Nissan Qashqai 1.5 e-Power: Test
Sparsam, kräftig, anders: Nissan Qashqai mit spziellem Hybridsystem

Nissan hat den Antrieb des im Qashqai e-Power überarbeitet. Was bringt das spezielle Hybridsystem? AUTO BILD hat es getestet.
Bild: Uli Sonntag / AUTO BILD
Er ist ein bisschen anders als viele andere Kompaktvans, dieser Nissan Qashqai. Und das liegt an seinem Antrieb, einem speziellen Hybridsystem mit einem E-Motor und einem Benziner, der ausschließlich der Stromerzeugung dient.
Aber der Reihe nach. Die aktuelle Qashqai-Auflage wird seit 2021 gebaut, 2024 gab es ein Facelift, und jetzt hat Nissan noch mal den Antrieb überarbeitet. Der Qashqai ist ein klassischer Kompaktvan, mit 4,43 Meter Länge, 1,84 Meter Breite und 1,63 Meter Höhe passt er genau ins aktuell ja äußerst beliebte Segment.
Keine Experimente beim Design
Das Design ist sauber und mit stimmigen Proportionen gezeichnet. Auffälligstes Element ist noch der riesige, trapezförmige Kühlergrill, der in den Stoßfänger übergeht. Die Scheinwerfer sind wie üblich schmal geschnitten.

Sachlich und modern: Das Blechkleid des Nissan Qashqai ist stimmig proportioniert. Am auffälligsten ist der riesige Kühlergrill.
Bild: Uli Sonntag / AUTO BILD
An der Flanke gibt es in schwarzem Kunststoff gehaltene Schweller und Radkästen-Einfassungen sowie am Heck einen großen Dachspoiler und zackige Rücklichter. Das ganze Ensemble wirkt sachlich bis modern, ohne irgendwie überzeichnet zu sein.
Eingeschränktes Platzangebot im Fond
Vorn ist das Platzangebot klassenüblich geräumig, die Sitze sind eher zierlich geschnitten, bieten ausreichend Seitenhalt, ganz gemütlich. Nur die Beinauflage ist ziemlich kurz und auch nicht verlängerbar. Im Fond ist der Raum vergleichsweise knapp bemessen, besonders der Platz für lange Beine etwas eingeschränkt.

In Reihe zwei des Qashqai wird es für größere Passagiere schnell knapp vor den Knien. Zudem sitzt man hinten etwas zu flach.
Bild: Uli Sonntag / AUTO BILD
Umso besser ist aber die ordentliche Kopffreiheit. Man sitzt hinten etwas (zu) flach über dem Boden, auf den strammen Polstern insgesamt aber angenehm.
Fahrzeugdaten
Modell | Nissan Qashqai 1.5 e-Power |
|---|---|
Motor Bauart | Elektromotor + Dreizyl., Turbo |
Einbaulage | vorn quer |
Leistung Elektromotor | 151 kW (205 PS) |
max. Drehmoment Elektromotor | 330 Nm |
Leistung Verbrennungsmotor | 116 kW (158 PS) |
max. Drehmoment Verbrennungsm. | 237 Nm |
Hubraum | 1498 cm³ |
Vmax | 170 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 235/55 R 18 V |
Reifentyp | Goodyear Eagle F1 Asymm. 5 |
Radgröße | 7 x 18" |
Abgas CO2* | 104 g/km |
Verbrauch* | 4,5 l S/100 km |
Tankinhalt | 55 l |
Kraftstoffsorte | Super |
Partikelfilter | Serie |
Vorbeifahrgeräusch | 64 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 750/750 kg |
Stützlast | 100 kg |
Kofferraumvolumen | 455–1440 l |
Länge/Breite/Höhe | 4425/1835–2084**/1625 mm |
Radstand | 2665 mm |
Grundpreis | 40.180 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 43.250 Euro |
Der Kofferraum schluckt 455 bis maximal 1440 Liter, nicht überragend, ordentlich. Die Fondlehne ist zweigeteilt umlegbar, eine Durchreiche gibt es nicht. Es entsteht eine ebene, gut nutzbare Ladefläche. Die maximale Zuladung liegt bei stattlichen 538 Kilogramm, sehr gut vor allem noch die hohe Stützlast von 100 kg – Besitzer von E-Bikes zum Beispiel werden das zu schätzen wissen.
Bedienung gelingt problemlos
Eingerichtet ist der Qashqai durchdacht und unaufgeregt, dazu ordentlich verarbeitet. Das digitale Cockpit, ab N-Connecta 12,3 Zoll groß, lässt sich in drei Layouts konfigurieren, jedes Mal in schöner Optik und gut ablesbar. Auch der Touchscreen in der Mitte ist 12,3 Zoll groß, die Menüs sind umfangreich, aber logisch sortiert. Nur die Icons sind ziemlich klein.

