Steuerverwalter hassen diesen Trick: einfach Hybrid-Kleinwagen fahren – schwuppdiwupp, gerät die jährliche Abbuchung des Hauptzollamts zur Nebensache. Gerade mal 36 Euro Kfz-Steuer werden jährlich für Fahrer des Colt fällig, 30 Euro für Yaris-Halter.

Zwei Kleinwagen mit Hybridantrieb im Test

#Getestete ProduktePreis
1.
Testsieger
Mitsubishi Colt Hybrid 1.6
Mitsubishi Colt Hybrid 1.6
UVP 26.900,00 EUR
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2.
Toyota Yaris Hybrid 116
Toyota Yaris Hybrid 116
UVP 25.500,00 EUR
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Kein Wunder, schließlich berechnet sich der Betrag aus einer Formel, die den Hubraum und den angegebenen CO2-Ausstoß berücksichtigt. Aber ganz so einfach fällt die Rechnung dann doch nicht aus. Denn erstens müssen wir Ihnen kaum erzählen, dass die Kfz-Steuer wohl die kleinste aller Abgabenlasten im Autofahrerleben darstellt.

Mitsubishi und Toyota verlangen hohe Grundpreise

Und zweitens werden die niedrigen WLTP-Verbräuche mittels aufwendiger Technikpakete erkauft, die in der Anschaffung erst einmal richtig Geld kosten. Und eine Garantie, dass diese fantastischen Prüfzyklus-Werte sich auch im Alltag erreichen lassen, gibt es natürlich auch nicht.
Mitsubishi Colt Hybrid 1.6  Toyota Yaris Hybrid 116
Billig ist anders: Für beide Testkandidaten werden jeweils über 25.000 Euro Grundpreis fällig – das frisst den Verbrauchsvorteil auf.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Konkret werden für den Toyota Yaris mindestens 25.500 Euro, für den Colt mindestens 26.190 Euro fällig. Rückfahrkamera, Klimaautomatik und kabellose Smartphonespiegelung sind dafür unter anderem bei beiden schon drin. Als schmerzhafter Einschnitt darf beim Yaris in der getesteten Linie Team Deutschland die mangelnde Verfügbarkeit eines Onboard-Navis gelten, das auch nicht extra bestellt werden kann. Ärgerlich, weil ihn das gleich zweimal Punkte kostet: im Komfort- und im Connected-Car-Kapitel.

Bei der Fahrassistenz liegt der Yaris vorne

Davon abgesehen präsentieren beide ein ansprechendes Paket aus Komfort und Technik. Der Toyota bietet noch mehr Assistenzsysteme, darunter den PDA ("Proactive Driving Assist"), der beim Auflaufen auf den Vordermann die Rekuperation nutzt, um das eigene Tempo anzupassen, und damit den Fahrer entlastet.
Toyota Yaris Hybrid 116
Licht und Schatten: Der "Proactive Driving Assist" des Yaris entlastet den Fahrer. Das fehlende Onboard-Navi kostet allerdings Punkte.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Die Abwesenheit mechanischer Schaltgetriebe lässt beide zwar nicht zu Dynamikern mutieren, bringt aber Ruhe ins Auto – vor allen Dingen im Stop-and-go-Verkehr, wenn die Benziner meist abgeschaltet sind und lediglich die Außenlautsprecher leise Fahrgeräusche produzieren, um Fußgänger zum Aufpassen zu animieren.

