Octopus Energy kannten E-Autofahrer bisher als Anbieter von günstigem Autostrom. Jetzt macht sich der britische Energie-Broker auch einen Namen als virtuelles Ladenetzwerk. Mit der App "Electroverse" samt dazugehöriger Ladekarte haben Elektroautofahrer europaweit Anschluss an mehr als 851.000 Ladestationen in 40 Ländern. "Das größte Ladenetzwerk Europas", sagt der Anbieter vom Electroverse. Als reiner Broker unterhält Octopus – ähnlich wie Plugsurfing und andere virtuelle Netzwerke – keine eigenen Ladestationen.

Ladevorgang per App beobachten und stoppen

Laut Octopus Energy deckt das offene Ladenetzwerk 80 Prozent des aktuellen Marktes an Ladesäulen ab. Die sehr übersichtliche App besteht im Wesentlichen aus einer Karte (Basis hierfür ist "Open Streetmap") sowie einer leicht verständlichen Legende der Ladepunkte je nach Ladeleistung. Es gibt auch einen Routenplaner sowie Filter für bestimmte Steckertypen (Typ 3, CCS, ChaDeMo) und die gewünschte Ladeleistung (schrittweise 0 bis 350 kW).

Lade-Apps der freien Anbieter

Testsieger
Sieger Bedienbarkeit
Günstigster Ladetarif
Sieger Funktionalität
ADAC
ADAC e-Charge/mobility+1
EnBW
mobility+ Ladetarif M
Shell
Shell Recharge
Elli
Elli Drive Highway
Charge&Fuel
Charge&Fuel Pro (Privatkunden)
EWE
EWE Go
Maingau
Maingau Autostrom Normalpreis
E.ON
E.ON Drive Comfort Flex
Charge Now
Charge Now Urban
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Gesamtpunktzahl: 100-81 Punkte = sehr gut; 80-61 Punkte = gut; 60-40 Punkte = befriedigend

1Tarif wird durch EnBW bereit gestellt, Angebot läuft aus zum 31. Juli 2024

Über die App lässt sich der Ladevorgang auch beobachten und stoppen. Angeschlossen sind unter anderem die HPC-Schnellladenetzwerke von EnBW, Allego und Ionity, aber auch viele lokale Stadtwerke und Energieversorger. Sogar einzelne Destination-Charger wie zum Beispiel Hotels gehören dazu. Insgesamt 950 Marken sind Partner von Octopus, Teslas Supercharger hingegen sind nicht Teil des Netzwerks.
Schnellladesäule von EnBW
Auch das größte deutsche Ladesäulen-Netzwerk von EnBW ist über die Octopus-Ladeapp angeschlossen.
Bild: DPA

Preise teils höher als beim Säulenbetreiber

Gegenüber markenoffenen Mitbewerbern hat der britische Strom-Broker den Vorteil der Transparenz: Die jeweiligen Strompreise sind beim Öffnen der App sofort auf einer interaktiven Landkarte per Fingertipps sichtbar. Es gibt allerdings einen kleinen Nachteil: Die Preise sind nicht einheitlich und stets ein wenig bis deutlich teurer als direkt beim Ladesäulenbetreiber. So gibt es lokale AC-Lader bei der Supermarktkette Lidl für 0,48 Euro pro Kilowattstunde, während der Discounter selbst dort nur 0,29 Euro kassiert.

Die besten E-Autos bis 48.000 Euro

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Bei der VW-Tochter Elli zahlt man über Octopus 0,79 Euro, während die Abrechnung bei Elli maximal 0,69 Euro pro kWh kostet. Beim superschnellen Ionity-Gleichstromlader kostet es 0,65 Euro pro kWh. Das ist billiger als der Ionity-Tarif für spontanes Laden, der 0,69 Euro beträgt. Allerdings gibt es auch einen Vielllader-Tarif bei Ionity, der mit minimal 0,39 Euro pro kWh und 7,99 Euro Monatsgebühr auf Vielllader abzielt.
Die App von Ocopus Energy ist wirklich gut gelungen: schnell im Aufbau, einfach in der Bedienung, transparent in der Preisabbildung. Mehr als 850.000 Ladesäulen in ganz Europa sind Teil des Netzwerks, gut und schön. Doch leider macht auch das "Electroverse" einmal mehr deutlich, wie uneinheitlich die Tarife für Öffentliches Laden sind – und wie dringend da reguliert werden müsste, damit echter Wettbewerb entsteht. Eine einzige App mit günstigen Einheitstarifen für alle Ladepunkte, das wär's. Aber auch Electroverse hat längst nicht alle Ladesäulen im Angebot, und natürlich schlägt auch dieser Broker Provision auf die Stromtarife drauf – wie sollte er auch nicht? Preisbewussten Elektroautofahrern bleibt also nur, diese und viele weitere Apps auf dem Smartphone zu speichern, um im Fall des Falles – in unbekanntem Revier auf der Suche nach günstigem Ladestrom – den möglichst niedrigsten Tarif abzugreifen. So gesehen, ist die Electroverse-App keine "Killer-Application", die alle anderen überflüssig macht. Sondern nur eine weitere "nice to have".