Neuer BMW M2 Coupé im AUTO-BILD-Test
Letzter seiner Art: Der neue BMW M2 ist scharf wie ein Skalpell
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Der BMW M2 ist, wenn man den Aussagen der Münchner glaubt, der letzte seiner Art. Ein Grund mehr, ihn zu feiern und die Reifen noch einmal qualmen zu lassen.
Bild: AUTO BILD
Wir hatten es schon gesagt, wiederholen es an dieser Stelle aber noch einmal: Das hier und heute von uns getestete BMW M2 Coupé ist das letzte, dass es in dieser Art und vor allem mit dieser Motorisierung geben wird. Jedenfalls hierzulande.
Deswegen lassen wir die Reifen qualmen und feiern noch einmal den Reihensechszylinder, der – wie bekannt – auch den M3 und M4 anschiebt. Natürlich sind 460 PS (90 PS mehr als der Vorgänger) und ein maximales Drehmoment von 550 Newtonmeter, dass bereits ab 2650 Kurbelwellenumdrehungen anliegt, eher was für die Rennstrecke als für die Straße. Denn nur hier kann das Leistungspotenzial des kantigen Bayern wirklich ausgelebt werden.
Und weil das so ist, hat die M GmbH nicht nur das Triebwerk von den Großen übernommen, sondern auch die Fahrwerkstechnik adaptiert. Das bringt nicht nur ein deutliches Plus an Länge, Breite und Spurweite, auch der Radstand gewinnt um 110 Millimeter, bleibt aber so kurz, dass die bekannte M2-Fahrdynamik nicht leidet.

Mit dem M Race Track Paket wird der M2 bis zu 285 km/h schnell.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Für die bestmögliche Straßenlage sorgt das adaptive M Fahrwerk. Während es sich im Sport- oder gar im Rennstrecken-Modus so strafft, dass der M2 wie das berühmte Brett auf der Straße liegt, kann es sich für die Langstrecke so weit öffnen, dass man nur bei direkten und sehr kurzen Stößen merkt, dass es sich hier um ein Sportfahrwerk handelt.
Fahrzeugdaten
Modell | BMW M2 Coupé |
|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Reihensechszylinder, Biturbo |
Einbaulage | vorn längs |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Kette |
Hubraum | 2993 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 338 (460)/6250 |
Nm bei U/min | 550/2650 |
Vmax | 285 km/h |
Getriebe | Achtstufenautomatik |
Antrieb | Hinterradantrieb |
Bremsscheiben vorn/hinten | 380/370 mm |
Testwagenbereifung | v. 275/35 R 19, h. 285/30 R 20 Y |
Reifentyp | Michelin Pilot Sport 4 S |
Radgröße | v. 9,5 x 19", h. 10,5 x 20" |
Abgas CO2 | 223 g/km |
Verbrauch* | 9,8 l |
Tankinhalt | 52 l |
Kraftstoffsorte | Super Plus |
Partikelfilter | Serie |
Vorbeifahrgeräusch | 70 dB(A) |
Kofferraumvolumen | 390 l |
Länge/Breite/Höhe | 4580/1887–2068**/1403 mm |
Radstand | 2747 mm |
Grundpreis | 75.400 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 89.900 Euro |
Damit sich der Bolide im Rund und auf Bergstraßen nicht aus der Kurve wedelt, wurde das M Differenzial an der Hinterachse zur Serienausstattung. Die Sperre sorgt für einen stufenlosen und variablen Drehzahlausgleich zwischen den Hinterrädern, kann sogar eine Sperrwirkung von bis zu 100 Prozent aufbauen, was verhindert, dass durch Schlupf das Antriebsmoment verloren geht.

