Alle werden älter – auch unsere Oldtimer. Zeit, Witterung und mechanischer Verschleiß hinterlassen ihre Spuren. Dieser Alterungsprozess lässt sich zwar nicht stoppen, aber verlangsamen. Es gibt viele kleine Dinge, die das Leben unserer Klassiker verlängern können.
Klar ist: Wer seinen Oldtimer liebt, fährt und pflegt ihn am besten regelmäßig. Häufiges Fahren macht nicht nur Spaß, es schützt den Oldie auch vor klassischen Standschäden. Eine sanfte und vorausschauende Fahrweise schont Motor, Getriebe und Fahrwerk. Wer dann auch noch ab und zu mal bei der Technik nach dem Rechten schaut, verhindert Reparaturstau schon im Ansatz. Mindestens einmal im Jahr sollte der Klassiker auf die Hebebühne, um ihn von unten zu inspizieren. Rost und Schmutz, der Feuchtigkeit bindet, bleiben so nicht länger im Verborgenen und können sofort entfernt werden. Das gilt auch für Flüssigkeiten, die dort nicht hingehören und auf Undichtigkeiten hinweisen.
Die meisten der 50 Pflegetipps auf den folgenden Seiten erfordern keine großen Schrauberkenntnisse. Bei Arbeiten an Bremsen und Elektrik sollte der Profi ran – auch das erhöht die Chance, noch lange Freude mit dem Oldtimer zu haben.

Bewusst fahren

1. Drehzahl

Hohe Drehzahlen und Ausdrehen der Gänge sind ebenso wie untertouriges Fahren eine unnötige Belastung für den Motor. Untertouriges Fahren kann zu unsauberer Verbrennung führen.

2. Kantsteine

Wer einen hohen Kantstein zu schnell und im stumpfen Winkel überfährt, riskiert ein Verstellen der Achsgeometrie.

3. Öl und Wasser

Vor Fahrtbeginn grundsätzlich Motoröl und Kühlwasser kontrollieren. Zu niedrige Füllstände können jeweils zu Motorschäden führen.

4. Öldruck

Besonders nach langer Standzeit das Zündspulenkabel vom Verteiler abziehen und den Motor drehen lassen, bis sich Öldruck aufgebaut hat.

5. Temperatur

Den Motor schonend warmfahren und auf hohe Drehzahlen verzichten, bis das Motoröl auf Betriebstemperatur ist. Nach Möglichkeit auf Kurzstrecken verzichten.
Service: Oldtimer-Pflege Tipps & Tricks
Lieber mal auf den Hänger bei längeren Anreisen, um den Verschleiß so gering wie möglich zu halten.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD

6. Trailer

Extrem lange Strecken – womöglich auf der Autobahn – sind auf Dauer für Mensch und Maschine ermüdend. Die Anreise zu weit entfernten Veranstaltungen darf daher auch gern mal per Trailer stattfinden.

Sicher abstellen

7. Abstand

Beim Parken auf öffentlichen Parkplätzen immer genug Abstand zum Nebenmann halten, um Dellen durch aufschwingende Türen zu vermeiden.

8. Schatten

UV-Licht gehört zu den größten Feinden unserer Autos. Also nicht in der prallen Sonne parken, sondern lieber im Schatten von Bäumen und Gebäuden. Das schont Lack und Kunststoffe. Eine Abdeckung fürs Armaturenbrett verhindert, dass sich der meist schwarze Kunststoff extrem erhitzt

9. Stellplatz

Eine beheizte und gut belüftete Garage bietet den besten Schutz vor Kondensfeuchtigkeit durch starke Temperaturwechsel und Witterungseinflüsse. Dauerhaftes Parken an der Straße beschleunigt den Alterungsprozess.

Karosserie und Innenraum

10. Abläufe

Wenn sich in Abläufen Schmutz sammelt und Wasser staut, führt das unweigerlich zu Rost. Also alle Abläufe vorn, hinten und in den Türen prüfen und freimachen.

11. Chrom

Ohne Pflege bilden sich feine Risse. Wasser und Sauerstoff können dann unschöne Oxidationen verursachen.

12. Fußraum

Oft dringt Wasser in den Innenraum ein und bleibt unter den Fußmatten unentdeckt. Öfter mal nachschauen, damit es weder riecht noch rostet.

