Nissan Leaf: Test
Der Klassiker unter den Modernen: neuer Nissan Leaf im Test

In der mittlerweile schon dritten Auflage des Nissan Leaf stecken saubere E-Fähigkeiten und viel Ausstattung. AUTO BILD testet das kompakte E-Auto.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Inhaltsverzeichnis
Piiiieeeep, Ding-Dong, Palim-Palim – oder zumindest so ähnlich. Wer Nissan Leaf fährt, braucht starke Nerven. Oder fährt besonders vorschriftsmäßig, besonders defensiv und besonders aufmerksam, richtet den Blick stets starr nach vorn, geht weit vor Kurven vom Gas.
Fahrzeug-Deals
Grund: Der neue Elektro-Kompakte warnt, zeigt, führt und assistiert mit der Strenge einer 80-jährigen Gouvernante. Spurhalter, Temposchilderkennung, Aufmerksamkeitsassistent oder auch Auffahrwarnung sind streng auf hab Acht gedrillt, weisen den Fahrer bereits bei kleinsten Verfehlungen – und zuweilen auch kaum nachvollziehbar – akustisch darauf hin.
- Für Pendler und Alltagsfahrer, die überwiegend im Stadt- und Umlandverkehr unterwegs sind und von der ordentlichen Praxisreichweite profitieren.
- Für komfortorientierte Autofahrer, die eine bequeme Sitzposition, eine komfortable Federung und ein leises Auto suchen.
Optisch zwischen SUV und Kompaktklasse
Doch der Reihe nach. Der Leaf gehört zu den Pionieren der Liga, summt seit 2010 auch über deutsche Straßen und hat die "Golf-Klasse" zumindest technisch sehr ordentlich elektrifiziert. Nun steht die neueste Modellreihe am Start – positioniert sich entsprechend brandaktuell bei uns auf der Testbahn.

Auffällig: Zweifarbig lackiert, stark abfallende Dachlinie, große Räder — der neue Leaf ist ein Hingucker mit Wiedererkennungswert.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Wir prüfen im ersten Einzeltest die Variante Evolve mit 217 PS Leistung und rund 75 kWh fassendem Akkupaket (netto). Damit ist der 75er das stärkste und energiereichste Modell der Reihe, entsprechend vielversprechend klingen die Eckdaten. Dank der größeren Batterie soll der Leaf 624 Kilometer weit kommen, dabei im Durchschnitt 14,7 kWh Energie pro 100 Kilometer Fahrstrecke verwerten. Theoretisch eine gute Basis.
Fahrzeugdaten
Modell | Nissan Leaf |
|---|---|
Motor Bauart | Synchronelektromotor |
Einbaulage | vorn |
Spitzenleistung | 160 kW (217 PS) |
maximales Drehmoment | 355 Nm |
Dauerleistung | 70 kW (95 PS) |
Vmax | 160 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 235/45 R 19 V |
Reifentyp | Hankook iOn evo EV |
Radgröße | 7,5 x 19" |
Reichweite* | 624 km |
Verbrauch* | 14,7 kWh/100 km |
Ladeanschluss | vorn rechts |
Batterieart | Lithium-Ionen |
Batteriekapazität (netto) | 75,1 kWh |
Ladeleistung (AC/DC) | 11/150 kW |
DC-Ladedauer (20-80%) | ca. 30 Minuten |
Vorbeifahrgeräusch | 61 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 975/750 kg |
Stützlast | 75 kg |
Kofferraumvolumen | 437–1052 l |
Länge/Breite/Höhe | 4350/1810–2098**/1550 mm |
Radstand | 2690 mm |
Grundpreis | 41.200 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 48.000 Euro |
WLTP-Reichweite wird deutlich verfehlt
Und in der Praxis? Sie ahnen es: Nicht ganz so gut. Das Verbrauchsversprechen hält der Kompakte nämlich nicht ein, hat auf der AUTO BILD-Runde über 18 kWh durchgeheizt. Daraus ermitteln wir maximal 431 Kilometer Aktionsradius. Das ist für die Liga passabel, doch nicht herausragend.

Im Test schaffte der Leaf 431 Kilometer mit einer Akkuladung. An sich ganz passabel, laut WLTP soll er aber bis zu 624 Kilometer weit kommen.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Das gilt auch für das Ladekönnen des Nissan. An der Wallbox zapft er mit maximal 11 kW Leistung Wechselstrom nach, am Schnelllader sind 150 kW möglich. Zum Vergleich: Ein Mercedes CLA schafft mehr als das Doppelte. Entsprechend sind die Ladezeiten (schnellste Variante 10 bis 80 Prozent in rund 30 Minuten) nicht berauschend. So weit die Einordnung an der Steckdose.
Auf der Straße darf sich der neue Leaf deutlich höher positionieren. Schließlich summt er mit Schwung und Eleganz durch den Alltag. Er beschleunigt nachdrücklich und gleichförmig, läuft leise auch bei höherem Tempo. Bis 160 km/h Spitze "erlaubt" Nissan, die sind zügig erklommen.

Problemlos: Die Vorderräder bringen die 355 Nm des Elektromotors gut auf die Straße. So geht es in 7,4 Sekunden auf Tempo 100. Maximal sind 160 km/h drin.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Dabei fühlt sich der Leaf satt und verbindlich mit der Straße verbunden an, läuft einwandfrei geradeaus. Trotz Frontantrieb (im Maximum schickt die Elektromaschine 355 Newtonmeter Drehmoment in Richtung Einganggetriebe) bringt er die Kraft gut auf die Straße.
Bremsen mit Optimierungspotenzial
In Kurven spürt man die Seitenneigung der Karosserie und das Gewicht des Leaf – er bringt bei kompakten 4,35 Meter Außenlänge immerhin rund 1,9 Tonnen auf die Waage. Dennoch meistert er Ausweichversuche sehr fahrstabil.