M Compound Stopper können im M-Setup-Menü in zwei Stufen konfiguriert werden, vier Endrohre im Diffusor sorgen für Race-Optik, der Reihensechszylinder macht den M2 zum stärksten Fahrzeug im Segment, und der Kofferraum ist mit 390 Litern recht bescheiden.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Ohne Regelwerk ums Eck
Wem das Regelwerk zu sehr in die individuelle Fahrgestaltung eingreift, der kann das DCC komplett ins Off schieben und die Traktion über zehn Stufen selbst bestimmen. Für Kenner und Könner ein feines Feature, dass sich aber wirklich nur auf dem Rundkurs empfiehlt. Denn der Bayer schiebt jetzt nachhaltig und leicht übersteuernd ums Eck, lässt sich aber, wenn man die Traktion nicht gänzlich deaktiviert hat, ganz charmant über Gaspedal und Lenkung, in einer gekonnten Drift um die Kurve schieben.
Messwerte
Modell | BMW M2 Coupé |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 1,7 s |
0–100 km/h | 4,0 s |
0–130 km/h | 5,8 s |
0–160 km/h | 8,2 s |
0–200 km/h | 12,9 s |
0–230 km/h | 18,4 s |
0–250 km/h | 23,5 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h 1,8 s | |
80–120 km/h 2,2 s | |
Leergewicht/Zuladung | 1715/440 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 53/47 % |
Wendekreis links/rechts | 11,8/11,9 m |
Sitzhöhe 520 mm | |
Bremsweg | |
aus 100 km/h | kalt 34,9 m |
aus 100 km/h warm | 32,9 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 62 dB(A) |
bei 100 km/h | 67 dB(A) |
bei 130 km/h | 71 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 8,2 l SP/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 11,1 l SP/100 km (+13 %) |
Sportverbrauch | 15,1 l SP/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 263 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 460 km |
Nun ist die Drift ein großer Spaß, aber der Tod für jede Rundenzeit. Insofern liegt die von AUTO BILD erfahrene Bestzeit auf dem 2,8 Kilometer langen Contidrom nordöstlich von Hannover ohne Drift dann auch bei 1:30.88 Minuten.

Wer das DCC komplett deaktiviert, kann die Traktion über zehn Stufen selbst einstellen und schwarze Streifen in den Asphalt brennen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
An dieser Stelle nur mal zum Vergleich: Der Vorgänger wurde im Jahr 2020 von AUTO BILD mit 1:33.10 Minuten vom Kurs geschickt, und der aktuelle M3 brachte es jüngst auf 1:30.68 Minuten. Also Chapeau an die Jungs von der M GmbH und unseren Fahrer, der sich die Lenkung für den Kurs noch ein wenig direkter gewünscht hätte.
Mit beschleunigtem Puls
Und wie erlebt man die Hatz im Inneren des M2 Coupés? Mit beschleunigtem Puls eingeschalt in Carbon-Schalensitze, die allerbesten Seitenhalt bieten und 10,8 Kilogramm weniger wiegen als die Serienbestuhlung. Ja, man muss sich schon ein wenig in das Sportgestühl falten, und auf der ganz langen Strecke kann es auch mal eng um die Hüfte werden.
Es sei aber angemerkte, dass es die voll elektrisch verstellbaren und beheizbaren Carbonschalen nur im Zusammenspiel mit dem 14.500 Euro teuren M Race Track Paket gibt, zu dem auch das Carbondach und das M Driver's Package zählen, dass den Bayern öffnet und in der Spitze 285 km/h schnell werden lässt. Eine Geschwindigkeit, die auf dem Contidrom nicht erreicht werden konnte (Vmax hier 217 km/h), aber auf den freien Strecken der Autobahn.