13. Gummi

Um Gummi vor dem Aushärten und Verspröden zu schützen, sollte es mit geeigneten Pflegemitteln wie einem Glycerinstift gepflegt werden.

14. Hohlräume

Feuchtigkeit und Schmutz sorgen oft für Rost in Hohlräumen. Den besten Schutz dagegen bietet besonders kriechfähiges Fett.

15. Kunststoffe

Plastikteile verlieren ihre Weichmacher und werden spröde. Tiefenreiniger kann diesen Vorgang verlangsamen. Scharfe Reinigungsmittel beschleunigen ihn.
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Auf Plastik gilt: Tiefenreiniger statt scharfer Reinigungsmittel.
Bild: Ralf Timm / AUTO BILD

16. Lack

Der Lack dient als Schutzhaut für das Blech unserer Oldtimer. Vogelkot und tote Insekten am besten sofort entfernen, damit sie den Lack nicht angreifen können. Als Schutz Wachs auftragen, damit Regen leichter abperlt und Dreck nicht richtig auf dem Lack haften kann. Außerdem glänzt der Lack dann länger.

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    17. Scheiben

    Kratzer lassen sich oft wegpolieren. Beim Reinigen sanfte Mittel verwenden, um die Dichtungen und die Oberfläche des Armaturenbretts zu schonen. Auch der Sprühnebel von alkoholhaltigem Glasreiniger fördert den Verlust von Weichmachern.

    18. Schiebedach

    Alle beweglichen Teile sollten gut geölt oder gefettet sein, damit der Antrieb beim Öffnen möglichst wenig Widerstand hat. Dichtungen mit Pflegemittel behandeln, Schmutz entfernen und unbedingt die Abläufe kontrollieren.

    19. Schlösser

    Der Schlüssel muss immer ins Schloss flutschen und sich ohne Widerstand drehen lassen. Wenn es hakt, niemals Gewalt anwenden, sondern Graphit- oder Waffenöl reinsprühen.

    20. Sitze

    Stoffsitze regelmäßig absaugen und zum gründlichen Säubern mit Polsterreiniger einsprühen. Etwas teurer, aber sehr wirksam ist die Reinigung mit Trockeneis. Ledersitze immer nur mit speziellem Reiniger und Pflegemittel behandeln, damit ihre Patina möglichst lange erhalten bleibt.

    21. Verdeck

    Stoffverdecke am besten mit Schwamm und Bürste von Hand waschen. Starke Verschmutzungen wie Vogelkot und Baumharz sofort entfernen. Milchige Scheiben mit Plexiglas- oder Scheinwerferpolitur bearbeiten, das Verdeck imprägnieren, Gelenke ölen, Dichtungen pflegen, das Verdeck nicht im nassen Zustand in den Verdeckkasten packen.

    Unterboden und Radhäuser

    22. Bremsleitungen

    Bremsleitungen auf Risse und Undichtigkeit prüfen.

    23. Innenkotflügel

    Innenkotflügel schützen das Blech in den Radhäusern vor Steinschlag und Schmutz, machen aber eigentlich nur Sinn bei Klassikern, die als Alltagsauto im Einsatz sind.
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    Einige ältere Oldtimer haben noch Schmiernippel, die in den Handbüchern festgelegte Intervalle zum Abschmieren erfordern.
    Bild: Christoph Börries / AUTO BILD

    24. Schmiernippel

    Einige Oldtimer haben noch die guten alten Schmiernippel, die in bestimmten Intervallen abgeschmiert werden müssen. Der Schmierplan ist im Fahrzeug-Handbuch zu finden.

    25. Unterbodenschutz

    Nach gründlicher Reinigung den Unterboden konservieren. Transparenter Unterbodenschutz sieht besser aus und zeigt bei einem möglichen Verkauf des Wagens, dass es keinen versteckten Rost gibt. Kanten am besten mit Fett schützen.

    Motor und Antrieb

    26. Abgasanlage

    Auspuff und Co können richtig alt werden, solange der Wagen nicht allzu häufig Kurzstrecke fährt. Dann bildet sich Kondenswasser und irgendwann Rost im Auspuff. Dauerhafte Abhilfe schaffen Abgasanlagen aus Edelstahl.

