Opel Astra Electric: Test
Stressfreies E-Auto: So schlägt sich der Opel Astra Electric im Test
Opel Astra Electric im ersten Test
Grundsolide in Idee und Funktionalität – der neue Opel Astra Electric summt ganz ohne technischen Overkill durch den Alltag. Das wirkt sympathisch.
Bild: AUTO BILD
Erfrischend simpel – so in etwa könnte man Opels neuen Astra Electric zusammenfassen. Der Kompakte wirkt nämlich angenehm bescheiden, beruhigend zuverlässig (im Sinne von alltagsbegleitend), letztlich erfrischend effektiv.
Auch weil er auf kapriziöse Designmätzchen (wie zum Beispiel einen platzraubenden Coupé-Dachverlauf oder den grassierenden SUV- Größenwahn) verzichtet, trotz Batterien im Bauch nichts von der Funktionalität eines Fünftürers einbüßt und weil er mit seinem Antriebspaket aus 54 kWh großem Akkubündel und einer Eingang-Elektromaschine im Bug manierliche Leistungsdaten liefert. Kurz: Bitte mehr von solchen Typen – dann klappt's mit der CO2-Wende.

Wie es sich für ein Elektroauto gehört, läuft auch der Astra Electric leise. Bei 170 km/h messen wir im Inenraum nur 67 dB(A).
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der Astra Electric ist besonders leise
Soweit die oberflächliche Betrachtung des neuen Astra Electric. Tiefer steigt der AUTO BILD-Einzeltest ein. Wir nehmen vorweg: Der Test offenbart weitere positive Fähigkeiten. Gleichzeitig aber auch Schrullen. Beginnen wir mit den guten Eigenschaften. Wie es sich für ein Elektroauto gehört, läuft der Opel besonders leise. Selbst bei Schmackes auf der Autobahn (hier schafft der Kompakte echte 170 km/h), halten sich Windgeräusche und Reifenrumoren zurück.
Fahrzeugdaten
Modell | Opel Astra Electric |
|---|---|
Motor Bauart | Elektromotor |
Leistung | 115 kW (156 PS) |
Drehmoment | 260 Nm |
Vmax | 170 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Batteriekapazität | 54 kWh |
Reichweite WLTP | 398 km |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 215/45 R 18 V |
Reifentyp | Michelin e.Primacy |
Radgröße | 7,5 x 18" |
Abgas CO2 | 0 g/km |
Verbrauch* | 14,8 kWh/100 km |
Ladedauer AC | 11 kW, 5:45 Std. |
Ladedauer DC | 100 kW, 30 Min. (80 %) |
Vorbeifahrgeräusch | 66 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | -/- |
Ladeanschluss | hinten rechts |
Kofferraumvolumen | 352–1269 l |
Länge/Breite/Höhe | 4374/1860–2062**/1488 mm |
Radstand | 2675 mm |
Grundpreis (vor Förderung) | 45.060 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 46.180 Euro |
Sauberer Geradeauslauf und zudem absolut sicheres Fahr- und Ausweichverhalten komplettieren den erwachsenen "Schnellfahr"-Eindruck. Darüber hinaus bietet der Wagen einen herausragenden Sitzkomfort. Die großen Vordersitze sind nämlich angenehm straff gepolstert, passgenau geformt und mit ausgeprägten Wangen für gute Seitenführung ausgestattet. Sie sind als Alcantara-Variante jedoch 1120 Euro teuer.
Vieles im Astra kostet extra
Ebenfalls schade: Analog hierzu verlangt Opel für weitere tolle Hilfsmittel auch weiteres Geld. Das voll umfängliche Assistenzpaket zum Beispiel mit 10-Zoll-Zentralanzeige, Head-up-Display und Top-Adaptivfahrlicht kostet im Paket zusätzliche 3800 Euro.

Aufpreispflichtig: Das umfangreiche Assistenz-Paket mit 10-Zoll-Monitor und Head-up-Display kostet 3800 Euro extra.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Insgesamt wird das Astra-Vergnügen also teuer. Zumal unter 46.100 Euro Grundpreis ohnehin nichts geht. Inklusive brauchbarer Extras summiert sich der Kaufpreis also auf nahezu 50.000 Euro.
Dem Antrieb fehlt der Elektro-Punch
Und der Preis ist nicht der einzige Dämpfer aus dem Electric-Lager. So hätten wir zuallererst eine bessere Bremsanlage beziehungsweise griffigere Reifen erwartet. 36 Meter Weg mit temperierten Bremsscheiben – das ist kein katastrophaler Wert, doch höchstens Durchschnitt.

