Gebrauchte Oberklasse-Kombis
Premium in Bestform: fünf gebrauchte Edel-Kombis im Check

Komfortabel, hochwertig, fahraktiv: Diese fünf Premium-Kombis gehören auch als Gebrauchte noch zu den Traumwagen ihrer Klasse.
Bild: Christoph Boerries / AUTO BILD
Es gibt Autos, da zählt jedes Detail, denn ihre Klientel ist anspruchsvoll. Geschäftsführer, Vorstände oder Vielfahrer mit großem Budget entscheiden sich oft aus Understatement-Gründen für die feinen Premium-Kombis. Auf den Komfort der Luxusklasse müssen sie dabei nicht verzichten: Die kraftvollen Antriebe sind besonders sorgfältig abgestimmt. Optional gibt es in diesem Segment auch Edel-Goodies wie High-End-Infotainment, belüftete Massagesessel oder Luftfederfahrwerke.
Auch die großzügigen Platzverhältnisse machen Audi A6 Avant, BMW 5er Touring, Jaguar XF Sportbrake, Mercedes E-Klasse T-Modell und Volvo V90 zu smarten Allzweck-Tools. Wer nach Feierabend Gartenabfälle, Fahrräder, Golfbags oder Wassersport-Ausrüstung transportieren muss, wird auch dann die Qualitäten dieser Edel-Laster zu schätzen wissen.
Als Gebrauchtkäufer sollten Sie allerdings auch anspruchsvoll bleiben; hier befindet sich besonders viel und teure Technik an Bord. Die sollte auch über das zweite Leben hinweg ohne kostspielige Ausfälle funktionieren. Günstiger sind diese fünf nach ein paar Jahren auf jeden Fall. Wirklich billig aber noch lange nicht.
Audi A6 Avant: der Musterschüler in seiner Klasse
- Bauzeitraum: 2018 bis 2025
- Leistung: 163 bis 630 PS
- Preise: ab 21.000 Euro
Fällt Ihre Wahl gleich auf unseren ersten Kandidaten, können wir Ihnen bereits gratulieren: Mit dem A6 Avant kann man schnell glücklich werden. Generation C8 ist ein piekfeiner Typ, den die Ingolstädter mit besonders viel Liebe zum Detail konstruiert haben. Schon kurz nach dem Dauertest des A6 Avant 40 TDI vermissten wir den effizienten und fein säuselnden Diesel auf langen Dienstreisen. Kommentare aus der Redaktion: "Mehr benötige ich im Alltag gar nicht." Oder: "Schon der Vierzylinder-Diesel langt vollkommen."

Ein Audi A6 Avant 40 TDI erreichte im AUTO BILD-Dauertest die Note 1. Kritik gab es für den 2.0 TDI mit 204 PS. Der top gedämmte und sparsame Diesel nahm sich beim Anfahren stets etwas mehr Zeit.
Bild: Christoph Boerries / AUTO BILD
Dass der Kombi mit adaptiven Dämpfern, Matrix-Scheinwerfern und Mikrofaser-Leder-Kombi neu 78.000 Euro kostete, spricht nicht gerade für unsere Bescheidenheit. Allerdings geht es noch deutlich teurer. Wer in den Genuss einer Wandlerautomatik kommen möchte, muss einen der starken Sechszylinder-Diesel wählen – oder den mindestens 600 PS starken RS 6. Alle anderen Antriebe kombinierte Audi mit der Doppelkupplung S tronic (7-Gang).
Schwachstellen: Die Tiptronic gilt als das solidere Getriebe mit den besseren Manieren, beim Sortieren der Gänge neigt die S tronic zu Geräuschen. Beim 48-Volt-Startergenerator konnte es durch eindringende Feuchtigkeit zu Ausfällen und Kurzschlüssen kommen. Mehr Aufwand beim Gebraucht-Check erfordern die Plug-in-Hybride: Bei 50 und 55 TFSI einen Akku-Check durchführen, der Zustand des Akkus mit bis zu 14,4 kWh (netto) ist für den Wert entscheidend (gilt für alle PHEV). Die Luftfederung verfügt im allroad (hier Serie) über vier verschiedene Höhenstufen. Die sollten zum Testen bei der Probefahrt alle angesteuert werden.
Das wird teuer: Besitzer ärgern sich in Foren über Infotainment-Fehler wie dauerhafte Display-Ausfälle und hohe Preise von Ersatz-Steuergeräten von über 3000 Euro.
BMW 5er Touring: der Traumkombi
- Bauzeitraum: 2017 bis 2024
- Leistung: 170 bis 530 PS
- Preise: ab 17.500 Euro
Der bayerische Bursche gehört zu den geschliffensten Kombis überhaupt. Dass er inzwischen durch den moderneren und größeren G61 abgelöst wurde, lässt die Tugenden des G31 nicht verblassen. Zudem besitzt er als letzter 5er Touring den Charme der getrennt zu öffnenden Heckscheibe – die musste der Nachfolger ablegen. Als Vorfacelift Touring absolvierte ein 540i den AUTO BILD-Dauertest mit der Note 3. Ein Defekt am Lenkgetriebe, Risse in der Hardyscheibe und Fehler am Nockenwellenversteller sorgten für das Durchschnitts-Ergebnis. Trotzdem beeindruckte der Touring mit viel Komfort, seinem tollen Reihensechser-Benziner, der trotz Allrad keineswegs versoffen war.

