Motorrad-Fahrverbote: Kommentar

Mehr Kontrollen statt Fahrverbote!

Motorrädern, die zu laut sind, drohen in Deutschland Fahrverbote. Dabei wären mehr gezielte Polizeikontrollen besser. Ein Kommentar von Lars Hänsch-Petersen.
Der Bundesrat fordert, dass Fahrverbote für laute Motorräder an Wochenenden und an Feiertagen möglich werden sollen. Hintergrund: Anwohner in besonders beliebten Ausflugsregionen fühlen sich vom Motorrad-Lärm belästigt. Ich finde, dass solche Fahrverbote falsch wären – und zwar aus mehreren Gründen!

Grund 1: Die betroffenen Motorräder sind legal

Wer nicht illegal an seinem Motorrad herumschraubt und beispielsweise den dB-Killer entfernt, fährt ein legales Fahrzeug mit der nötigen Freigabe durch den Gesetzgeber. Kein Motorradfahrer sollte sein Bike stehen lassen müssen, wenn es den Vorschriften entspricht.

Grund 2: Es sollte gleiches Recht für alle gelten

Mit Fahrverboten für Motorräder ginge der Bundesrat gezielt gegen eine Gruppe der potenziell Lärm verursachenden Ausflügler vor. Die Klappenauspuffanlagen aktueller, auch nur sportlich angehauchter Pkw sind ebenfalls keine Leisetreter. Wie steht die Politik zum knallenden Sport-Kompakten, der durch die Eifel braust? Oder zum ohrenbetäubenden Brüllen manch werksgetunter Mittelklasse?

Grund 3: Das Problem ist lautes Fahren

Der eigentliche Stein des Anstoßes sind vermutlich gar nicht die Motorräder als solche, sondern die unnötig laute Fahrweise mancher Biker. Dazu zählen heftige Beschleunigungsorgien am Ortsausgangsschild genauso wie Ortsdurchfahrten bei viel zu hohen Drehzahlen. Der Fall Tirol zeigt das: Im Bezirk Reutte des österreichischen Bundeslands gilt ab dem 10. Juni 2020 auf bestimmten Strecken ein Fahrverbot für laute Motorräder. Die betroffenen Anwohner hatten sich laut einer von der Tiroler Landesregierung beauftragten Studie aber speziell an exzessivem Beschleunigen und ähnlichem gestört.

Grund 4: Alle Biker leiden unter dem Fehlverhalten weniger

Nimmt man das auch für Deutschland an, würden laut Bundesverband der Motorradfahrer bei Fahrverboten mehr als vier Millionen Biker für das Fehlverhalten einiger weniger sozusagen in Sippenhaft genommen. Das ist nicht nur moralisch fragwürdig, sondern dürfte auch rechtlich schwierig sein.

Grund 5: Motorrad-Ausflüge sind touristisch wichtig

Die Motorradfahrer sind ein touristischer Wirtschaftsfaktor, der nicht unterschätzt werden sollte. Gastronomen, Hoteliers und Tankstellenpächter in den betroffenen Ausflugsregionen werden nicht glücklich sein, wenn die Biker ausbleiben und nicht mehr verzehrenübernachten und tanken. 2020 mag sich das verschmerzen lassen, da hält Corona viele Deutsche vom Trip ins Ausland ab. Das wird sich in Zukunft aber ändern.

Die Lösung fürs Lärmproblem sind gezielte Polizeikontrollen

Redakteur Lars Hänsch-Petersen hält nichts von der dicken Verbotskeule. "Vernunft bringt viel mehr!"

Statt Fahrverbote auszusprechen, sollten punktuelle Polizeikontrollen an den betroffenen Strecken durchgeführt werden. Gut ausgebildete und am besten erfahrene Beamte sollten Präsenz zeigen, Aufklärung betreiben und die wenigen schwarzen Schafe aus dem Verkehr ziehen. Diese Kontrollen gibt es bereits. Aber es sind zu wenige – denn sie kosten natürlich Geld.
Es braucht aber auch eine starke Motorrad-Community, die den Mund aufmacht, wenn der fragwürdige Spaß des Einzelnen die Freiheit aller in Gefahr zu bringen droht. Soll heißen: Nicht nur in den sozialen Medien über den Bundesratsbeschluss schimpfen, sondern Heizer auch mal auf der Straße ansprechen und ihnen klarmachen, dass unnötiger Lärm gar nicht cool ist.
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