Opel Astra Sports Tourer 1.2 Hybrid: Test
Der Astra Sports Tourer Hybrid überzeugt nicht überall

Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
So richtig will die E-Mobilität nicht zünden. Dennoch hat sie neben dem oft als Mogelpackung beschimpften Plug-in-Hybrid auch noch den Hybrid mit 48-Volt-Technologie hervorgebracht. Letztgenannte Antriebstechnologie hat Opel jetzt seinem Bestseller Astra spendiert.
Sowohl der Fünftürer als auch der Kombi in Form des Sports Tourer werden mit der Kombination aus einem 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner mit 136 PS und einem Elektromotor, der, gespeist durch eine Lithium-Ionen-Batterie, weitere 28 PS zur Verfügung stellt, angeboten.
Preisliste startet bei 31.875 Euro
Zum Test bei AUTO BILD ist der Astra Sports Tourer Hybrid angetreten, für den der interessierte Kunde mindestens 31.875 Euro bereithalten muss. Dass es dabei nicht bleibt, wird klar, wenn wir auf unseren Testwagen gucken, der in der Ausstattungslinie Ultimate 41.930 Euro kostet.

Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Allerdings ist in diesem Preis zum Beispiel ein wirklich gutes Head-up-Display enthalten, das seine Infos groß und breit in die Frontscheibe projiziert. Hinzu kommt eine Rückfahrkamera mit 360-Grad-Winkel, das intelligente Matrix-LED-Licht, das andere Verkehrsteilnehmer geschickt ausblendet oder auch ein induktives Ladefeld für das Smartphone.
Echte Tasten erleichtern die Bedienung
Auch in allen anderen Belangen versucht Opel im Astra mit der Zeit zu gehen. Das Cockpit ist stark reduziert, zwei Bildschirme nebeneinander simulieren eine Art Curved-Display, wobei der 10 Zoll große Zentralmonitor zwar zum Fahrer geneigt, aber für eine vernünftige Touch-Bedienung viel zu weit weg ist.

Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Zum Glück hat Opel sich nicht, wie bei anderen Fahrzeugen aus dem Stellantis-Universum, dazu überreden lassen, auch die Klimaanlage über den Bildschirm zu bedienen. Dafür gibt es weiterhin sehr gut funktionierende Tasten unterhalb des TFT. Selbst einen Drehregler zum Einstellen der Lautstärke hat Opel dem Astra-Fahrer gegönnt.
Fahrzeugdaten
Modell | Opel Astra ST 1.2 T Hybrid |
|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Dreizylinder, Turbo, Hybrid |
Einbaulage | vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Zahnriemen |
Hubraum | 1199 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 100 (136)/5500 |
Nm bei 1/min | 230/1750 |
Vmax | 210 km/h |
Getriebe | Sechsgang-Doppelkupplung |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 225/40 R 18 Y |
Reifentyp | Michelin Primacy 4 S1 |
Radgröße | 8 x 18" |
Abgas CO2 | 115 g/km |
Verbrauch* | 5,1 l/100 km |
Tankinhalt | 52 l |
Kraftstoffsorte | Super |
Partikelfilter | Serie |
Vorbeifahrgeräusch | 68 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1100/750 kg |
Stützlast | 70 kg |
Kofferraumvolumen | 597-1634 l |
Länge/Breite/Höhe | 4642/1860–2062**/1443 mm |
Radstand | 2732 mm |
Grundpreis | 37.930 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 41.930 Euro |
Was Opel allerdings nicht verhindern konnte, ist die sehr schlichte Grafik in den beiden Displays, die auch bei den französischen Kollegen zu finden ist. Besonders schade ist das beim Navigationssystem, das von TomTom stammt. Die Kartendarstellung ist sehr vereinfacht, wirkt dabei klein und ungenau, was die Wegfindung nicht gerade erleichtert.

Die Grafik im Fahrerdisplay (oben) ist ebenso schlicht, wie auf dem Zentralbildschirm (unten). Die Dreiteilung des Monitors verkleinert zudem die einzelnen Bedienflächen.
Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Hier macht sich das Head-up-Display bezahlt und der Umstand, dass sich das Smartphone kabellos spiegeln lässt, sodass die Kartensysteme über Apple CarPlay oder Android Auto genutzt werden können. Auch sonst ist das Infotainmentsystem keine Erleuchtung. Zum einen sind kaum Apps im Angebot, zum anderen reagiert das System auf die Ansprache "Hey Opel" eher zögerlich und ist selbst bei schneller Reaktion nicht besonders treffsicher in den gestellten Anforderungen.
Vorne gibt es gute Sitze und Platz
So kann es schon passieren, dass die Anforderung, die Sitzheizung zu bedienen, erst nach dem dritten Aufruf klappt oder bei den Points of Intrests die eine oder andere Verwirrung stattfindet.