BMW 530d Touring: Der inzwischen abgelöste G30/G31 beeindruckte regelmäßig in Vergleichstests und gehört zu den besten Kombis überhaupt.
Bild: Christoph Boerries / AUTO BILD
Schwachstellen: Defekte Hardyscheiben (Kardanwelle) deuten sich durch Vibrationen oder Dröhnen an. Bei höherer Laufleistung kommt es gelegentlich zu Ölundichtigkeiten am Ventildeckel. Beim Touring die Luftfederung an der Hinterachse checken. Die Motoren gelten als solide, die Akkus der Hybride nicht.
Das wird teuer: Defekte Scheinwerfer sind beim TÜV Durchfall-Ursache Nummer 1. Richtig teuer wird der Spaß bei modernen Matrix-Lichtern. Noch extremer: Defektes Laserlicht – gab’s optional beim G30/31 ab dem Facelift (2020).
Jaguar XF Sportbrake: der Kombi-Exot
- Bauzeitraum: 2015 bis 2024
- Leistung: 163 bis 300 PS
- Preise: ab 15.000 Euro
Modelle von Alfa Romeo oder Maserati bereichern die Limousinen- und SUV-Vielfalt. Doch bei den großen Premium-Kombis gibt es nur eine Option, um sich von der breiten Masse abzusetzen. Und die nennt sich Jaguar XF Sportbrake. Die Motorenpalette des Briten fällt im Vergleich zu den Konkurrenten überschaubar aus, was kaum stört: Unter den Dieseln und Benzinern finden sich zwischen Vier und Sechszylindern sinnvolle Antriebe, Plug-in-Hybrid-Versionen gab es jedoch nie.