Im Colt kann man mehr mitnehmen

Ansonsten macht sich noch der Größenunterschied zwischen beiden Autos bemerkbar: Der Colt misst mit 4,05 Meter Länge immerhin elf Zentimeter mehr als der Yaris, bietet im Kofferraum (301 bis 979 Liter) mehr Platz als der Toyota mit 286 bis 768 Litern, wiegt aber auch 168 Kilogramm mehr.
Mitsubishi Colt Hybrid 1.6
Mehr Auto: Der Colt ist mit 4,06 Metern immerhin elf Zentimeter länger als sein Konkurrent – das merkt man vor allem beim Kofferraum.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Die Kehrseite des dünnen Toyota-Blechs findet sich bei höheren Tempi auf der Autobahn: Der Yaris tönt bei Tempo 160 immerhin drei Dezibel lauter in den Innenraum als der Colt. Womit wir wieder bei den Antrieben wären.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder 
Vierzylinder + E-Motor, Hybrid 
Dreizylinder + E-Motor, Hybrid 
Einbaulage 
vorn quer 
vorn quer 
Ventile/Nockenwellen 
4 pro Zylinder/2 
4 pro Zylinder/2 
Nockenwellenantrieb 
Kette 
Kette 
Hubraum 
1598 cm³ 
1490 cm³ 
Systemleistung 
105 kW (143 PS) 
85 kW (116 PS) 
max. Drehmoment 
205 Nm (Systemdrehmoment) 
120+141 Nm (Verbrenner/E-Motor) 
Vmax
174 km/h 
175 km/h 
Getriebe 
Multi-Mode-Automatik 
stufenloses Getriebe 
Antrieb 
Vorderradantrieb 
Vorderradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Scheiben 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
205/45 R 17 
195/55 R 16 V 
Reifentyp 
Continental EcoContact 6 
Bridgestone Ecopia EP150 
Radgröße 
7 x 17" 
6 x 16" 
Abgas CO2* 
97 g/km 
91 g/km 
Verbrauch* 
4,3 l 
4,0 l 
Tankinhalt 
39 l 
36 l 
Kraftstoffsorte 
Super 
Super 
Ottopartikelfilter 
Serie 
Serie 
Vorbeifahrgeräusch 
67 dB(A) 
70 dB(A) 
Anhängelast gebremst/ungebremst 
900/680 kg 
450/450 kg 
Stützlast 
63 kg 
50 kg 
Kofferraumvolumen 
301–979 l 
286–786 l 
Länge/Breite/Höhe 
4053/1798–1988**/1439 mm 
3940/1745–2020**/1500 mm 
Radstand 
2583 mm 
2560 mm 
Grundpreis
26.190 Euro
25.500 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
29.190 Euro
26.700 Euro
Nicht nur das Hybridsystem des Colt stammt von Renault, bis auf Änderungen an Front und Heck ist der Colt ganz einfach ein Clio. Ein 1,6-Liter-Vierzylinder-Saugbenziner stemmt 94 Pferdestärken, dazu gibt es gleich zwei E-Motoren: einen kleinen Startergenerator, der als Anlasser und Stromerzeuger dient und den Verbrenner auf Drehzahl bringt. Dazu kommt eine 49 PS starke Einheit, welche die Räder antreibt.

