(dpa/cj) Die großen Ölkonzerne haben dank der hohen Preise für Rohöl und Erdgas im zweiten Quartal des Jahres 2011 kräftig verdient. Weltmarktprimus ExxonMobil ("Esso") baute seinen Gewinn um 41 Prozent auf 10,7 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 7,5 Milliarden Euro) aus, Europas Branchenführer Shell verdoppelte seinen Gewinn nahezu auf 8,7 Milliarden Dollar (knapp sechs Milliarden Euro). Die norwegische Statoil konnte ihren Überschuss sogar auf 27,1 Milliarden Kronen (3,5 Mrd Euro) verneunfachen. Auch BP konnte ein Jahr nach der Katastrophe im Golf von Mexiko mit 5,7 Milliarden Doller wieder in die Gewinnzone zurückkehren. Beim spanischen Ölkonzern Repsol verhagelten allerdings Probleme in Argentinien und der Libyen-Konflikt die Bilanz: Der Gewinn sank um elf Prozent auf 579 Millionen Euro.
Preisanzeige an Tankstellen
Keine Bewegung: Trotz der Gewinne der Ölkonzerne bleiben die Benzinpreise an den Tankstellen gesalzen.
Bild: Oliver Berg
Deutschlands Autofahrer profitieren indes nicht von den prall gefüllten Kassen der Ölmultis. Laut ADAC kostete ein Liter Super E10 Ende der Woche im bundesweiten Durchschnitt 1,574 Euro. Das bedeutet gegenüber der Vorwoche einen Rückgang von 0,1 Cent gegenüber der Vorwoche. Der Liter Diesel lag bei durchschnittlich 1,447 Euro, ein Plus von 0,2 Cent. Der Grund: Nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) sind Förderung von Öl und Erdgas sowie die Verbreitung und Vermarktung von Raffinerieprodukten strikt getrennte Bereiche. "Ein Teil des Unternehmens beschafft den Rohstoff und handelt ihn am Weltmarkt, der andere verarbeitet ihn", sagte MWV-Sprecherin Karin Retzlaff dem "Hamburger Abendblatt".
Auch wenn es für Autofahrer nur ein schwacher Trost ist: Eine "Gewinnausschüttung" in Form von Senkung des Spritpreises durch die großen Konzerne ist nicht nur per deutschem Kartellrecht verboten, sie hätte auch negative Auswirkungen auf den Markt. "Wenn die multinationalen Konzerne ihre eigenen Tankstellen mit billigem Benzin quasi subventioniern würde, wären die freien Tankstellen in Windeseile aus dem Markt gedrängt", sagte Axel Graf Bülow vom Bundesverband Freier Tankstellen im "Abendblatt". Im Mai 2011 hatte das Kartellamt Ergebnisse einer Langzeitstudie präsentiert, wonach die fünf großen Ölmultis zwar keine Preisabsprachen treffen, aber ohne Worte für ein höheres Preisniveau als nötig sorgen.

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