Nebel, Nässe, Wildwechsel
Diese 9 Herbstgefahren sollten Autofahrer kennen

Nasses Laub, dichter Nebel, Wildwechsel und erste Glätte: Im Herbst lauern auf Autofahrer besondere Gefahren. AUTO BILD erklärt, wie Sie sicher durch die dunkle Jahreszeit kommen.
Bild: Roman Raetzke
Inhaltsverzeichnis
Nebel am Morgen, Starkregen am Nachmittag und am Abend plötzlich Wild auf der Straße: Der Herbst verlangt Autofahrern einiges ab. Die Straßen werden rutschiger, die Sicht schlechter und die Tage kürzer. Gleichzeitig kann bereits der erste Frost auftreten.
Wer Fahrweise und Auto rechtzeitig auf die veränderten Bedingungen vorbereitet, senkt das Unfallrisiko deutlich. AUTO BILD zeigt neun typische Herbstgefahren und erklärt, worauf Autofahrer jetzt achten sollten.
Bunte Blätter sehen schön aus, können auf der Straße aber gefährlich werden. Nasses Laub vermindert die Haftung der Reifen. Das Auto kommt beim Bremsen oder in Kurven früher ins Rutschen. Deshalb gilt: Tempo reduzieren, Abstand vergrößern und möglichst sanft lenken, bremsen und beschleunigen.
Auf Landstraßen kommt während der Ernte noch eine weitere Gefahr hinzu: Traktoren können Erde und Lehm von den Feldern auf die Fahrbahn tragen. Wird dieser Schmutz nass, kann die Straße extrem rutschig werden. Das sogenannte Bauernglatteis sollte deshalb ähnlich ernst genommen werden wie winterliche Straßenglätte.
Herbstlaub macht nicht nur die Fahrbahn rutschig. Blätter sammeln sich auch gern unterhalb der Windschutzscheibe und gelangen in den Wasserkasten. Werden hier Abläufe verstopft, läuft Regenwasser nicht mehr richtig ab und gelangt schlimmstenfalls in den Innenraum.

Unbedingt entfernen: Blätter im Belüftungsschacht vor der Frontscheibe.
Bild: DEKRA
Beschlagene Scheiben, feuchte Teppiche oder sogar Probleme mit Lüftung und Elektrik können die Folge sein. Deshalb Laub regelmäßig entfernen. Tipp: Trockene Blätter lassen sich besonders einfach mit dem Staubsauger an der Tankstelle entfernen.
Heftiger Regen kann innerhalb kürzester Zeit große Wassermengen auf die Fahrbahn bringen. Können die Reifen das Wasser nicht mehr ausreichend verdrängen, schwimmt das Fahrzeug auf. Es kommt zum Aquaplaning: Das Auto verliert den Kontakt zur Fahrbahn und reagiert kaum noch auf Lenkbewegungen und Bremsmanöver. Eine extrem gefährliche Situation!
Dann heißt es: Gas wegnehmen, Lenkrad ruhig halten und hektische Lenk- oder Bremsmanöver vermeiden. Je höher die Geschwindigkeit, je tiefer das Wasser und je geringer die Profiltiefe der Reifen, desto größer wird das Risiko.
Eine der meistunterschätzten Herbstgefahren steht morgens und am späten Nachmittag besonders tief am Himmel. Sonnenlicht kann Autofahrer für entscheidende Sekunden stark blenden, Ampeln sind kaum noch zu erkennen.
Verschmutzte Scheiben verschärfen das Problem, weil Schlieren das eintreffende Licht zusätzlich streuen. Deshalb Frontscheibe außen und innen sauber halten, Sonnenblende nutzen und eine Sonnenbrille griffbereit haben. Bei starker Blendung sofort Geschwindigkeit reduzieren und genügend Abstand halten.
Feuchte Kleidung, nasse Schuhe und niedrige Temperaturen sorgen im Herbst schnell für beschlagene Scheiben. Das Gebläse sollte dann gezielt auf die Frontscheibe gerichtet werden. Auch die Klimaanlage hilft, denn sie entzieht der Innenraumluft Feuchtigkeit.
Wer immer wieder mit stark beschlagenen Scheiben kämpft, sollte nach der Ursache suchen. Feuchte Fahrzeugteppiche, ein verdreckter Innenraumfilter, undichte Kabeldurchlässe, eingerissene Türdichtungen oder verstopfte Abläufe können dahinterstecken.
Tauchen plötzlich dichte Nebelbänke auf, muss vor allem die Geschwindigkeit runter. Abblendlicht einschalten, Abstand vergrößern und nicht mit Fernlicht fahren, denn das kann die Sicht durch Reflexionen sogar verschlechtern.
Für die Nebelschlussleuchte gilt eine klare Grenze: Sie darf nur eingeschaltet werden, wenn Nebel die Sichtweite auf weniger als 50 Meter reduziert. Bei einer Sichtweite unter 50 Metern darf außerdem höchstens Tempo 50 gefahren werden.