Bei der Beschleunigung gewinnt der Colt

In der Praxis wirkt der Hybridantrieb kräftig, beschleunigt den Colt in 9,2 Sekunden auf 100 km/h. Die Gangwahl bleibt indessen schwer berechenbar: Welche Stufe das "Multi-Mode-Getriebe" wählen wird, lässt sich oft kaum vorhersagen. Manche Schaltpause dauert eine ganze Sekunde: Vier Gänge für den Verbrenner und zwei E-Gänge wollen sortiert sein.
Mitsubishi Colt Hybrid 1.6
Gar nicht schlecht: Der Hybridantrieb bringt den Colt in 9,2 Sekunden auf 100 km/h – und man kann ihn tatsächlich mit 3,7 l/100 km fahren.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
4,7 Liter Verbrauch haben wir auf unserer Testrunde gemessen und bei gezügeltem Gasfuß 3,7 Liter festgestellt. Zu den eindeutigen Vorteilen des Colt zählt dabei der vierte Zylinder seines Verbrennungsmotors, der seinen Motor deutlich ruhiger laufen lässt als den Dreizylinder des Toyota.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,5 s 
3,6 s 
0–100 km/h 
9,2 s 
10,3 s 
0–130 km/h 
15,3 s 
17,1 s 
0–160 km/h 
24,4 s 
32,5 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
4,8 s 
5,7 s 
80–120 km/h 
6,0 s 
7,4 s 
Leergewicht/Zuladung 
1310/455 kg 
1142/473 kg 
Gewichtsverteilung vorn/hinten 
61/39 % 
62/38 % 
Wendekreis links/rechts 
10,8/10,8 m 
11,0/11,0 m 
Sitzhöhe 
540 mm 
575 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
35,4 m 
35,5 m 
aus 100 km/h warm 
36,4 m 
35,6 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
60 dB(A) 
60 dB(A) 
bei 100 km/h 
64 dB(A) 
67 dB(A) 
bei 130 km/h
70 dB(A)
71 dB(A)
bei 160 km/h
73 dB(A)
77 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
3,7 l S/100 km 
3,3 l S/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
4,7 l S/100 km
(+9 %)
4,4 l S/100 km
(+10 %)
Sportverbrauch 
6,4 l S/100 km 
6,5 l S/100 km 
CO2 (Testverbrauch) 
111 g/km 
104 g/km 
Reichweite (Testverbrauch) 
829 km 
818 km 

Der Yaris glänzt mit Zwergendurst

Ob es am Gewicht liegt, am Antrieb oder an beidem – der Yaris bleibt tatsächlich noch ein ganzes Stückchen sparsamer: 4,4 Liter auf 100 Kilometer im Test, 3,3 Liter Sparverbrauch. Wer sich an das stufenlose Getriebe gewöhnt, findet hier eins der sparsamsten Autos mit Ottomotor, die wir je getestet haben.
Toyota Yaris Hybrid 116
Ganz schwer zu schlagen: Mit sanftem Gasfuß bewegt, gibt sich der Yaris Hybrid mit 3,3 Litern auf 100 Kilometer zufrieden.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Allerdings wirkt der Antrieb des Yaris auch kraftloser als der des Colt. Trotz fast gleich starkem Verbrenner (91 PS) und klar stärkerem E-Motor (80 PS) verliert er bei höheren Tempi den Anschluss. Wie relevant das im Alltag sein mag, lassen wir mal dahingestellt.

Hybridantrieb zahlt sich erst spät aus

Den Toyota gibt es – vom GR Yaris abgesehen – seit letztem Jahr nur noch als Hybrid. Ein Archivwert von 2022 attestierte dem reinen Verbrenner (handgeschaltet) mit 5,4 Litern exakt einen Liter Mehrverbrauch. Rechnet man mit einem Spritpreis von 1,90 Euro pro Liter, sparen Hybridfahrer bei einer Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometern zusammen mit der 51 Euro niedrigeren Kfz-Steuer 336 Euro im Jahr. Einiges, aber so bräuchte es fast zehn Jahre, um den damals rund 3000 Euro höheren Kaufpreis auszugleichen.

Platzierung

Platzierung
Punkte*
523
501
Platz
1
2
Fazit
Das überkomplexe Getriebe macht ihn nicht besser, im Vergleich mit mehr Platz, aber etwas höherem Verbrauch.
Das fehlende Navi kostet viele Punkte, davon abgesehen zwar enger, aber auch günstiger und fast schon unheimlich sparsam.
Die Benzinerversion des Colt brauchte im Test 6,5 Liter, Hybridfahrer sparen also 1,7 Liter. Mit einer um 32 Euro niedrigeren Steuer ergeben sich hier 391 Euro im Jahr. Allerdings werden hier erst einmal 5000 Euro Aufpreis fällig. Wer wirklich sparen will, müsste die beiden Vollhybrid-Knirpse also lange und viel fahren.

Fazit

Nein, rein über die Kostenseite lassen sich die Hybridantriebe nicht wirklich rechtfertigen. Müssen sie aber auch gar nicht: Die Gemütlichkeit, die durch die Elektrifizierung samt Automatik einzieht, ist auch was wert.