Die M-Tasten am Lenkrad zur individuellen Belegung der Fahrmodi sind jetzt Serie, Carbon-Schaltwippen ebenso. Die Carbon-Schalen gehören zum 14.500 Euro teuren Race-Paket, und ein Drift-Manager bringt lernbegierigen das Schwänzeln bei.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Hier wie dort wurde einmal mehr deutlich, welchen unschätzbaren Wert bei derartigen Geschwindigkeiten die richtige Bremsanlage hat. Die M Compound Stopper können im M-Setup-Menü in zwei Stufen konfiguriert werden. Unser Test ergab bei warmen Bremsen aus Tempo 100 einen Weg von 32,09 Metern bis zum Stillstand.
Die Art und Weise der Kraftverteilung an die Hinterräder ist im Übrigen Geschmacksache. Wer das Blitzen und leuchten der stilisierten Leuchtdioden im Display vor dem Fahrer oder im optionalen Head-up-Display bis zum optimalen Schaltpunkt sehen möchte, der kann über die schicken Carbon-Schaltwippen am Lenkrad die Fahrstufen regeln. Allerdings kann man auch einfach die Elektronik arbeiten lassen, die die acht Stufen der Wandlerautomatik nahezu verzugsfrei rauf- und runterrauschen lässt.
Wir waren schneller als BMW
Wie auch immer man an der Ampel startet, wer es richtig macht, der kann nach unseren Messungen die Werksangabe von 4,1 Sekunden um 0,1 Sekunde unterbieten, um Tempo 100 zu erreichen. Beim Sprint auf 200 km/h brachten wir es sogar auf 12,9 Sekunden, während BMW hierfür 13,5 Sekunden veranschlagt.
Ein Kind von Traurigkeit ist der M2 jedenfalls nicht. Auch nicht was den Ton betrifft. Zwar ballert es nicht mehr so aus der Sportabgasanlage, wie noch vor Jahr und Tag, aber hörbar ist das Blubbern, Spritzen und heisere Husten immer noch.

Teurer Spaß: Mindestens 75.400 Euro muss man für den BMW M2 lockermachen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Und natürlich fährt sich das M2 Coupé auch ganz normal. Wer die Klappen schließt, den Fahrmodischalter auf Comfort bewegt und sich mit dem Gasfuß zurückhält, der hat ein nahezu "normales" Auto. Angereichert mit einer Vielzahl an Assistenzsystemen kann der Bayer nicht nur selbständig die Spur halten und im Stau hilfreich assistieren, er kann auch Gefahren erkennen und den Anker werfen oder kreuzenden Verkehr beim rückwärts ausparken erkennen.
Wertung
Modell | BMW M2 Coupé |
|---|---|
Karosserie | hervorragende Verarbeitung, in der Praxis eher Platz für zwei, nahezu perfekte Sitzposition |
4,5/5 Punkten | |
Antrieb | exzellentes Triebwerk, tolle Beschleunigung, Automatikgetriebe mit sehr kurzen Schaltzeiten |
4,5/5 Punkten | |
Fahrdynamik | Fahrwerk für Dynamiker, nahezu perfekte Traktion, kurzer Bremsweg, unaufgeregt in den Kurven |
4,5/5 Punkten | |
Connected Car | Infotainment über iDrive-Controller, kabellose Smartphone-Anbindung, gute Sprachsteuerung |
4/5 Punkten | |
Umwelt | recht hoher Verbrauch und CO2-Ausstoß, kompakte Abmessungen, hohes Gewicht, hörbarer Auftritt |
2/5 Punkten | |
Komfort | weit spreizendes Sportfahrwerk mit durchaus erträglichem Restkomfort, tolle Sitze |
3/5 Punkten | |
Kosten | teuer in der Anschaffung, hohe Unterhaltskosten, umfangreiche Ausstattung |
2,5/5 Punkten | |
AUTO BILD-Testnote | 2- |
Die Bedienung des Infotainmentsystems erfolgt auch hier noch sehr komfortabel über den iDrive Controller in der Mittelkonsole oder über den Touchscreen. Das Smartphone verbindet sich kabellos und spiegelt Apple CarPlay ebenso wie Android Auto. Das Raumgefühl in der ersten Reihe geht für ein Sportcoupé in Ordnung, in der zweiten Reihe möchte man nicht sitzen. Den Platz nutzt man besser als Erweiterung des Kofferraums, denn der fasst nur 390 Liter.
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