"Kommen Sie nicht!" Den Satz hörte die Redaktion immer wieder. Selten hat eine Geschichte in der Vorbereitung so viel Energie gekostet, solche Kopfschmerzen bereitet. Der Grund dafür: AUTO BILD MOTORRAD wollte – wie so oft in der Rubrik "Bike Extrem" – etwas eigentlich Verbotenes tun. Es soll in den Bikepark gehen, mit Motor.

Nützliches für Motorradfahrer

Ausgewählte Produkte in tabellarischer Übersicht
Neverland Motorrad-Abdeckung
O'Neal Motorradhelm
Proanti Motorradhandschuhe
Heyberry Motorradjacke
ShinySkulls Premium Motorrad- und Autoshampoo

Die Sensibilität ist verständlich, denn in manchen Regionen Deutschlands sind Motocrosser und Endurofahrer, die illegal durch den Wald heizen, zum Problem geworden. Und das trotz Strafen von bis zu mehreren Tausend Euro. In einem Naturschutzgebiet im Münsterland entkamen kürzlich zwei E-Crosser ohne Nummernschild einem Revierförster, der sich durch einen Sprung zur Seite retten musste.
Motorrad vs. Mountainbike
High Noon: Zum Duell am Berghang trafen sich Mountainbiker Wolfgang Knoop (l.) und Redakteur Jan Horn.
Wie entspannt ist dagegen die Lage im Bikepark Warstein. Hier herrscht Familie Kaiser über einen Hang mit tollem Blick über die Hügel des Sauerlandes. Wo sich sonst Mountainbiker austoben, dürfen wir ausnahmsweise motorisiert fahren. (Bike Extrem mit Enduro: mit der GasGas EC 250 ins Büro)

Welches Zweirad macht mehr Laune?

Die Mission: Herausfinden, welches Gerät mehr Laune macht im Revier der MTB-Cracks, wo die Hindernisse Kicker, Table, Double oder Road Gap heißen.
Schlagartig lässt die Entspannung nach. Kollege Jan Horn hat mit seiner 300-Kubik-Sherco einen Boner geentert, das ist ein baumstammähnliches Gebilde mit ein paar Latten obendrauf. "Seid ihr weich oder was? Das geht hier 2,50 Meter runter", ruft Horn. "Ich brech mir die Knochen!" Kurze Diskussion, dann die Entscheidung: Wir verschieben den Sprung. Erst mal alle Fotos im Kasten haben, man weiß ja nie.
Motorrad vs. Mountainbike
Enduro-Vergleich: Die Sherco ist ein Sportgerät für den Motocross. Das Trek-Mountainbike funktioniert im Gegensatz zu reinrassigen Downhill-Maschinen auch bergauf.
Da kommt auch schon der Mountainbiker. Allein mit dem Schwung vom Hang steuert er ohne Anstrengung auf den Boner zu, hebt ab, fliegt, drückt in der Luft leicht die MTB-Nase runter, um dann auf Vorder- und Hinterrad gleichzeitig auf dem Auslaufhügel zu landen. So sanft und elegant, so leise und ohne jedes Kettengeschepper. Applaus!
Klasse Vorstellung, den Bengel schauen wir uns an, denken wir – bis unser Radartist den Helm abnimmt. Der drahtige Kerl auf dem Bike ist 57 Jahre alt! Wolfgang Knoop kam nach einer Motocross-Verletzung 2006 zum Mountainbiken, startete später europaweit bei Downhill-Rennen. "Mir ist Vielseitigkeit wichtig", sagt Wolfgang. "Ich will überall im Bikepark sauber runterkommen."