Das ESP agiert schnell und sorgfältig, hält den Leaf beim Ausweichen sicher in der Spur. Die Bremsen dürften dagegen gerne effektiver sein.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Messwerte
Modell | Nissan Leaf |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 3,2 s |
0–80 km/h | 5,4 s |
0–100 km/h | 7,4 s |
0–130 km/h | 11,6 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 3,6 s |
80–120 km/h | 4,7 s |
Leergewicht/Zuladung | 1911/489 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 55/45 % |
Wendekreis links/rechts | 11,3/11,3 m |
Sitzhöhe | 625 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 36,4 m |
aus 100 km/h warm | 36,7 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 55 dB(A) |
bei 100 km/h | 65 dB(A) |
bei 130 km/h | 68 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 14,6 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 18,2 kWh/100 km (+23 %) |
Sportverbrauch | 24,3 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 431 km |
Dynamik ist also nicht sein Hauptfach. Eher Komfort. Denn er ist bequem, bietet nicht zu eng geschnittene Sitzergonomie, die Polster stützen Rücken und Po optimal. Aktive Fahrer vermissen eine schlüssige Einbindung ins Auto – es sitzt sich etwas aufgebockt und frei stehend in Reihe eins.
Moderner und feiner Innenraum
Im Innenraum geht es dank sorgfältiger Stoffbespannung der oberen Verkleidungselemente modern und fein zu. Statt Mitteltunnel gibt es einen luftigen Fußraum, reichlich Fächer und Ablagen nehmen Smartphones und Kleinkram auf. Gleichzeitig führt das nach vorn gerückte Armaturenbrett zu einem angenehm Van-artigen Raumgefühl. Schade: Hinten sitzt man aufgrund der ausgeprägten Außenkonturen der Fondlehne leicht eingedreht, große Schuhe passen kaum unter die Vordersitze.

Schnörkelloses Interieur: große Bildschirme, dazu feste Tasten – im Prinzip ein gut sortiertes Cockpit. Auch das Raumgefühl passt.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Für den Fahrer nicht angenehm: Er muss das Auto gut abschätzen lernen, die Übersicht ist mäßig. Auf der ebenso schrägen wie flachen Heckscheibe sammeln sich Wassertropfen, einen Heckwischer gibt es nicht, das erschwert den Ausblick. Trost: Eine Rundumkamera baut Nissan serienmäßig ins Auto, die assistierte Überwachung (Stau, Querverkehr etc.) ist brauchbar vorhanden.
Wertung Nissan Leaf
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Im Fond eng, Kofferraumgröße und Zuladung durchschnittlich, unübersichtliches Auto. | 3 / 5 |
Antrieb | Gute Fahrleistungen, passabler Verbrauch. Vmax schwach, Bremsen nur Mittelmaß. | 4 / 5 |
Fahrdynamik | Fahrsicher: Lenkung indirekt, dafür sauberer Geradeauslauf. Größerer Wendekreis, mäßige Bremsen | 3,5 / 5 |
Connected Car | Gute Smartphone-Anbindung, Navi mit Google-Vernetzung. Bedienung gewöhnungsbedürftig. | 4,5 / 5 |
Umwelt | Für die Klasse ein schweres Auto (1,9 Tonnen). Insgesamt guter Verbrauch, breite Karosseriemaße. | 4 / 5 |
Komfort | Federung universell, insgesamt leise, Sitze kommod, gute Ausstattung, wohnlicher Innenraum | 3,5 / 5 |
Kosten | Als Evolve gut ausgerüstet, so aber fast 50.000 Euro teuer. Fixkosten hoch, sehr lange Garantie. | 3 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 1,8 |
Das passt zu den anderen zuvorkommenden Eigenschaften des Leaf. Er ist als Evolve ab Werk gut ausgestattet, bietet ein modernes Multimediasystem mit aktueller, hochwertiger Vernetzung. Allerdings sind uns Schrullen aufgefallen.
Die Telefon-Übertragung passiert per Lautsprecher in den Kopfstützen, dabei läuft das Radio weiter – ein irritierender Ton-Mix. Außerdem sind manche Bedienschritte ausschließlich über kleine Tasten (reichlich davon vorhanden) in den Lenkradspeichen möglich. Tipp: Nicht zu sehr ablenken lassen – sonst schimpft der Leaf.
Die wichtigsten Fragen zum Nissan Leaf
Wie weit kommt der Leaf mit einer Akkuladung?
Im Test erreichte der Nissan Leaf schaffte Nissan bei einem Verbrauch von 18,2 kWh/100 km im Durchschnitt 431 Kilometern. Damit bleibt er bleibt deutlich hinter der WLTP-Angabe von 624 Kilometern zurück.
Wie schnell lädt der Leaf?
An Schnellladesäulen lädt der Leaf mit bis zu 150 kW. Um den Akku von 10 auf 80 Prozent zu füllen, dauert es unter optimalen Bedingungen rund 30 Minuten.
Wie fährt sich der Leaf?
Der kompakte Stromer überzeugt mit leisem Antrieb, angenehmem Fahrkomfort und guter Fahrstabilität. Auch in höheren Geschwindigkeiten bleibt er souverän und entspannt.
Welche Schwächen hat der Leaf?
Zu den Kritikpunkten zählen neben dem vergleichsweise hohen Preis die durchschnittliche Ladeleistung, die mäßige Rundumsicht sowie die Assistenzsysteme, die häufig mit akustischen Warnungen eingreifen.
Service-Links






















