Ein sicherer Kauf, sagt mein Kopf, als ich in der Suchmaske vom Autohus einen kaum zwei Jahre alten Opel Insignia Sports Tourer 1.6 CDTI entdecke. Aus dem Preis von 13.500 Euro errechnet sich nach nur 20 Monaten ein Wertverlust von sage und schreibe 62,5 Prozent! Der Kombi erfüllt die Euro-6-Norm und ist dank der Ausstattungslinie Innovation sogar mit dem Navi 900 IntelliLink ausgerüstet. Zusätzlich mit Sitzheizung und Parkpilot vorn und hinten bestückt, sind die wichtigsten Optionen an Bord. Erste Hand und nur etwas über 30.000 Kilometer Laufleistung runden das Schnäppchen ab.

Fünf Jahre Garantie sind ein Argument für den Vesta

Opel Insignia ST
Nicht mal zwei Jahre alt und über 60 Prozent an Wert eingebüßt: Der Insignia kostet gebraucht so viel wie ein neuer Vesta.
Vor der Abfahrt zum Gebrauchtwagen-Check präsentiere ich die Entdeckung meinem Kollegen Lars Jakumeit. Der kommt selbst oft mit überraschenden Preisknallern um die Ecke, kann diesmal aber nicht unterbieten. Stattdessen gibt er zu bedenken: "In unserer Testgarage steht gerade ein Lada Vesta SW. Der Kombi ist als Neuwagen exakt so teuer wie dein gebrauchter Insignia." Na ja, der Vergleich hinkt gewaltig, denke ich erst. Denn der Opel spielt in Anbetracht von Größe, Technik und Komfort in einer ganz anderen Liga. Allerdings, und da muss ich dem pfiffigen Kollegen Jakumeit recht geben, hat der Vesta mit satten fünf Jahren Garantie ein dickes Ass im Ärmel.

Lob bekommt der Lada für seine Platzverhältnisse

Lada Vesta SW
825 Liter maximales Ladevolumen beim Vesta. Lada gibt das Volumen bis zur Fensterkante an. So gemessen, ist der Insignia kaum größer.
Kurz entschlossen fahren wir mit dem Lada Vesta die knapp 80 Kilometer zum Autohus nach Bockel bei Bremen. Hinsichtlich der Ausstattung ist der Russen-Kombi alles andere als ein rollender Anachronismus. Parkpiepser, Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Tempomat und E-Fenster rundum verbaut Lada gratis schon im Basismodell. Doch beim Fahren fällt schnell auf, dass der Vesta aus ganz einfachem Holz geschnitzt ist. Schon in der Stadt macht sich der schlechte Geradeauslauf bemerkbar. Irgendwie sympathisch, aber auf Dauer auch nervig. Auf dem Beschleunigungsstreifen der Autobahn röhrt der 1,6-Liter-Saugrohreinspritzer angestrengt, hat mit drei Mann und Fotoausrüstung an Bord seine Mühe, denn der simpel konstruierte Benziner verzichtet auf Aufladung. Sein großer Vorteil ist die simple und deshalb solide Technik. Wo wenig dran ist, da kann halt wenig kaputtgehen – so einfach ist das. Lob bekommt der Lada für seine Platzverhältnisse. Angesichts von 4,42 Meter Länge bietet er vorn wie hinten überraschend viel Raum. Das ist beim fast 50 Zentimeter längeren Opel genau andersherum. Bei über 4,90 Meter Länge ist es schon ein Wunder, dass es auf der Rückbank schnell an den Knien zwickt und in den Kofferraum nicht deutlich mehr passt als in den Vesta.

Der Langstreckenkomfort des Insignia ist top

Die 13.000-Euro-Frage
Im Dauertest holte der Opel 2012 eine 2-. Inzwischen sind mehr Schwachstellen bekannt.
Dafür fährt sich der Opel um Klassen besser. Sein Langstreckenkomfort ist uns seit dem Dauertestende anno 2012 in bester Erinnerung geblieben. Unser Gebrauchtwagen wird vom etwas schwächlichen 1.6 CDTI angetrieben. Dass der Selbstzünder mit seinen 136 PS im beladenen Zustand den Fahrer zur gelassenen Fortbewegung erzieht, ist kein Dilemma. Ärgerlich wird es aber, wenn die Steuerkette rasselt. Und das ist, wie man in den Foren nachlesen kann, beim B16DTH-Motor leider kein Einzelfall. Der Tausch ist aufwendig, die vorgegebene Arbeitszeit beträgt 14 Stunden. Wenn es schon ein Diesel sein soll, dann lieber einen der 2.0 CDTI mit Zahnriemen nehmen.
Überblick: Alles zum Opel Insignia ST und Lada Vesta SW
Vorsicht ist auch beim Schaltgetriebe geboten. Herr Hasanovic, Geschäftsführer der HAS-Antriebstechnik GmbH, kennt das M32-Getriebe in- und auswendig, bezeichnet es bis zur zweiten Generation als ein Problemkind. Besonders heikel wird es, wenn im ersten, fünften oder sechsten Gang der Schalthebel bei Lastwechseln anfängt zu wippen. Denn das ist ein Zeichen dafür, dass das Lager im hinteren Getriebedeckel eingelaufen ist und ein Getriebe-Totalschaden kurz bevorsteht. Die dritte Getriebegeneration verbaut Opel erst seit Mitte 2016 – sie muss sich in puncto Haltbarkeit noch beweisen. Ich muss an die fünf Jahre Garantie von Lada denken – ein wirklich sicheres Ding. Doch genauso sicher ist auch: In fast allen anderen Punkten kann der Vesta nicht mit einem gebrauchten Insignia mithalten.

Bildergalerie

Alt gegen neu: Opel Insignia ST trifft Lada Vesta SW
Alt gegen neu: Opel Insignia ST trifft Lada Vesta SW
Alt gegen neu: Opel Insignia ST trifft Lada Vesta SW
Kamera
Alt gegen neu: Opel Insignia ST trifft Lada Vesta SW

Fazit

Geht es nur um Schutz bei Schäden, fällt die Wahl auf den neuen Vesta. Doch Garantie ist eben nicht alles. Beim Autofahren müssen Lada-Käufer dicke Abstriche machen. Dazu hat der Insignia den heftigsten Wertverlust nach zwei Jahren hinter sich. So fällt der Griff zum Opel am Ende doch leicht. Urteil: 3,5 von fünf Punkten