    27. Antriebswellen

    Wer einen Fronttriebler fährt, sollte bei starkem Lenkeinschlag möglichst schonend anfahren.

    28. Automatik

    Regelmäßig das Automatiköl kontrollieren und dabei auch auf Verfärbung und Geruch achten. Ein "Anziehen" von Automatikwagen ist nur bei wenigen Modellen mit Sekundärölpumpe möglich. Den Wählhebel nicht während des Rollens auf P schalten, sondern erst, wenn der Wagen steht.

    29. Einspritzanlage

    Lange Standzeiten sind einer der Hauptgründe für Probleme mit mechanisch funktionierenden Einspritzanlagen. Ebenso wie Verschmutzungen. Daher regelmäßig die Benzinfilter tauschen. Reparaturen sollte nur ein Profi vornehmen.

    30. Kühlsystem

    Auch wenn der Oldie nur in den Sommermonaten bewegt wird – Frostschutzmittel im Kühler muss sein, denn es beugt auch Korrosion vor. Thermische Probleme lassen sich in vielen Fällen durch eine Reinigung des Kühlsystems beheben.

    31. Kupplung

    Kann bei richtiger Bedienung sehr lange halten. Also immer sauber ein- und auskuppeln, nicht mit schleifender Kupplung fahren. Während der Fahrt den linken Fuß nicht auf dem Pedal lassen, an der Ampel in den Leerlauf schalten statt bei eingelegtem Gang permanent die Kupplung zu betätigen.

    32. Motorlager

    Motorlager sind sehr langlebig. Gummilager verlieren mit den Jahren an Elastizität, Hydrolager sollten auf Ölverlust kontrolliert werden. Extrem hohe Drehzahlen und untertouriges Fahren belasten die Motorlager am stärksten. Defekte Motorlager können Schäden durch heftige Vibrationen verursachen.

    33. Motoröl

    Auch wenig gefahrene Oldtimer sollten jedes Jahr frisches Motoröl bekommen und einen neuen Ölfilter gleich dazu. Ölwechsel idealerweise vor der Standzeit im Herbst. Zu wenig Öl schadet dem Motor ebenso wie zu viel. Immer das Öl verwenden, das der Oldtimer schon als Neuwagen haben sollte.

    34. Getriebeöl

    Öl schützt das Getriebe vor Verschleiß und Überhitzung. Ab und zu die Füllmenge des Getriebeöls kontrollieren und auch einen Wechsel vornehmen, wenn das noch nie geschehen ist. Gleiches gilt für Differenziale.

    35. Schaltgetriebe

    Immer sauber und nur bei vollständig getrenntem Kraftschluss schalten. Das klassische "Gängereißen" bei sportlicher Fahrweise maximiert den Verschleiß.

    36. Tank

    Bei längeren Standzeiten den Tank voll machen. Dann kann sich kein Kondenswasser bilden, auch Rostbildung wird so verhindert. Weil die Kontaktfläche von Kraftstoff und Luft im Tankstutzen viel kleiner ist als im halb vollen Tank, vermindert ein voller Tank die Alterung des Kraftstoffs.

    37. Turbo

    Vor dem Start sollte der Motor etwa 30 Sekunden laufen, bis alle Stellen im Lader mit Öl versorgt sind. Frühe Turbolader sollten vor dem Abstellen des Motors nach scharfer Fahrt eine Zeit lang im Leerlauf laufen, um den Lader abzukühlen. Das verhindert die Bildung von Verkokungen, reduziert den Verschleiß der Lager und Dichtungen und schützt vor einem Thermalschock, der die Turbolader-Komponenten beschädigen könnte.

    38. Ventile

    Das Ventilspiel sollte regelmäßig geprüft und eingestellt werden. Korrektes Ventilspiel ist die Voraussetzung für einen optimalen Motorlauf und sorgt für eine gleichmäßige Belastung von Ventilen, Ventilfedern und Stößeln. Zudem verbessert es das Startverhalten des Motors. Zu geringes Spiel kann dazu führen, dass ein Ventil nicht richtig schließt und deshalb die Wärme nicht mehr ableitet. Das Ventil kann dann verglühen oder abreißen.

