Mit dem Camper auf die Fähre: Diese Versicherungslücken sollten Sie kennen
Fährversicherung fürs Wohnmobil: wann sich der Extra-Schutz lohnt

Für Camper beginnt auf der Fähre ein besonderes Risiko. AUTO BILD REISEMOBIL zeigt, wann sich eine Fährversicherung lohnt und was sie leistet!
Bild: scandlines
- Jens Lehmann
Was haben Korsika, Irland und Kreta gemeinsam? Für Camper sind sie nur per Fähre erreichbar – und genau hier beginnt das Risiko. Denn auf See gelten andere Haftungsregeln als auf der Straße. Fährversicherungen sollen helfen. Doch sind sie wirklich notwendig? Und welche Schäden decken sie ab? Ein Überblick.
Wer haftet bei Fahrzeugschäden auf der Fähre?
Bei Fährüberfahrten geht die Haftung für Schäden am Reisemobil auf den Reeder über. Er steht dem Grunde nach für Kratzer oder Beulen am Fahrzeug gerade. Allerdings haftet die Fährgesellschaft nur bei nachweisbarem Verschulden und zudem nur bis zu relativ niedrigen Höchstgrenzen.
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Helfen Teil- oder Vollkasko?
Auch über Teil- und Vollkasko sind meist nicht alle Schäden abgedeckt. In der Teilkasko bestehen beispielsweise Versicherungslücken beim Verrutschen oder Umkippen des Reisemobils sowie bei Rangierschäden durch das Fährpersonal. Auch in der Vollkasko gibt es bei vielen Anbietern Haftungseinschränkungen und -ausschlüsse für Transporte auf Schiffen.
Was leisten Fährversicherungen?
Fährversicherungen decken Schäden am Fahrzeug ab, die während der gesamten Fährpassage entstehen. Sie sollen genau die Lücken schließen, die trotz Kaskoschutz und Reederhaftung bleiben. Ihre Leistungen umfassen Schäden beim Be- und Entladen, während der Überfahrt selbst, zum Beispiel durch Verrutschen oder Umkippen, unsachgemäße Sicherung des Reisemobils oder Bedienfehler des Fährpersonals, und zwar meist unabhängig davon, ob dem Reeder ein Verschulden nachgewiesen werden kann. In der Regel sind auch Schäden durch starken Seegang eingeschlossen.

Ob Finnland, Korsika, Irland oder Kreta – für Camper sind solche Reiseziele bequem per Fähre erreichbar. Doch im schlimmsten Fall kann auch einiges schiefgehen.
Bild: Finnlines
Wodurch zeichnen sich gute Fährversicherungen aus?
Gute Tarife leisten weitgehend unabhängig davon, ob Reeder, Fahrzeughalter oder Dritten ein Verschulden nachzuweisen ist. Zudem bieten sie oft eine Allgefahrendeckung, schützen also vor nahezu allen Risiken an Bord, ohne einzelne Schadenursachen abschließend aufzuzählen. Maßgeblich ist somit allein, dass ein Schaden entstanden ist. Idealerweise erstreckt sich der Schutz auch auf die Reisemobilladung und Zubehör wie die Solaranlage oder die Markise.
Zahlt die Fährversicherung auch bei einem Totalschaden?
Im Totalschadenfall, beispielsweise, wenn ein Reisemobil bei Seegang von Bord rutscht, ersetzen Fährversicherungen je nach Tarif den Wiederbeschaffungswert des Fahrzeugs abhängig von Alter, Zustand und Ausstattung, teilweise ergänzt um Transport- oder Bergungskosten. Wichtig ist eine ausreichende Deckungssumme, die dem tatsächlichen Fahrzeugwert entspricht. Zudem kann es Leistungskürzungen und -ausschlüsse bei grobem Fehlverhalten geben, zum Beispiel wenn Sicherheitsanweisungen des Bordpersonals nicht beachtet werden oder sich der Schaden außerhalb des Geltungsbereichs der Police ereignet hat. Sämtliche Einschränkungen und Ausschlüsse stehen in den Versicherungsbedingungen.
Tarife, Kosten und Abschluss: Das sollten Camper wissen
Wo kann ich eine Fährversicherung abschließen?
Fährversicherungen lassen sich entweder direkt bei der Fährgesellschaft zusammen mit dem Ticket buchen, alternativ bei einem externen Spezialversicherer. Die Policen der Reedereien sind meist günstig und bequem erhältlich, bieten jedoch häufig nur einen Basisschutz mit begrenzten Leistungen. Externe Anbieter gehen in der Regel weiter: Sie leisten oft unabhängig von der Haftungsfrage, decken ein breiteres Spektrum an Schäden ab und schließen gezielt die Lücken, die bei Transporten auf See entstehen.
Wie teuer ist eine Fährversicherung?
Die Kosten hängen vor allem vom Fahrzeugwert, dem gewählten Tarif und dem Selbstbehalt ab. Grundsätzlich gilt: je höher die Versicherungssumme und je niedriger der Selbstbehalt, desto teurer die Police. Fährversicherungen werden meist pro Überfahrt abgeschlossen. Wer während einer Reise mehrere Fährpassagen nutzt, kann stattdessen auch zeitlich befristete Policen, etwa für drei Monate, wählen. Insgesamt bleiben die Prämien jedoch überschaubar. Je nach Fahrzeugwert und Leistungsumfang bewegen sie sich gewöhnlich im zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Eurobereich.
Für wen ist der Schutz für Schiffspassagen sinnvoll?
Vor allem bei längeren und seeganganfälligen Überfahrten, etwa nach Korsika, Irland oder Kreta, ist eine Police ratsam. Denn je länger das Fahrzeug an Bord ist, desto größer ist das Risiko für Schäden durch Bewegung, Rangieren oder starken Wellengang. Auch bei hochwertigen Reisemobilen oder umfangreicher Zusatzausstattung kann sich der Schutz lohnen. Bei sehr kurzen und ruhigen Verbindungen – zum Beispiel auf der Ostsee von Puttgarden nach Rødby – ist eine Fährversicherung dagegen eher entbehrlich.
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