Anspruchsvoller Bikepark – fürs Rad und erst recht fürs Motorrad

Womit wir beim Thema wären: So ein Bikepark gliedert sich nämlich in diverse Bereiche, die ganz unterschiedliche Anforderungen an die Fahrtechnik stellen. Neben steinigen Singletrails gibt es Funride-Abfahrten für Einsteiger, Slopestyle für Luftnummern, Freeride mit Brücke, kanadische Northshore-Stege. Teilweise übelst anspruchsvoll mit dem Rad – und erst recht mit dem Motorrad.
Motorrad vs. Mountainbike
Wurzelhölle: Wo der Mountainbiker Fahrtechnik benötigt, bügelt der Motocrosser mit seinem Vorderrad (rechts) einfach drüber.

Auch, weil sich Sherco 300 SEF und Trek Slash 8 in den Fahreigenschaften deutlich voneinander unterscheiden. Bei Sprüngen etwa: Das Fahrrad lässt sich einfach drücken, sogar ziehen, seitlich fließend korrigieren, während sich der über 100 Kilogramm schwere Viertakter nur minimal in seiner Flugbahn beeinflussen lässt (z. B. über das Gegenmoment beim Betätigen der Fußbremse). Dafür bügelt das Gewicht der Sherco Baumwurzeln zur flauschigen Wiese platt, wo das Fahrrad anfängt zu springen.

Taktisches In-die-Pedale-treten ist gefragt

Klarer Vorteil ist zudem die Motorkraft. Ein Gasstoß, schon hebt die Maschine ihr Vorderrad, übertupft Kanten oder Sprungkuppen mit zarter Leichtigkeit. An diesen Stellen muss der Mountainbiker taktisch in die Pedale treten, in die Grundstellung (Pedale waagerecht) gelangen, um nach dem Hindernis kräftezehrend wieder auf Touren kommen.
Im Gegenzug mag die Sherco die engen Kehren und kurzen Landezonen nach Gaps und Tables gar nicht. Das zarte Trek ist hier klar besser dran.
Motorrad vs. Mountainbike
Wild im Wald: Northshore-Abschnitt mit Lücken im System. Dem Motorrad fehlt die Leichtigkeit – das Fahrrad lässt sich hier viel besser in die passende Landeposition ziehen.

Am Ende des Tages stellen wir verschwitzt fest: Technisch haben beide Sportarten viel gemein; schade, dass es solche Bikeparks nicht für Motocrosser gibt. Für sie lautet daher unsere Empfehlung, von Zeit zu Zeit aufs Mountainbike umzusatteln. Und dann heißt es: Kommen Sie gern!

Fahrradhelme im Test

Ausgewählte Produkte in tabellarischer Übersicht
1.
Testsieger
Abus Urban-I 3.0
gut (24/30 Punkten)
1.
Testsieger
MET Mobilite MIPS
gut (24/30 Punkten)
3.
Uvex City i-vo
gut (23/30 Punkten)
4.
KED Crom
befriedigend (22/30 Punkten)
4.
Endura Luminite II
befriedigend (22/30 Punkten)
6.
Alpina HAGA
befriedigend (21/30 Punkten)
7.
AGU CIT-E IV
befriedigend (18/30 Punkten)
7.
Lazer Cameleon
befriedigend (18/30 Punkten)
9.
Giro Caden
ausreichend (17/30 Punkten)
9.
Livall C20
ausreichend (17/30 Punkten)
9.
Specialized Align II
ausreichend (17/30 Punkten)

Warsteiner Bikepark

Es gibt einige Bikeparks – aber nur wenige mit so netten und entspannten Betreibern. Reimund (58), Sabine (65) und Sina Kaiser (27) führen die Anlage mit Lift und Café als Familienbetrieb. Die Höhenmeter sind überschaubar, die Vielfalt der Elemente macht das aber wett. Die Strecken sind im Schnitt 900 Meter lang, hier kommen Anfänger wie Profis hier auf ihre Kosten.
ANSCHRIFT
Rabennest 2a
59602 Rüthen
info@warsteiner-bikepark.de
Tel. 0170/8 07 69 62
ÖFFNUNGSZEITEN
Freitag 12.00-18.30 Uhr
Sa./So./Feiertag 10.00-18.30 Uhr
Sonderöffnung für Gruppen nach Absprache. Tageskarte: 20 Euro