    39. Vergaser

    Ein zu mager eingestellter Vergaser lässt den Motor überhitzen und führt zu Klopfen. Ein zu fett eingestellter Motor erhöht den Verbrauch und führt zu Rußablagerungen auf den Zündkerzen und in den Zylindern.
    Service: Oldtimer-Pflege Tipps & Tricks
    Zahnriemen und Steuerketten müssen nach gewisser Zeit ausgetauscht werden, um einen schwerwiegenden Motorschaden zu verhindern.
    Bild: Christoph Börries / AUTO BILD

    40. Zahnriemen

    Zahnriemen und Steuerketten sind Verschleißteile mit vorgeschriebenen Wechselintervallen. Ein Riss bedeutet in der Regel einen schweren Motorschaden.

    41. Zündanlage

    Die Kontakte in der Verteilerkappe sollten noch nicht zu stark abgenutzt und nicht oxidiert sein. Alte Zündverteiler können eine Schmiervorrichtung haben. Diese muss von Hand betätigt werden, um ein Einlaufen der Welle zu verhindern. Zündkerzen müssen von Zeit zu Zeit getauscht werden. Dabei unbedingt die Kennzeichnung beachten. Eine Zündkerze mit falschem Wärmewert kann schwere Motorschäden verursachen.

    42. Zylinderkopf

    Wenn der Motor zu heiß wird, kann die Zylinderkopfdichtung durchbrennen. Das kann zur Folge haben, dass Kühlmittel verloren geht oder ins Motoröl gelangt und zu Motorschäden führt.

    43. Zusatzlüfter

    Gerade bei großen Motoren, die entsprechend viel Wärme erzeugen, empfiehlt sich der Einbau eines Zusatzlüfters. Zu viel Hitze schadet dem Motor.

    Fahrwerk

    44. Achslager

    Ausgeschlagene Achslager haben einen negativen Einfluss auf die Lenkgeometrie und können zu einem erhöhten Reifenverschleiß führen.

    45. Blattfedern

    Grundsätzlich brauchen Blattfedern nur wenig Zuwendung, aber irgendwann sollte das Graphitfett zwischen den Lagen erneuert werden. Ein Anrosten der Federblätter lässt sich mit Kriechöl und Kupferpaste verhindern.

    46. Räder und Reifen

    Das Alter der Reifen lässt sich an der vierstelligen DOT-Nummer ablesen. Oft haben Oldtimer uralte Reifen drauf. Auch wenn sie optisch einwandfrei erscheinen und reichlich Profil haben, empfehlen Experten den Tausch nach maximal zehn Jahren. Dann nimmt vor allem die Haftung des aushärtenden Gummis stark ab. Nach längeren Standzeiten sollte der Luftdruck kontrolliert werden. Nach längeren Fahrten zeigt ein Griff an alle vier Felgen an, ob sich eine Felge durch eine schleifende Bremse oder ein schadhaftes Radlager überdurchschnittlich erwärmt hat.

    Elektrik

    47. Anlasser

    Wenn der Motor schlecht anspringt, strapaziert das vor allem den Anlasser. Um ihn vor unnötigem Verschleiß zu schützen, sollte die Ursache für das schlechte Startverhalten behoben werden.

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    48. Batterie

    Der Todfeind einer Batterie ist die Tiefentladung. Ein Trennschalter verhindert Spannungsverlust durch Kriechstrom, bei langen Standzeiten empfiehlt sich regelmäßiges Aufladen oder der Anschluss an ein Ladegerät mit Erhaltungsladung.
    Service: Oldtimer-Pflege Tipps & Tricks
    Bei der Batterie gilt es, die Tiefentladung zu verhindern.
    Bild: Hans-Joachim Mau / AUTO BILD

    49. Massekabel

    Massekabel können korrodieren. Entweder die oxidierten Bereiche reinigen oder das komplette Kabel tauschen.

    50. Steuergeräte

    Die empfindliche Elektronik in Steuergeräten ist meistens gut geschützt im Motorraum untergebracht. Wer eine Motorwäsche vornehmen will, sollte den Wasserstrahl trotzdem nicht direkt auf Steuergeräte richten, sondern diese zusätzlich abdecken. Die Kabel von Steuergeräten sollten nur bei abgeklemmter Batterie abgezogen werden.
    Wer die 50 Tipps beherzigt, hat mehr vom Oldtimer, kann viel Geld sparen und hat auch noch richtig Spaß beim Pflegen und Schrauben. Probieren Sie es aus!