Der 8. Januar 2010 war ein eiskalter, wolkiger Tag. Abends gab es Schnee. Opel musste 21.200 Insignia in die Werkstätten zurückrufen, und Geschäftsführer Hans Demant flog raus. Unter seinem Nachfolger Nick Reilly – Typ: harter Sanierer – wehte ein scharfer Wind. Es gibt ruhigere Tage als diesen Freitag, an dem unser Insignia Sports Tourer zum Dauertest vorfuhr. Jener Hoffnungsträger, der Bruch mit Opels Kombi-Tradition und der Ernstfall für das Versprechen "Der beste Opel, den wir je gebaut haben" – wann stand ein deutsches Auto zuletzt so sehr im Brennpunkt? Sein Design, im neuen Stil der Marke, kam an. Das Kombi-Konzept weniger, vor allem nach den Caravan-Vorgängern, die stets Platz statt Premium im Gepäck hatten. "Kofferraum und lange Ladekante sind ein schlechter Scherz", ärgerte sich Testwagen-Koordinator Gunnar Heisch gleich zu Beginn. Dazu kam die schlechte Sicht nach schräg hinten und eine Heckklappe, deren ausladende Konstruktion manche an die Kippnase von Autofähren erinnert. Nach 19.341 Kilometern brauchte Redakteur Roland Bunke morgens Starthilfe – Batterie leer! Über Nacht hatten Verbraucher unerkannt Strom gezogen. Als Abhilfe spielte Opel im Juni 2010 eine geänderte Software auf. Völlig ausgetrieben war der Elektronik-Teufel trotzdem nie. Mal zeigte das Display eine falsche Fehlermeldung ("Stoßdämpfer kontrollieren"), die Sitzheizung fiel bei einem Grad minus aus, oder die Radio-Navi-Einheit ging k.o. und war erst nach sechs Stunden wieder auf dem Damm.Grundsätzlich gefiel der elektrische Wegweiser aber – mit ordentlicher Grafik und sinnvollen Stau-Umleitungen. Ein Highlight in einem Interieur, das Opels Premium-Anspruch nicht ganz einlöst. An die Schalterwüste à la Flugzeugcockpit (rund 50 Knöpfe) konnten wir uns gewöhnen, weniger jedoch an hartes Plastik und billig wirkende Regler und Tasten. "Wenig schmeichelt den Fingern, nichts rastet satt ein", klagt Tester Berend Sanders, der im Insignia Sports Tourer "den schönsten Opel seit 1970" sah. Nach 1500 Kilometern Fahrt war seine Begeisterung abgekühlt: "Wer einen Low-Budget-5er erwartet, wird enttäuscht." Die Urteile hingen stark vom Einsatzzweck ab. City? No. Autobahn? Go. Im Stadtverkehr wirkte der Antrieb veraltet und als Sparversion "Ecoflex" zu lang übersetzt. "Traktor mit Kofferraum", hieß es über den knurrenden Diesel, der zudem beim Anfahren gern abstarb oder sich zäh durchs tiefe Turboloch quälte.Am Getriebe nervten die hakelige Schaltung und der starke Drehzahlsprung vom ersten zum zweiten Gang. Außerorts dagegen wirkte die Ecoflex-Maschine wie befreit. Der "fantastische Reisewagen" lief laut Tacho 235 km/h und schaffte mit seinem 70-Liter-Tank stressfrei viele Kilometer am Stück – wobei er mit 7,4 Litern über die 100.000 Kilometer sparsam blieb. "Mehr als acht Liter Verbrauch geht gar nicht, trotz langen Vollgasbolzens", staunte Kollege Karl-August Almstadt. Auf langen Etappen bewährten sich die Sitze, die das Gütesiegel der "Aktion Gesunder Rücken" zu Recht tragen. Auch die Klimaanlage arbeitete zuverlässig, nachdem wir sie durchschaut hatten: Man musste 24 Grad einstellen, um auf 21 Grad zu kommen.Doppelt ärgerte es, dass bei jedem Ausschalten des Motors alle vorgenommenen Einstellungen stets wieder gelöscht wurden, etwa die des "Flex-Ride"-Fahrwerks. Dieses System verstellbarer Dämpfer (930 Euro extra) gefiel nur wenigen Fahrern. Flotte Naturen schworen auf die "Sport"-Position, viele aber fanden sie zu straff, "Tour" wiederum zu schwammig. "Spielkram", meinte Redakteur Jürgen von Gosen. "Nichts geht über ein ausgewogen abgestimmtes Fahrwerk." Dabei besitzt der Opel doch genug Qualität, wie sich zeigte, als der Sports Tourer am Dauertestende in alle Einzelteile zerlegt wurde. Kein Verschleiß in Motor, Getriebe und Achsen, kein Rost – so das Ergebnis der Abschlussuntersuchung am 17. Januar 2012. An diesem Tag war Sanierer Reilly schon wieder weg. Sein Nachfolger Friedrich-Karl Stracke hat eine Menge zu tun.Alle Bilder zum Dauertest mit dem Opel Insignia finden Sie oben in der Bildergalerie. Den vollständigen Artikel mit allen Daten und Tabellen gibt's im Online-Artikelarchiv.

Fazit

von

Joachim Staat
Im Kern ist der Insignia ein gutes Auto, das bestätigt unsere Note 2– im Dauertest. Die Qualität stimmt, auch das neue Design kommt an. Allerdings krankt der Opel daran, dass er mehr darstellen sollte als einen soliden Kombi. Gemessen an früheren Caravan enttäuscht sein Laderaum. Die Elektronik bringt neue Fehlerquellen an Bord, das Geld hätte Opel besser ins Material gesteckt. So verfehlt der Insignia seinen Premium-Anspruch.