Arbeitsplatz: Der Qashqai ist durchdacht eingerichtet und ordentlich verarbeitet. Echte Schalter und Tasten erleichtern die Bedienung.
Bild: Uli Sonntag / AUTO BILD
Google ist an Bord, mit Maps, Assistant und Play, dazu drahtlos Apple CarPlay und Android Auto. Bei der N-Connecta-Ausstattung gehört zum Beispiel ein Around View Monitor mit 3D-Funktion zum System, der etwa auch ein Bild mit der "durchsichtigen" Motorhaube liefert.
Eine gute Nachricht ist grundsätzlich die problemlose Bedienung mit einer gelungenen Mischung aus Touchscreen und jeder Menge mechanischer Tasten und Schalter. Schön zum Beispiel auch die separate Bedienungseinheit fürs Klima.
Dreizylinder als Generator
Die große Besonderheit des Qashqai ist, wie gesagt, sein Antrieb, von Nissan e-Power genannt. Nach der Überarbeitung liegt die maximale Leistung des Systems – im Sportmodus – bei 205 PS statt bisher 190 PS. Ein E-Motor treibt die Vorderräder an, den Strom für die kleine Batterie (unverändert 2,1 kWh groß) liefert ein Generator, der von einem neuen 1,5-Liter-Dreizylinder-Turbo-Benziner mit 158 PS angetrieben wird. Der Strom kann auch, je nach Fahrsituation, direkt an den E-Motor fließen.

Unter der Haube ist es voll. Zum 205 PS starken Hybridsystem gehören E-Motor, 1,5-Liter-Benziner und eine kleine Batterie.
Bild: Uli Sonntag / AUTO BILD
Der Benziner arbeitet mit einem speziellen Verbrennungskonzept (STARC). Dabei geht es im Wesentlichen um eine optimierte Luftströmung im Zylinder mit starker Verwirbelung und eine kontrollierte Zündung – was zu einem hohen thermischen Wirkungsgrad führt und einen niedrigeren Verbrauch verspricht. Das Ganze soll sich wie ein E-Auto fahren – das aber eben nicht an der Ladesäule geladen werden muss. Nissan sagt, das System sei etwas für Leute, die sich noch nicht ganz an einen reinen E-Antrieb herantrauen.

Ordentlich: Dank des linear beschleunigenden Elektromotors geht der Qashqai völlig ruckfrei in 7,6 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100.
Bild: Uli Sonntag / AUTO BILD
Klingt vielleicht kompliziert, funktioniert aber völlig reibungslos und bleibt im Alltag erstaunlich unauffällig. Der Nissan tritt aus dem Stand etwas verhalten an, zieht dann aber kräftig und zügig durch. Der Elektromotor beschleunigt eben völlig ruckfrei und linear. Im Test schaffte der Qashqai den Standardsprint von null auf 100 km/h in 7,6 Sekunden, abgeregelt wird bei Tempo 170.
Messwerte
Modell | Nissan Qashqai 1.5 e-Power |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 3,4 s |
0–100 km/h | 7,6 s |
0–130 km/h | 12,2 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 3,5 s |
80–120 km/h | 4,7 s |
Leergewicht/Zuladung | 1642/538 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 62/38 % |
Wendekreis links/rechts | 11,5/11,5 m |
Sitzhöhe | 675 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 36,0 m |
aus 100 km/h warm | 34,1 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 58 dB(A) |
bei 100 km/h | 66 dB(A) |
bei 130 km/h | 70 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 4,3 l S/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 6,5 l S/100 km (+44 %) |
Sportverbrauch | 9,9 l S/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 154 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 846 km |
Die Rekuperation ist in zwei Stufen verstellbar und arbeitet grundsätzlich ziemlich kräftig, was wir als angenehm empfunden haben. Es gibt auch einen One-Pedal-Modus – allerdings nicht bis zum Stillstand.
Verbräuche unter fünf Liter sind drin
Der Dreizylinder-Benziner meldet sich stets ziemlich schnell zu Wort – die Batterie ist sehr klein –, stört aber sonst nicht weiter. Eigentlich hört man ihn nur im Stand vernehmlich, etwa an der Ampel. Er klingt dabei durchaus kernig, ist aber gut gedämmt. Auch das hat Nissan verbessert. Die bei Tempo 130 gemessenen 70 dB(A) etwa sind angenehm leise.

