Tolles Auto, toller Motor – könnte aber gern 50 PS mehr haben. So der Kommentar eines Kollegen über den Grandland X mit neuem Basisdiesel. Aber kann nicht jedes Auto gern mehr Power haben? Klar, nur kostet die eben auch. Beim Kauf, bei den Festkosten und an der Zapfsäule. Für uns Grund genug, dem "Kleinen" eine Chance zu geben und ihn ausführlich zu testen.

Der Opel ist weniger hochwertig als sein Technikspender

Opel Grandland X
Franzosen-Blitz: Der Grandland X ist im Grunde ein Peugeot 3008 mit Opel-Schminke.
Seit einem Jahr bietet Opel den im französischen Sochaux gebauten Grandland X an. Dass es sich um einen Peugeot 3008 handelt, der sich hinter reichlich Opel-Schminke versteckt, muss kein Nachteil sein – der Franzose ist ja ein gutes Auto. Umso ernüchternder, dass gerade im Innenraum der Eindruck entsteht, dass wir es hier mit einer mittelprächtigen Kopie zu tun haben. Es sind Details und die Verarbeitung, die enttäuschen. So hat das kleine Fach links von der Lenksäule weder einen richtigen Verschluss, noch hat man ihm eine geräuschdämmende Filzeinlage gegönnt. Die Ummantelung der Lenksäule selbst wie auch die Aufnahmen der hinteren Sonnenrollos sind nicht entgratet und so scharfkantig, dass Kinder sich verletzen können. Details nur, klar. Das kann Opel sonst besser. Und das bekommt auch Peugeot besser hin. Zu sehen am 3008.

Mit dem neuen Motor geht es geschmeidig voran

Opel Grandland X
Gute Wahl: Der kleine 130-PS-Diesel läuft weich und kultiviert, ist zudem sauber nach Euro 6d-Temp.
Dafür verwöhnen die Ergo-Sitze mit kuscheligem Komfort. Angenehm ist auch die ganze Bedienung, die so selbsterklärend ausfällt, dass sich Neukunden den Computerkurs in der Volkshochschule schenken können. Nur die Tasten hätten ruhig etwas größer ausfallen dürfen. Bei der Leistung zeigt sich der Grandland X großzügiger. Der neue 1,5-Liter-Diesel, der im April den Vorgänger mit 1,6 Litern ablöste, ist kräftiger geworden. Statt zuvor 120 reicht er jetzt 130 PS an die Vorderräder durch. Vor allem ist er sauberer geworden und erreicht die strenge Abgasnorm Euro 6d-Temp. Wie fährt sich der Fortschritt? Bestens. Das Peugeot-Aggregat läuft bereits ab dem Kaltstart weich und kultiviert. Hartes Nageln, ein typisches Leiden vieler 6d-Temp-Saubermänner, verkneift er sich. Gleichmäßig zieht er hoch, liefert bereits bei 1750 Touren sein volles Drehmoment von 300 Nm.
Ein idealer Partner ist die Achtstufenautomatik für 2300 Euro Aufpreis. Gekonnt überspielt sie die leichte Anfahrschwäche und regelt bei hohem Tempo dank lang gespreizter Übersetzung die Drehzahl tief runter, schont so Ohren und Verbrauch. Nur unter Volllast wird sie übermütig, schaltet nicht hoch und lässt den Vierzylinder beim Fahrer lautstark um Gnade flehen.

Im Fahrwerk steckt noch reichlich Optimierungspotenzial

Opel Grandland X
Zu straff: Der Opel fällt überrumpelt in Löcher und Wellen, zittert und rollt bei Langsamfahrt hölzern ab.
Doch Grandland X fahren geht eh anders. Mit einer Beschleunigung von rund elf Sekunden auf 100 km/h und einem Leergewicht von 1491 Kilo ist der Opel der softe Typ für die ruhige Reise. Da fällt auch die etwas indirekte Lenkung nicht negativ auf. Eher schon das Fahrwerk. Es entpuppt sich zum Pferdefuß am Grandland X. Dass das schwere SUV früh untersteuert und das ESP sofort um Hilfe ruft, verzeihen wir ihm gern. Sicher ist sicher. Was die Bremsen mit bissigen 34,3 Metern unterstreichen. Aber der Komfort. Mit den serienmäßigen 18-Zöllern kommt nie Ruhe in die Fuhre. Er fällt überrumpelt in Löcher und Wellen, zittert und rollt bei Langsamfahrt hölzern ab. Fahrwerksalternativen gibt es nicht, kleinere 17-Zöller nur fürs Basismodell. So korrigieren wir den Kollegen am Ende doch: schönes Auto, toller Motor! Es sollte nur ein adaptives Fahrwerk haben.

Fazit

Der saubere 130-PS-Diesel macht seine Sache gut. Er läuft leise und sparsam. Dass er nicht der schnellste ist, fällt im Grandland X nicht negativ ins Gewicht. Mit indirekter Lenkung und bockigem Fahrwerk ist er eh kein Sportler.

Von

Berend Sanders