Fast wie ein Diesel: Aus dem Stand heraus dürfte der Astra gerne mit mehr Sprungkraft loslegen. Bis Tempo 100 vergehen 9,2 Sekunden.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Auch die Fahrleistungen bleiben hinter dem "Gefühl" für 156 PS zurück. Der Wagen setzt sich zwar linear und nachdrücklich – ergo mit typischer Elektro-Charakteristik –, doch nicht mit erlebnisreichem Drehmoment-Kick in Bewegung. Aus dem Stand heraus dürfte der Astra gerne mit mehr Sprungkraft loslegen. Ein Diesel macht's ähnlich.
Messwerte
Modell | Opel Astra Electric |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 3,8 s |
0–100 km/h | 9,2 s |
0–130 km/h | 14,6 s |
0–160 km/h | 22,6 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 4,6 s |
80–120 km/h | 6,0 s |
Leergewicht/Zuladung | 1715/385 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 56/44 % |
Wendekreis links/rechts | 10,9/11,1 m |
Sitzhöhe | 545 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 35,2 m |
aus 100 km/h warm | 36,0 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 55 dB(A) |
bei 100 km/h | 62 dB(A) |
bei 130 km/h | 67 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 13,5 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 16,8 kWh/100 km (+14 %) |
Sportverbrauch | 17,6 kWh/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 0 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 321 km |
Trotz verhältnismäßig kleiner Masse (1715 Kilogramm auf der AUTO BILD-Waage) darf der Electric nur 385 Kilo Ladung schultern. Fünf Erwachsene an Bord? Ein Fall für die Polizei – Überladung. Eine Anhängerkupplung ist nicht vorgesehen.
Reichweite liegt im Test bei 321 Kilometern
Andere Auffälligkeiten verbuchen wir dagegen unter kleinere Macken. Die bei Geschwindigkeiten oberhalb von 60 km/h künstlich "erschwerte" Lenkung zum Beispiel, die gelegentlich begriffsstutzige Sprachsteuerung, das künstlich verzögerte Gangeinlegen beim Rangieren, das hör- und oft deutlich spürbare Rumpeln der flachen und harten 18-Zoll-Reifen auf Querfugen oder auch das umständliche Suchen, Zielen und Touchen auf dem Zentralmonitor.

Sparsam: Auf 100 Kilometer verbrauchte der Astra Electric im Schnitt 16,8 kWh – bei vollem Akku kommt man so 321 Kilometer weit.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Opel tröstet mit sauberem Energiehaushalt. Das im Boden montierte Akkupaket bringt den Wagen nämlich (nach unserer Verbrauchsmessung) rund 321 Kilometer weit. Das geht für diese Liga in Ordnung, zeugt vom geringen Energieverbrauch des Astra im Alltag.
Dank DC-Schnellladefunktion mit 100 kW lassen sich die Batterien im Optimalfall in rund 28 Minuten (von 10 auf 80 Prozent) wieder befüllen. Nicht ganz so gut: Zwar lässt sich der Electric per Taste "B" unterhalb des Wählhebels schnell und intuitiv in den Rekuperationsmodus schicken, eine One-Pedal-Funktion (bei der das Auto über den Generator bis zum Stillstand abbremst) ist jedoch nicht vorgesehen. Das finden wir dann doch wieder zu simpel.
Wertung
Modell | Opel Astra Electric |
|---|---|
Karosserie | Im Fond enger, Gepäckabteil passabel, sehr guter Sitzkomfort. Klar: angenehm leises Auto. |
3/5 Punkten | |
Antrieb | Linear, gut dosierbar, lässt sich sehr sparsam bewegen. Verhaltenes Anfahrerlebnis. |
3,5/5 Punkten | |
Fahrdynamik | Fühlt sich schwerer an, als er ist, dazu dürften die Bremsleistungen besser sein. Guter Geradeauslauf. |
3,5/5 Punkten | |
Connected Car | Sprachbedienung gelegentlich begriffsstutzig, sonst voll auf der Höhe der Zeit. |
4/5 Punkten | |
Umwelt | Für bessere Noten fehlen zum Beispiel die One-Pedal-Funktion und eine CO2-Klimaanlage. |
3,5/5 Punkten | |
Komfort | Sauberes Ansprechen der Federung, Geräusche gut entkoppelt, Reifen (18 Zoll, 2,6 Bar) derbe an Kanten. |
3/5 Punkten | |
Kosten | Kaufpreis hoch, Extras teuer, Wertverlust ordentlich – so wird der Electric kostspielig. |
2,5/5 Punkten | |
AUTO BILD-Testnote | 3+ |
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