Zum Exotenstatus des Jaguar XF Sportbrake passt die anfällige Elektronik. Betroffen sein können Systeme wie Keyless Go oder die elektrische Heckklappe.
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
Mit bis zu 1700 Litern Ladevolumen, serienmäßigen Luftfedern hinten sowie Hinterrad oder Allradantrieb wirkt der XF erstaunlich ausgereift, so als würde Jaguar schon immer Kombis bauen. Doch das werden sie wohl nie wieder tun. Aktuell befindet sich die Marke in einer Umstrukturierungsphase hin zur Edel-Elektroschmiede. Der XF Sportbrake bleibt wohl ein Exot. Das große Facelift Ende 2020 brachte weniger optische, dafür umfassende technische Änderungen, etwa hochwertigere Materialien, ein moderneres Infotainment und viele Verbesserungen bei Geräuschdämmung und Fahrkomfort. Die Sechszylinder fielen außerdem weg, der Vierzylinder-Diesel (204 PS) war fortan ein Mildhybrid.
Schwachstellen: Komplizierte Bedienlogik des Touch Pro (ab Facelift Pivi Pro, deutlich optimiert). Elektronikpannen, etwa Ausfall des Keyless Go, betrifft auch spätere Modelle. Der Mildhybrid-Diesel arbeitet nicht sehr harmonisch.
Das wird teuer: Gelängte Steuerketten und sich auflösende Gleitschienen bei den Vierzylinder-Dieseln. Die Kette sitzt auf der Getriebeseite, das macht den Wechsel aufwendig, besonders bei Allradmodellen.
Mercedes E-Klasse T-Modell: der Gleiter
- Bauzeitraum: 2016 bis 2023
- Leistung: 150 bis 612 PS
- Preise: ab 15.500 Euro
Taxi-Charme oder unauffällige Business-Instanz? Darüber lässt sich im 220d vielleicht noch streiten. Doch auch als Vierzylinder mit vollkommen ausreichenden 197 PS nagelt sich dieser Kombi schnell als verlässlicher Alleskönner ins Gedächtnis. Ganz viel Platz, Top-Komfort und die markentypische Gelassenheit passen hervorragend in den Alltag von Vielfahrern. Befinden sich die Luftfederung Airmatic, Burmester-Sound, Multibeam-Scheinwerfer und der große Reihensechszylinder-Diesel mit an Bord (400d, 700 Nm!), dann fühlt sich dieser Kombi eher nach S-Klasse an – ein echter Gleiter eben.

Verlässlicher Alleskönner: Das Mercedes E-Klasse T-Modell passt hervorragend in den Alltag von Vielfahrern.
Bild: Christoph Boerries
Schwachstellen: Ab 2017 ersetzte Mercedes das Kühlmittel R1234yf durch eine CO2-Klimaanlage (R744). Durch höheren Betriebsdruck kann es häufiger zu Undichtigkeiten und mangelnder Kühlleistung kommen. Bei frühen OM-654-Dieseln konnten die Nadellager der Schlepphebel schnell verschleißen, teils mit Nockenwellen- und Motorschäden als Folge. Mitte 2018 besserte Mercedes nach.
Das wird teuer: Durch undichte Magnete der Nockenwellenversteller (besonders M-274-Benziner) kann Öl in den Kabelbaum gelangen, bis hin zum Motorsteuergerät. "Öl-Stopp-Kabel" helfen effektiv.
Volvo V90: der Stilist
- Bauzeitraum: 2016 bis 2025
- Leistung: 150 bis 455 PS
- Preise: ab 16.000 Euro
Der V90 verzichtet auf Effekthascherei und setzt stattdessen auf skandinavische Eleganz. Sein klares Design ist gut gealtert, Verarbeitung und Materialanmutung bewegen sich auf Premium-Niveau. Ein paar Abstriche muss man machen, etwa bei Stauraum oder Zuladung. In beiden Punkten bewegt sich der über 4,90 Meter lange Schwede nur auf Mittelklasse-Niveau. Auch Sechszylinder-Motoren hat der V90 nicht mehr zu bieten. Doch die Vierzylinder sind ordentlich abgestimmt und wirken in Kombination mit der Achtstufenautomatik harmonisch. V90-Fans sind dafür vom Reisekomfort und der entspannten Art begeistert – und werden den Kombi vermissen, denn einen Nachfolger wird es wohl nicht geben.

Der Volvo V90 verzichtet auf laute Auftritte, setzt auf Komfort, Sicherheit und Understatement. Diese zurückhaltende Eleganz macht den Schweden bis heute zu einer stilvollen Alternative.
Bild: Uli Sonntag / AUTO BILD
Schwachstellen: Das oft instabil laufende Infotainment-System wurde 2021 durch das viel bessere Sensus Connect abgelöst. Das oft klappernde Panoramadach nervt viele auch mit Undichtigkeit.
Das wird teuer: Der Haldex-Allradantrieb erfordert Ölwechsel, auch wenn kein Intervall im Serviceplan vorgesehen ist. Gerade bei Langläufern klären, ob das Öl bei Allradmodellen gewechselt wurde. Dauerhafter Abrieb im System kann eine Überholung der Haldex-Einheit erfordern.
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