Nebel: Geschwindigkeit den Sichtverhältnissen anpassen, Zusatzleuchten einschalten.
Bild: Stefan Lindloff
Ein praktischer Orientierungspunkt bei Nebel sind die Leitpfosten am Straßenrand: Auf geraden Strecken stehen sie in Deutschland in der Regel 50 Meter auseinander. Ist der nächste Leitpfosten nicht mehr zu erkennen, liegt die Sichtweite also unter 50 Metern.
Bei modernen Autos sollte man sich zudem nicht blind auf die Lichtautomatik verlassen. Sie kann schlechte Sicht nicht in jeder Situation zuverlässig erkennen. Auch Tagfahrlicht allein reicht nicht aus, zumal dabei bei den meisten Fahrzeugen die Rückleuchten nicht eingeschaltet sind. Im Zweifel deshalb Abblendlicht manuell einschalten.
Starke Böen können das Auto unvermittelt versetzen. Besonders kritisch wird es auf Brücken, beim Verlassen geschützter Waldstücke oder beim Überholen von Lastwagen.
Deshalb bei Sturm Tempo reduzieren, ausreichend Abstand halten und das Lenkrad mit beiden Händen festhalten. Heftige Gegenlenkbewegungen können das Fahrzeug zusätzlich destabilisieren.
Auch bei der Parkplatzwahl ist Vorsicht angesagt. Bei angekündigtem Sturm sollte das Auto möglichst nicht unter großen Bäumen abgestellt werden. Äste oder ganze Bäume können aufs Fahrzeug stürzen.

Vorsicht: Bei starken Stürmen das Auto nicht unter Bäumen parken.
Bild: dpa
Schon im Herbst kann in Deutschland der erste Frost auftreten. Eine feste Winterreifen-Saison schreibt der Gesetzgeber allerdings nicht vor. Stattdessen gilt eine situative Winterreifenpflicht. Entscheidend sind also die Straßenverhältnisse. Die bekannte Regel "von Oktober bis Ostern" ist lediglich eine gute Orientierung und keine gesetzliche Vorschrift.
Wichtig bei älteren Winterreifen: Seit Oktober 2024 reicht die frühere M+S-Kennzeichnung allein nicht mehr aus. Für winterliche Straßenverhältnisse geeignete Reifen müssen das Alpine-Symbol mit Bergpiktogramm und Schneeflocke tragen.

Winterreifen: Das Alpine-Symbol mit Berg und Schneeflocke muss auf der Reifenflanke stehen.
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
Besondere Vorsicht ist bereits bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt angesagt. Vor allem Brücken, Waldschneisen und schattige Straßenabschnitte können früher glatt werden als andere Strecken.
Noch ein Hinweis zur Profiltiefe: Für Sommer- und Winterreifen sind zwar nur 1,6 Millimeter Restprofil gesetzlich vorgeschrieben, AUTO BILD empfiehlt jedoch mindestens drei Millimeter bei Sommerreifen und vier Millimeter bei Winter- und Ganzjahresreifen.
Im Herbst wächst vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung die Gefahr, dass Wild plötzlich auf die Fahrbahn läuft. An Waldrändern und Feldern sowie in Bereichen mit Wildwechsel-Warnschildern deshalb langsamer fahren und bremsbereit bleiben.
Taucht ein Reh oder Wildschwein am Straßenrand auf, Geschwindigkeit reduzieren, Fernlicht abblenden und gegebenenfalls hupen. Wichtig: Läuft ein Tier über die Fahrbahn, können weitere folgen.
Ist ein Zusammenstoß nicht mehr zu vermeiden, vorsichtig bremsen und die Spur halten. Ein riskantes Ausweichmanöver kann noch gefährlicher werden, etwa wenn das Fahrzeug in den Gegenverkehr gerät oder gegen einen Baum prallt.

Hier gilt: Geschwindigkeit verringern, Fernlicht abblenden und hupen.
Bild: dpa
Nach einem Wildunfall Warnblinker einschalten, Warnweste anziehen und die Unfallstelle absichern. Anschließend die Polizei verständigen. Verletzte Tiere nicht anfassen.
Extra-Tipp: Zeit für einen Herbstcheck
Viele Probleme lassen sich vermeiden, wenn das Auto vor der nasskalten Jahreszeit einmal gründlich kontrolliert wird. Dabei sollten Autofahrer insbesondere diese Punkte beachten:
- Lichtanlage kontrollieren
- Scheiben innen und außen reinigen
- Scheibenwischer prüfen
- Frostschutz ins Scheibenwaschwasser füllen
- Reifenprofil und Reifendruck kontrollieren
- Starterbatterie prüfen lassen
- Frostschutz im Kühlmittelkreislauf prüfen lassen
- Laub aus Wasserkästen und Abläufen entfernen
- Eiskratzer und gegebenenfalls Enteiserspray ins Auto legen
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