck sie dir an. Und ich denke: Hallo, kleine Mia. Und dann setze ich mich zu ihr, rolle los, langsam, aber lautlos, und das ist der Tag, als ich mich in Mia verliebe.
22 PS – mehr Leistung braucht keine Auto-Liebe
Mia, du bist Avantgarde. Deiner Zeit voraus. Ich sitze in der Mitte, rechts und links hinter mir Platz für zwei Passagiere. Aber ich bin allein mit Mia. Nur du und ich und 22 PS – mehr Leistung braucht keine Auto-Liebe. Das war schon früher so. So eine wie du gehört auf jeden Boulevard. Champs-Élysées, Königsallee, Jungfernstieg. Aber ach! Alles soll immer größer, stärker, angeberischer werden.

Mittig sitzen: Meine Mia verströmt einen Hauch von McLaren F1.
Bild: Christoph Börries
Die Mia ist schon 2010 eine Madame der Mobilitätswende. Smarter als Smart. Das wahre Apple Car, sagen einige. Aber dafür kannst du objektiv zu wenig. Du bist ein Elektroauto der ersten Generation. Mit allen Schwächen. Zu wenig Reichweite, zu lange Ladezeit, zu teuer.

Beziehungskiste: Der Autor und seine Mia vor zehn Jahren an einer Ladestation.
Bild: Christian Bittmann
Mich stört das alles nicht. Ganz im Gegenteil. Meine Mia ist die Entschleunigung auf vier kleinen Rädern, das FFF-Mobil zu einer Zeit, als Greta auch freitags noch brav in die Schule ging. Als ich zum ersten Mal mit dir in Frankreich unterwegs bin, nur du und ich, nenne ich dich "meine kleine Außenseiterin".
Kein ESP, kein Leder, keine Extravaganzen
Du bringst mich ins Schwitzen, auch weil du noch keine Klimaanlage besitzt. Und kein ESP, kein Leder, keine Extravaganzen. Ein Freund sagt, du siehst aus wie ein VW-Bus in Kindergröße. Wie blind kann der sein! Oder macht Liebe blind?

Hamburg, 2023: In meiner Straße steht ein Sondermodell "Mia mi Amore".
Bild: Hauke Schrieber
Schon bei Tempo 50 muss ich dich fast anschreien, weil du dann eben doch nicht so lautlos bist, wie ich dachte. Aber wahre Liebe liebt die kleinen Makel. 10.000 Stück pro Jahr wollte dein Hersteller Heuliez ab 2012 bauen; keine 1600 waren es am Ende insgesamt.

Mia and the City: klein, sauber und leise. Wäre doch nur schon Sommer!
Bild: Christoph Börries
Ich verlor dich aus meinen Augen. Und dann standest du plötzlich einfach da. In meiner Straße, in die Jahre gekommen, aber modern. Wenn ich aus meiner Dachgeschosswohnung schaue, sehe ich dich. Meine Mia, mon Amour.
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