Bild: Uli Sonntag / AUTO BILD
Und was bringt der ganz Aufwand für den Verbrauch? Nun, der lag im Test bei 6,5 Litern/100 km, die Reichweite damit bei 846 Kilometern. Bewusst sparsam und zurückhaltend gefahren, also flüssig, vorausschauend, aber nicht als Verkehrshindernis, haben wir übrigens 4,3 Liter gemessen. Klingt alles sehr gut, finden wir.
Akustisch und auch vom Fahrgefühl her benimmt sich der Qashqai mehrheitlich wie ein E-Auto, fährt sich mit seinen 1,6 Tonnen Gewicht mühelos und dabei manchmal auch schneller als gedacht. Sportliche Ambitionen hegt er dabei aber bestimmt nicht, er bleibt eher gelassen, zumal auch das ESP schnell und beherzt eingreift.
Wertung Nissan Qashqai 1.5 e-Power
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Platz vorn geräumig, hinten im Vergleich knapp. Kofferraum Durchschnitt, solide Verarbeitung. | 3 / 5 |
Antrieb | Reibungsloser Antrieb, fährt sich wie ein E-Auto. Anständige Fahrleistungen, niedriger Verbrauch. | 4 / 5 |
Fahrdynamik | Sicheres, gutmütiges Fahrverhalten, beherztes ESP. Lenkung passend zum Auto, gute Bremsen. | 3,5 / 5 |
Connected Car | Displays mit schöner Optik. Multimedia mit Google, Navi und Spracheingabe sehr ordentlich. | 4,5 / 5 |
Umwelt | Hybridkonzept funktioniert tadellos, Größe und Gewicht des Qashqai liegen nicht zu hoch. | 3 / 5 |
Komfort | Sitze vorn zierlich, hinten flache Rückbank. Kommode Federung, umfangreiche Assistenzsysteme. | 3,5 / 5 |
Kosten | Im Umfeld durchschnittlicher Preis, ungünstiger Restwert. Wartung jährlich, drei Jahre Garantie. | 3 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 2,1 |
Die kommode Federung ist weich ausgelegt, gefühlt leicht schaukelig. Und die Lenkung passt ganz gut zum Auto. Sie spricht zwar leicht verzögert an und wirkt immer noch etwas entkoppelt – aber lange nicht mehr so teigig und synthetisch wie bei früheren Qashqai, klare Verbesserung. Gut hinbekommen hat Nissan auch die Bremsen. Der Qashqai stand beim Stopp aus 100 km/h mit warmem System nach 34,1 Metern – ein ziemlich guter Wert.
Preisliste beginnt bei 40.180 Euro
Den Nissan 1.5 e-Power gibt es ab 40.180 Euro, in der bewerteten Testwagen-Ausstattung summiert sich das auf 43.250 Euro. Steuer und Versicherung halten sich im Rahmen, es gibt ein jährliches Wartungsintervall und nicht zu vergessen drei Jahre Garantie. Zum Redaktionsschluss starteten die Leasing-Angebote des Herstellers bei 259 Euro. Das wiederum klingt doch ziemlich normal.
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