Mogelpackung? Neue Zahlen bringen Plug-in-Hybride in Bedrängnis
Fraunhofer-Studie zerlegt Plug-in-Hybride

Plug-in-Hybride sollten Klima und Geldbeutel schonen. Eine neue Studie stellt dieses Versprechen jetzt massiv infrage.
Bild: Cupra
Plug-in-Hybride galten lange als Brückentechnologie zwischen Verbrenner und E-Auto. Viel elektrische Reichweite, niedriger Normverbrauch, weniger CO₂. Doch eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung sorgt jetzt für Ernüchterung.
Die Karlsruher Forscher haben Echtdaten von knapp einer Million Fahrzeugen der Baujahre 2021 bis 2023 ausgewertet. Das Ergebnis ist deutlich: Statt der offiziell angegebenen 1,4 bis 1,6 Liter pro 100 Kilometer verbrauchen Plug-in-Hybride im Alltag durchschnittlich 5,8 bis 6,1 Liter. Damit liegt der reale Verbrauch fast viermal so hoch wie im Prospekt – und kaum unter dem eines klassischen Verbrenners.
Ergebnisse zu Plug-in-Hybriden ein "Schock"
Dass WLTP-Werte im Alltag selten erreicht werden, ist bekannt. Doch die Dimension überrascht selbst Experten. Laut Studienleiter Patrick Plötz sei das Ergebnis ein "Schock" gewesen. Besonders brisant: Selbst bei überwiegend elektrischer Nutzung entspricht der Energieverbrauch rechnerisch rund drei Litern Kraftstoff pro 100 Kilometer.
Ein Grund liegt in der Technik. Der Verbrenner springt bei niedrigen Temperaturen, hohen Geschwindigkeiten oder zum Heizen automatisch an – selbst dann, wenn eigentlich elektrisch gefahren werden soll.

Neue Fraunhofer-Daten zeigen: Plug‑in‑Hybride liegen im Alltag oft über den Normwerten und sorgen damit für frische Diskussionen über die Technik.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Viele Fahrer laden ihre Fahrzeuge offenbar kaum oder gar nicht. Der elektrische Fahranteil lag laut Studie bei nur etwa 25 Prozent. Heißt: Drei Viertel der Strecke werden mit Benzin oder Diesel zurückgelegt. Je nach Hersteller schwankt das Ladeverhalten allerdings deutlich.
Die Folgen liegen auf der Hand: höherer CO₂-Ausstoß und höhere Spritkosten als erwartet. Damit gerät das Image des Plug-in-Hybrids als "Klimaretter" ins Wanken.
Keine Prämien mehr
Auch politisch schlägt die Studie Wellen. Der Umweltverband VCD fordert, Plug-in-Hybride künftig nicht mehr staatlich zu fördern und Kaufprämien ausschließlich batterieelektrischen Fahrzeugen – auch gebrauchten – vorzubehalten. Und selbst prominente Stimmen werden deutlich: Der ehemalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach sprach auf X von einer "Mogelpackung" – sowohl für Käufer als auch für das Klima.
Zwar wurden die Regeln zur Verbrauchsmessung inzwischen verschärft. Neue Plug-in-Hybride könnten daher näher an die Realität rücken. Doch selbst dann rechnen die Studienautoren damit, dass die realen Verbräuche fast doppelt so hoch bleiben wie die offiziellen Angaben.
Die Debatte um den Sinn der Doppelherz-Technik dürfte damit neu entfacht sein.
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