Missbrauch von Kurzzeit-Kennzeichen
Kripo schlägt Alarm

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Laut Polizei werden Überführungsnummern zunehmend bei Straftaten eingesetzt – zur Verschleierung der Identität des Fahrzeughalters. Anscheinend betreiben Schilderhändler inzwischen einen schwunghaften Handel mit den Blechtafeln.
(aubi/rw) In Berlin häufen sich die Fälle des Missbrauchs von Kurzzeitkennzeichen. Laut Polizei würden einzelne Berliner Schilderhändler die Kennzeichen für Fahrten jeder Art ausgeben. Die maximal fünf Tage gültigen Kfz-Kennzeichen sind eigentlich nur für Erprobungs- oder Überführungsfahrten erlaubt. Einige der irregulären Zulassungen würden laut Polizei bei Straftaten benutzt. Deren Aufklärung werde erschwert, da bei unbefugter Schilder-Weitergabe der wahre Halter oder Fahrer oft nicht mehr zu ermitteln sei. Weil Berlin nur noch zwei Kurzzeitkennzeichen pro Person ausgibt, horten einige Schilderhändler Kennzeichen aus anderen Bundesländern, wo diese Regel noch nicht gilt. Bei zwei Personen fand die Polizei mehr als 3000 Bleche aus allen Regionen Deutschlands. Bund und Länder befürworten mittlerweile eine strengere Bedarfsprüfung. Das Innenministerium in Baden-Württemberg wies unlängst auf die Problematik hin. "Um dem beobachteten 'Kurzzeitkennzeichen-Tourismus' entgegenzuwirken, halten Bund und Länder eine strengere Bedarfsprüfung für erforderlich", heißt es in einem Schreiben. Geschehen ist bislang aber nichts.
Experten halten organisierte Kriminalität für die treibende Kraft

Bild: Hans-Joachim Mau
Massenhaft Ordnungswidrigkeiten und Straftaten in Berlin
Den Ermittlern in Berlin fiel das Phänomen zuletzt auf, weil damit massenhaft Ordnungswidrigkeiten und Straftaten begangen wurden. Letzter Fall: Ende Dezember 2008 raste ein Intensivtäter mit seinem Bruder auf der Flucht vor der Polizei in Brandenburg gegen einen Baum, beide starben. Das Fahrzeug trug ein Kurzzeitkennzeichen. Der Fahrer hatte zuvor im Oktober 2008 am Potsdamer Platz in der Berliner Innenstadt eine rote Ampel ignoriert und daraufhin einen 77-jährigen Fußgänger getötet. In einem weiteren Fall hat die Polizei unlängst einen 500er Mercedes in fünfstelligem Wert sichergestellt, dessen Fahrer nicht nachweisen konnten, wer der Eigentümer ist.
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