Es ist eines der größten Sportevents Deutschlands. Bis zu 200.000 Menschen pilgern auch am kommenden Wochenende wieder zur Motorrad-WM an den Sachsenring. Der Zweiradsport ist extrem populär – obwohl kein deutscher Hersteller dabei ist und auch kein deutscher Spitzenfahrer.
Aber für viele Fans ist die MotoGP die wahre Königsdisziplin des Motorsports. Der siebenmalige Champion Marc Márquez (29), der in diesem Jahr verletzungsbedingt fehlt, weiß, warum: „In der MotoGP ist der Fahrer viel wichtiger als das Bike, in der Formel 1 ist es umgekehrt. Deswegen ist die MotoGP interessanter und Emotion pur.“
MotoGP-Stars wie der amtierende Meister und Tabellenführer Fabio Quartararo (23) sind Helden auf zwei Rädern. Weil es auf den Motorrädern keine Knautschzonen gibt, fährt das Risiko immer mit. „Die Bikes werden immer schneller“, erklärt der Franzose.
Fabio Quartararo ist Champion und Tabellenführer – und ein Favorit beim Deutschland-GP der MotoGP.

„Auf langen Geraden erreichen wir schon mehr als 360 km/h.“ Man muss sich fast wundern, dass trotzdem so wenig passiert. 104 Todesfälle ereilten die Motorrad-WM seit der Einführung 1949. In der Top-Klasse waren es „nur“ 29.
Doch auch die Motorrad-WM arbeitet an der Sicherheit. Seit zwei Jahren fährt ein kleiner Airbag mit. Trotzdem verletzen sich die Biker immer wieder. Das letzte Opfer: Suzuki-Pilot Alex Rins (26/ESP/WM-Siebter), der sich bei einem Startunfall beim Lauf in Barcelona das linke Handgelenk brach.
Das prominenteste Beispiel für die Leiden der schnellen Biker ist Marc Márquez. Als er 2013 in die MotoGP kam, wurde er auf Anhieb Champion – trotz seiner damals erst 20 Jahre. Sieben Titel hat er insgesamt geholt, den Rekord von Valentino Rossi (neun Titel) hatte er im Visier.
Doch jetzt ist er Dauergast im Krankenhaus. Nach seiner vierten Operation am rechten Oberarm muss der Spanier derzeit aussetzen. Dazu kamen zwei Schulter-OPs und zwei Knochentransplantationen. Außerdem wird er immer wieder von einer Doppelsichtigkeit geplagt – alles Folgen von Stürzen.
Allerdings: Márquez gilt auch als besonders aggressiver Fahrer. Keiner liegt so schräg auf dem Asphalt wie er. Mit mehr als 60 Grad Neigung rasen die Piloten durch die Kurven. Die Reifen sind extra dafür konstruiert. Sie bieten an der Flanke am meisten Grip, obwohl nur noch fünf bis zehn Zentimeter mit dem Asphalt verbunden sind.
Trotzdem sind die MotoGP-Bikes klar langsamer als die Formel 1. Der höchsten jemals gemessenen Geschwindigkeit (362,4 km/h durch Johann Zarco 2021) fehlen zwar nur rund zehn km/h auf die automobile Königsklasse. Aber die Kurvengeschwindigkeiten sind deutlich geringer. Auf einer Runde in Spielberg macht das beispielsweise 20 Sekunden aus.
Die Leistungsdaten sind dennoch beeindruckend: Die Motorräder haben zwischen 250 und 290 PS, sind aber auch nur 157 Kilogramm schwer (ohne Fahrer). Die Leistungsbegrenzung geben weniger die Rahmendaten vor – also die 1000 Kubikzentimeter Hubraum oder die maximal vier Zylinder –, sondern die Physik.
„Wir können die Leistung gar nicht richtig auf den Asphalt bringen“, erklärt Fabio Quartararo, „weil sonst das Vorderrad abhebt. Und wir müssen sehr früh bremsen, weil sonst das Hinterrad nach oben drängt.“ Die volle Leistung wird von der Elektronik nur auf den langen Geraden im höchsten Gang abgerufen.
In Deutschland sind alle drei Klassen im Free-TV zu sehen.

Überholen ist in der MotoGP dennoch kein Problem – die Bikes haben im Vergleich zu einem Formel-1-Renner weniger Abtrieb, einen bis zu 200 Meter längeren Bremsweg und sind 1,3 Meter schmaler. Und das Kräfteverhältnis ist ausgeglichen: In den ersten neun Rennen siegten fünf Fahrer von vier Herstellern.
Nur Honda und Suzuki sind noch sieglos – anders als Ducati (5x), Yamaha (2x), Aprilia und KTM (je 1x). Es ist also angerichtet – für ein schräges Wochenende.

TV-Tipp

In Deutschland sind alle drei Klassen im Free-TV zu sehen – auf Servus-TV. Die MotoGP ist für Sonntag (19. 6.) auf 14 Uhr angesetzt, das Rennen der Moto2 mit Marcel Schrötter auf 12.20 Uhr

Von

Michael Zeitler