Ausgezeichnete Sitze für Fahrer und Beifahrer, aber im Fond des Astra Sports Tourer geht es enger zu, als man auf den ersten Blick glaubt.
Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Doch wie dem auch sei, der Fahrer beobachtet das alles aus den nach wie vor sehr guten, ergonomisch geformten Sportsitzen mit Gütesiegel der Aktion gesunder Rücken, greift in ein fülliges Lenkrad mit gut zu bedienenden Tasten. Das Problem ist nur, dass die in Klavierlackoptik ausgeführt sind, was dazu führt, dass sie ebenso, wie die gleichen Einlagen in der Mittelkonsole immer angetatscht aussehen und penible Menschen veranlassen, wie der Teufel zu putzen.
Messwerte
Modell | Opel Astra ST 1.2 T Hybrid |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 3,2 s |
0–100 km/h | 9,2 s |
0–130 km/h | 15,2 s |
0–160 km/h | 24,2 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 5,1 s |
80–120 km/h | 6,5 s |
Leergewicht/Zuladung | 1505/485 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 60/40 % |
Wendekreis links/rechts | 11,1/11,2 m |
Sitzhöhe | 545 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 35,8 m |
aus 100 km/h warm | 36,0 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 59 dB(A) |
bei 100 km/h | 66 dB(A) |
bei 130 km/h | 69 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 4,8 l S/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 5,7 l S/100 km (+19 %) |
Sportverbrauch | 7,2 l S/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 136 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 900 km |
Innenraum könnte wertiger sein
Ansonsten wirkt auch der Innenraum der höchsten Ausstattungslinie Ultimate nicht wirklich wertig. Zwar sind große Teile der Hartplastikflächen in den Türinnenverkleidungen mit Intarsien und Velours kaschiert, aber die Seiten der Mittelkonsole bleiben unverändert. Die Armatur ihrerseits ist etwas kantig und zerklüftet, wirkt in sich nicht schlüssig. Das führt dazu, dass der Schieber, der den vertikalen Luftstrom der Lüftungsdüse auf der Fahrerseite regelt, nur sehr fummelig zu bedienen ist.

Die Armatur wirkt im Opel Astra Sports Tourer etwas zerklüftet, und nicht an allen Stellen sind wertige Materialien verbaut.
Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Erstaunlich ist, dass das Raumgefühl für Reisende in der zweiten Reihe nicht so üppig wie erwartet ist. Während die Füße gut unter den Vordersitz gestellt werden können und auch die Knie noch ausreichend Platz finden, dürften hochgewachsene Menschen mit dem Dachhimmel Probleme bekommen.
Auf jeden Fall punktet der Hybrid mit einem ordentlichen Kofferraum, der bei aufrechter Rückbanklehne 597 Liter bietet und bei umgeklappter Lehne 1634 Liter zur Verfügung stellt. Auch die Anhängelast geht hier mit 1,1 Tonnen völlig in Ordnung.

Ordentlich Platz: Der Kofferraum ist mit 597 bis 1634 Litern Volumen das Highlights des Opel Astra Sports Tourer.
Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Dass der Verbrauch nicht ganz so optimistisch ist, wie von Opel nach WLTP-Messung mit 4,8 Litern verkündet, darf dann auch vernachlässigt werden. Denn der von uns im Drittelmix ermittelte Wert von 5,7 Litern ist schon fast Diesel-verdächtig.
Gewöhnungsbedürftiges Pfeifen und Knurren
Aber das Hybridsystem hat auch seine Eigenarten. Beim Anfahren und Beschleunigen pfeift der Startergenerator sein eigenes Lied, bevor der Dreizylinder knurrend sein Lied singt. Dieses Wechselspiel der Töne reißt während der Fahrt auch nie ab, sodass man das Gefühl hat, unterwegs nie Ruhe zu finden.

Eigene Melodie: Bevor der Dreizylinder anspringt, pfeift der Startergenerator deutlich vernehmbar – das reißt auch nie ganz ab.
Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Die gewährt auch das sportlich abgestimmte GS-Fahrwerk nicht. Bei Querfugen und Schlaglöchern knufft es die Insassen ganz trocken in den verlängerten Rücken und gibt sich auch sonst recht straff. Das ist zwar bei dynamischen Kurvenfahrten hilfreich, macht sogar Spaß, konterkariert aber die Ausrichtung des Antriebs etwas. Denn wenn die Motorenkombination etwas nicht ist, dann dynamisch.
Fahrleistungen gehen in Ordnung
Ja, der Astra beschleunigt in 9,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Wer 160 km/h als seine Reisegeschwindigkeit erkoren hat, muss 24,2 Sekunden auf dem Pin verharren. Und mit ausreichender Ausdauer wird dann auch irgendwann Tempo 210 erreicht. Währenddessen wird die Kraft von maximal 230 Newtonmeter über ein unauffällig arbeitendes Doppelkupplungsgetriebe über sechs Stufen verteilt.

Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
In Summe ist der Opel Astra Sports Tourer Hybrid nichts für dynamische Fahrer, eher etwas für langmütige Familienväter, die vor allem Platz im Kofferraum brauchen.
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