Mini-Blitze im Regen! So können Wassertropfen dem Autolack schaden
Forscher decken auf: So schadet einfacher Regen dem Auto

Regen ist schlecht für den Autolack? Offenbar noch mehr als gedacht! Forscher des Max-Planck-Instituts haben entdeckt, dass sich Wassertropfen elektrisch aufladen können.
Bild: dpa
Regen kann ein Auto eigentlich ab. Doch ausgerechnet ein paar harmlose Wassertropfen können offenbar mehr anrichten als gedacht.
Forscher des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung in Mainz haben einen überraschenden Effekt entdeckt: Wassertropfen können sich elektrisch aufladen und beim Auftreffen auf eine Schutzschicht winzige Entladungen erzeugen.
Im Extremfall durchschlagen diese die Beschichtung punktuell. Die Forscher vergleichen den Vorgang sogar mit einem kleinen Blitz.
Tausende Volt im Regentropfen
Für ihre Studie ließen die Wissenschaftler 35 Mikroliter große Tropfen über verschiedene Oberflächen rollen – etwa Pflanzenblätter, Kunststoff oder Glas. Dabei passierte etwas Erstaunliches: Durch eine Art Reibungselektrizität luden sich die Tropfen auf.

Geladene Wassertropfen können Schutzschichten punktuell durchschlagen.
Bild: dpa
Je nach Untergrund erreichten sie zwischen 0,2 und zwei Nanocoulomb. Hinter diesen unscheinbaren Zahlen können bei einem Regentropfen elektrische Potenziale von mehreren Tausend Volt stecken.
Dann kam der Härtetest: Die Forscher ließen jeweils 3000 Tropfen auf eine Kupferplatte mit hauchdünner Teflon-Beschichtung fallen.
Nach 3000 Tropfen war die Schutzschicht durch
Unter dem Rasterelektronenmikroskop wurde sichtbar, was das bloße Auge nicht sehen konnte: Die zuvor elektrisch aufgeladenen Tropfen hatten winzige Krater in die Beschichtung geschlagen. Teilweise reichten die Schäden durch die komplette Schutzschicht bis zum Metall. Und genau da wird es unangenehm: Ist das Metall erst freigelegt, kann Korrosion beginnen.
Der entscheidende Gegenversuch: Fielen die Tropfen direkt auf die Beschichtung, ohne sich vorher elektrisch aufzuladen, blieb sie selbst nach 3000 Treffern intakt.
Was heißt das für den Autolack?
Muss das Auto jetzt unters Dach? Nein. Die Forscher haben nicht gezeigt, dass der nächste Regenschauer sichtbare Löcher in den Lack Ihres Autos brennt. Untersucht wurden spezielle Beschichtungen unter Laborbedingungen.
Doch die Entdeckung könnte für künftige Autolacke durchaus wichtig sein. Denn solche geladenen Wassertropfen können auch in der Natur entstehen – beispielsweise in Wolken, an Wasserfällen oder wenn Wasser über wasserabweisende Oberflächen gleitet.
Bislang mussten Schutzlacke vor allem Wasser, Salz, Säuren und anderen Umwelteinflüssen trotzen. Nun kommt womöglich ein weiterer Gegner dazu: Mini-Blitze aus Regentropfen. Und die sieht man nicht einmal kommen.
Service-Links
